Ende eines Notstandes: Kinderärztin eröffnet Praxis

Kaum ein Thema bewegt so viele Menschen wie der Ärztemangel. In Markneukirchen und Umgebung dürfen zumindest junge Eltern jetzt aufatmen.

Erlbach/Markneukirchen.

Eines widerspricht dem Klischee und fällt deshalb sofort auf: Madlen Neef trägt keinen weißen Kittel. "Es gibt Kinder, die haben Angst davor. Das möchte ich nicht", sagt sie mit einer freundlichen Stimme, ihre Augen strahlen und sie lächelt sanft. Das spricht Kinder an und nimmt ihnen Furcht vor der Frau Doktor.

Auf dem Tisch steht ein großer Blumenstrauß, eine nette Geste zur Begrüßung, denn Montag hat Kinder- und Jugendärztin Madlen Neef ihre Praxis in Erlbach eröffnet und die ersten kleinen Patienten behandelt. Nicht nur Eltern aus dem Ort und der Umgebung fällt ein Stein vom Herzen: Endlich keine langen Wege mehr anderswohin, endlich weniger Wartezeiten. Auch Erlbachs Ortsvorsteher André Worbs (Freie Wähler) und Markneukirchens Bürgermeister Andreas Rubner (parteilos) ist ein Felsbrocken vom Herzen gefallen und der Schuh drückt an einer Stelle weniger. Für sie persönlich und vor allem die Kommune ist es angesichts des Notstandes an Fachärzten in der Region ein Glücksumstand, so schnell und überhaupt eine Nachfolgerin für den vorherigen Kinderarzt Dr. Irmscher gefunden zu haben.

Madlen Neef nennt es für sich und ihre Familie eine "glückliche Fügung", dass sie sich in Erlbach hat niederlassen können, statt eine Krankenhausstelle in einer Stadt anzunehmen: "Über die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen war die Stelle in Erlbach ausgeschrieben und ich habe mich darum beworben. Was soll ich viel sagen: Es hat geklappt." Glückliche Fügung auch deshalb, weil ihr Lebenspartner ein Erlbacher ist, hier familiäre Bindungen hat und mittlerweile als Lehrer in Mylau arbeiten kann. Es passt also für Madlen Neef - sie stammt eigentlich aus Oschatz und studierte von 2000 bis 2006 in Leipzig - persönlich und beruflich rundum. Dass sie mit der Praxis jetzt bei Null anfängt, sieht sie zwar als "ein gewisses Risiko" an, aber weniger als eine Hürde. Denn nicht nur in Erlbach gibt es viele Kinder, die von Natur aus irgendwann krank sind.

Dankbar ist Madlen Neef für die Unterstützung, die sie aus dem Rathaus erfährt: "Das erste halbe Jahr brauche ich keine Miete zu zahlen. Außerdem hat die Stadt die Praxis ohne Kosten für mich renoviert und hergerichtet." Im nächsten Jahr - so ist es vorgesehen - zieht die Praxis nach Markneukirchen ins neue Ärztehaus um.

Eine Städterin hat sich entschlossen, in den vogtländisch-ländlichen Raum zu ziehen, nimmt es ernst mit dem inhaltlichen Anspruch vom Eid des Hippokrates, dem sich Madlen Neef verpflichtet fühlt. Dass sie zudem als eine an Kunst und Kultur interessierte Frau in der Region garantiert nicht enttäuscht wird und als passionierte Skiläuferin den Kegelberg, dazu die örtlichen wie auch andere nahe Loipen quasi vor der Nase hat - alles das kommt noch hinzu.

Und Madlen Neef hat selbst drei Kinder: zwei im Grundschulalter, das kleinste weiß sie in einer Markneukirchener Kita gut aufgehoben. "Sie fangen sogar schon an, jetzt Vogtländisch zu reden..."

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