Die Hohner-Mundharmonika aus Brunndöbra

Wie ein Trossinger im Vogtland mit einem großen Namen spielte. Ein Nachkomme aus Reichenbach hat die Geschichte aufgearbeitet.

Klingenthal.

Knapp 100 Jahre ist es her, dass Mundharmonikas mit dem Logo "M. Hohner & Co." auf den Markt kamen - der Namenszug auffällig groß, das "Co." eher unscheinbar. Die Instrumente kamen nicht aus Trossingen, dem Sitz der Firma Hohner, sondern aus dem vogtländischen Brunndöbra, heute ein Stadtteil von Klingenthal. Gefertigt wurden sie freilich von einem echten Hohner aus Trossingen. Jener Matthias (1886-1970) zog 1905 aus Baden-Württemberg nach Sachsen um, er war ein Großcousin des gleichnamigen Trossinger Firmengründers.

Der Verkauf von Hohner-Instrumenten aus Brunndöbra funktionierte allerdings nicht lange, dafür saß man in Trossingen juristisch am längeren Hebel. 1922 wurde Geschäftspartner Max Schlott in den Namenszug aufgenommen, die Firma hieß nun "Schlott Hohner Co's". Sie bestand bis zur 1929 beginnenden Weltwirtschaftskrise. Letztlich arbeitet der Wahl-Vogtländer Hohner als Stimmer bei der Firma Galotta - und das in dem Gebäude, das ihm einmal gehört hatte.


Unter den unzähligen Geschichten um die Klingenthaler Harmonikabranche und die vielfältigen Kontakten, die es zwischen den Zentren im Vogtland und in Trossingen gab und gibt, nimmt die Hohner-Story einen besonderen Platz ein. Recherchiert hat sie Gerd Hohner aus Reichenbach, ein direkter Nachkomme des Wahl-Vogtländers aus Trossingen, der dazu auch mit dem Deutschen Harmonikamuseum in Kontakt steht. Martin Häffner, der Chef des Trossinger Hauses, war am Wochenende zum Stadtfest nach Klingenthal gekommen, als Gerd Hohner zwei Instrumente aus der Fertigung seines Vorfahren an das Klingenthaler Musik- und Wintersportmuseum übergab.

Das Deutsche Harmonikamuseum nimmt das Klingenthaler Jubiläum "100 Jahre Stadtrecht" zum Anlass für eine Sonderausstellung über die beiden deutschen Weltzentren der Harmonikabranche und die vielfältigen Beziehungen zwischen beiden Städten. Diese soll am 15. September in Trossingen eröffnet werden. Der Termin wurde laut Häffner extra gewählt, um nicht mit dem Festival "Mundharmonika live" zu konkurrieren. 2020 soll die Sonderausstellung in Klingenthal gezeigt werden, im Musik- und Wintersportmuseum. Brigitte Förster, Sachgebietsleiterin Kultur/Tourismus, hat als Termin den Mai im Blick.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...