Gitarrenbauer schenkt Museum Unikat

Torsten Preuß erhielt viel Unterstützung, als er als junger Instrumentenbauer im Vogtland anfing. Als Meister gibt er jetzt etwas Besonderes zurück.

Markneukirchen.

Das Vogtland hat mir gut getan, und Markneukirchen ganz besonders: Das sagt Gitarrenbauer Torsten Preuß. Er belässt es nicht bei diesen Worten, sondern er bedankt sich - bei all denen, die dabei halfen, dass der Hannoveraner mit der beneidenswert astreinen Deutsch-Aussprache ab 2005 in der Region Fuß fassen konnte. Der Dank ist eine Rarität: Eine Archtop-Jazzgitarre nach Jimmy D'Aquisto als Geschenk für das Musikinstrumenten-Museum der Stadt. So konstruierte Instrumente gibt es vielleicht zehn weltweit, schätzt Preuß ein.

Die Vogtländer habe es dem Norddeutschen leicht gemacht, sagt er: Eine Werkstatt finden, erste Reparaturen und Aufträge für das Museum erledigen, vom großen Wissensschatz einheimischer Meister lernen. Dazu praktische Hilfe in der Zeit, als Preuß in Klingenthal und Markneukirchen Ausbildung und Studium absolvierte, er selbst schon Familienvater war. Sei es die mit Michael Seidel aufgebaute Internetseite seiner Werkstatt - Seidels Band Brezel Brass spielt Preuß-Gitarren, sei es die Berufserfahrung von erfahrenen Kollegen wie Ulrike Meinel: "Ich hab jede Menge gelernt, und ohne das, wäre ich nicht da, wo ich heute bin", betont der 38-Jährige.

Ein Museum muss sich nicht darin erschöpfen, was über Generationen überliefert ist, überlegte Preuß, der Markneukirchens Instrumenten-Sammlung als einer der ältesten und wertvollsten Europa als Chef des Museumsvereins seit 2017 zusätzlich verbunden ist. Ein junges Instrument, von einem jungen Meister, noch dazu ein ausgefallenes Stück - genau das sollte es sein. Ein solch exorbitantes Teil hat er gebaut, im Wintersemester 2010/11. Im Studium hatte er sich fast nur auf den Bau von Jazzgitarren verlegt, aber diese war eine besondere: Ein Modell, dessen Original der italo-amerikanische Gitarrenbauer Jimmy D'Aquisto (1935 bis 1995) schuf: Der Korpus größer, die Form ausgefallen. "Es ist ziemlich sperrig. Die Gitarre braucht mindestens ein Cello-Etui", sagt Preuß. Ein Instrument, das sich abheben soll, gebaut als Sammlerstück, wie sein Vorbild: In den 1960-er Jahren geschaffen von John D'Angelico - bei dem New Yorker arbeitete D'Aquisto in dessen letzten Lebensjahren, interpretierte den Bau dieser Gitarre dann aus seiner Sicht. Wenige Repliken gibt es davon. "Die Gitarre ist auf Ausstellungen der Hingucker. Die Leute trauen sich nicht, sie in die Hand zu nehmen, berühren sie so ehrfürchtig", erklärt Preuß. Sich an den Bau solcher Art Instrumente zu wagen, das reizt ihn bis heute. Es gibt zwar Eckdaten für das Instrument, aber "so ein bisschen Fischen im Trüben" sei hier schon dabei, sagt der Wahl-Vogtländer. Den perfekten Platz dafür hat er seit zwei Jahren: Eine lichte und für Markneukirchen sehr typische Hinterhaus-Werkstatt an der Plauensche Straße, die schon als Abrisskandidat gehandelt worden war, bevor Preuß das Haus im Stadtkern kaufte.

Zum reichen Gitarrenfundus des Musikinstrumenten-Museums, aus dem Preuß "einige sehr schöne aus den 60er, 70er Jahren" hervorhebt, gehört die Preuß-Gitarre zwar nun, zu sehen ist sie im Museums-Domizil Paulus-Schlössel aber nicht: Sie hat ihren Platz in einer Vitrine in der Fachhochschule an der Adorfer Straße, an der Preuß als Dozent lehrt - und wird wegen der begrenzten Platzverhältnisse im Museum bis auf Weiteres auch hier bleiben. Froh wäre der Instrumentenbauer, wenn seine Aktion als Signal verstanden wird: "Vielleicht fühlt sich ja mancher dadurch angestippt, auch etwas zu spenden oder zu leihen. Es ist ja derzeit allgemein ein Generationenwechsel", ist er überzeugt, dass es viele Jüngere braucht, die sich für Markneukirchen engagieren.

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