Kleiner Zirkus für kleine Orte

Ein Zirkusgastspiel in Triebel und Eichigt ist für die Dörfer etwas ganz Besonders. Aber auch für die Zirkusfamilie ist heute kein gewöhnlicher Tag. In Eichigt wird eine Sechsjährige eingeschult.

Triebel/Eichigt.

Mileena ist schon aufgeregt wie bei einer Vorstellung. Kein Wunder, denn heute wird die Sechsjährige in Eichigt eingeschult. Lange drückt sie dort nicht die Bank, jedenfalls im Vogtland, und ihr bleibt keine Zeit, erste Freundschaften zu knüpfen, weil am Mittwoch der Zirkus weiterzieht und anderswo das Zelt aufbaut. Ihren älteren Geschwistern, Cousins und Cousinen geht es nicht anders. Für sie heißt es schon nach zwei Tagen an der Oberschule in Oelsnitz: Schluss, neuer Ort, neue Schule. "So ist das Zirkusleben. Wir mussten uns daran gewöhnen und unsere Kinder müssen es auch. Kein Problem", sagt die Junior-Chefin Daniela Lutzny, ohne dabei zu stöhnen.

Trumpf ist einer von vielen Familien-Zirkussen, die vom Frühjahr bis in den Herbst hinein durchs Land ziehen und einen Hauch von Nostalgie verbreiten. Das Winterlager bezieht er in der Nähe von Bautzen und die Eltern und Kinder überbrücken die kalte Zeit als Schausteller und Puppenspieler, treten in Schulen oder bei Faschingsveranstaltungen auf. Zu vergleichen ist Trumpf nicht mit den Großen des Metiers wie etwa Africa, aber hinter ihnen verstecken, das muss er nun auch nicht. "Uns gibt es schon in der siebenten Generation. Wenn ein Kind im Zirkus geboren wird und damit aufwächst, dann bleibt es auch dabei. Pflicht ist das aber nicht. Schon als Baby wird man auf der Hand balanciert, um später keine Höhenangst zu bekommen", spricht Daniela Lutzny aus eigener Erfahrung. Etwas anderes als Zirkusmusik, den Geruch von Tieren und Manege, den Beifall, das Leben im Wohnwagen - das kann sie sich nicht vorstellen. Der Aufbau des 150 oder 300 Besucher fassenden Zeltes in größeren Städten wie Jena oder Stadtroda gehört eher zu den Ausnahmen. Zumeist macht Trumpf in kleineren Orten - eben auch Triebel und Eichigt - Station, obwohl sie nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen. "Es ist irgendwie komisch, dass die Leute meistens nicht zu einer Vorstellung ins Nachbardorf gehen, weil sie denken: Wenn er dort ist, dann kann der Zirkus auch zu uns kommen."

Wilde Tiere sind im Zirkus Trumpf kein Trumpf. Er unterhält die Besucher für knapp zwei Stunden mit Clownerie, Feuershow, Dressuren von Pferden, Ziegen, Eseln und Hunden, mit Akrobatik in luftiger Höhe, gewagten Balanceakten auf Tischen und Stühlen, mit Hula-Hoop-Kunststücken. Nicht zu vergessen "Der kluge Hans aus Berlin" - ein Pony, das rechnen kann.

Vorstellungen: Morgen um 15 Uhr und am Montag um 17 Uhr gibt der Zirkus Trumpf am Sportplatz in Eichigt zwei weitere Vorstellungen.

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