König von Klingenthal

Furios und feierlich: Das Preisträgerkonzert setzte am Samstag den Schlusspunkt unter den 56. Internationalen Akkordeonwettbewerb Klingenthal. Zweimal wurde Radu Ratoi als 1. Preisträger geehrt.

Klingenthal.

Welch ein Finale eines Wettbewerbs, den man ohne Übertreibung "Champions League des Akkordeons" nennen kann! Nicht nur der König der vergangenen Tage in der Musikstadt Klingenthal, Radu Ratoi aus der Republik Moldau wurde als zweifacher 1. Preisträger (Weltmusik und Solistenklasse) stürmisch gefeiert - wegen seines Soloauftritts und gemeinsam mit der Vogtland-Philharmonie unter der Leitung von David Marlow. Die Zuhörer in der fast voll besetzten Aula des Schulzentrums Am Amtsberg waren schlichtweg hingerissen von der Virtuosität auch der anderen Preisträger. So gut schon in noch so jungem Alter - wo soll das nur hinführen? Nicht nur ein mehrfacher geäußerter Wunsch von Moderator Jan Meinel: Auf ein Wiedersehen in Klingenthal!

Dass der Internationale Akkordeonwettbewerb weltweit ein nicht zu unterschätzendes und nicht zu überhörendes Ansehen genießt, lässt sich allein daran ermessen: 55 Teilnehmer kamen aus 23 Ländern ins Vogtland. Premiere: Mit Gustavo Aliandre de Almeida gehörte erstmals ein Akkordeonspieler aus Brasilien zu den Preisträgern. Auffallend das hohe Niveau und die qualitative Breite von Teilnehmern aus Polen und China.

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Den erstmals vergebenen und von Thorald Meisel angeregten Publikumspreis in der Kategorie Virtuose Unterhaltungsmusik erhielt Anais Bessieres aus Frankreich. Mit einem Sonderpreis des Deutschen Harmonika Verbandes wurde Yijin Li aus China als jüngste Teilnehmerin ausgezeichnet. Den Sonderpreis des Deutschen Akkordeonlehrer- Verbandes erhielt in diesem Jahr Julius Schepansky als punkthöchster deutscher Teilnehmer. Mit einem Sonderpreis als erfolgreiche deutsche Teilnehmerin wurde Anna Betker von Aldo Belmonti, Präsident der italienischen Touristenorganisation "Pro Loco Castelfidardo" geehrt.

Horst Wehner (Linke), zweiter Vizepräsident des Sächsischen Landtags: "Wir können uns als Freistaat sehr glücklich schätzen, solche Initiativen wie diesen Wettbewerb bei uns zu haben. Sonst gingen Instrumente von Klingenthal, jetzt kommt die Welt nach Klingenthal. Wir erleben hier einen Branchentreff der ersten Güte."

Wehner kündigte an, sich nach seinem Ausscheiden aus dem Landtag im Förderverein für die Klingenthaler Internationalen Akkordeonwettebwerbe engagieren zu wollen. Bürgermeister Thomas Hennig (CDU) als Vorsitzender des Fördervereins gab dem sofort statt. Hennig war nach dem Finale happy: "Wir haben in den vergangenen Tagen ein regelrechtes Feuerwerk von Musik erlebt. Klingenthal ist als Musikstadt international bekannt, genauso wie durch den Sport und das Wandern. Der Wettbewerb ist auch ein Wirtschaftsfaktor für die Stadt und ein Werbeträger für ganz Sachsen."


Kommentar: EinGlücksfall

Die Mitarbeit des scheidenden Landtags-Vizepräsidenten Herbert Wehner im Förderverein für die Internationalen Akkordeonwettbewerbe könnte sich für Klingenthal als Glücksfall erweisen. Die Veranstaltung braucht solche prominente Unterstützung. Darüber konnte auch das sehr gut besuchte Preisträgerkonzert am Samstagabend nicht hinwegtäuschen.

55 Wettbewerbsteilnehmer sind für Klingenthaler Verhältnisse sehr wenige, auch wenn Quantität kein Richtmaß für Qualität ist. Aber allein der jährliche Kampf um pünktliche Visa für Musiker aus Nicht-EU-Staaten kostet dem kleinen Verein enorme Kraft, die an anderer Stelle fehlt - beispielsweise beim überregionalen, ja internationalen Marketing. Schließlich sind die Tradition des bald 170-jährigen Akkordeonbaus in Klingenthal und ein inzwischen seit 1948 jährlich stattfindender Wettbewerb längst ein Alleinstellungsmerkmal für den Freistaat Sachsen. Man muss ihn als solchen nur wahrnehmen.


Preisträger

Kategorie I (Solisten bis 12 Jahre): 1. Egor Kiriliuk (Russland), 2. Yizhe Wang (China), 3. Yijin Li (China).

Kategorie II (Solisten bis 15 Jahre): 1. Naixin Zhang (China), 3. Antonio Del Castillo (Italien/Großbritannien).

Kategorie III (Solisten bis 18 Jahre): 1. Krzysztof Polnik (Polen), 2. Radovan Ivanovic (Bosnien und Herzegowina), 3. Petra Dincic (Serbien).

Kategorie IV (Solistenklasse): 1. Radu Ratoi (Republik Moldau), 2. Jianan Tian (China), 3. Julius Schepansky (Deutschland)

Kategorie V (Akkordeonduos und Instrumentalduos, besetzt mit einem Akkordeon und einem anderen Instrument): 1. Chalupka Duo (Polen) mit Wojciech Chalupka (Saxophon) und Prezemyslaw Chalupka (Akkordeon), 2. ButBow Duo (Polen) mit Konrad Bargiel (Cello) und Karol Jablonski (Akkordeon), 3. Löhrke&Skorupski Duo (Deutschland/Polen) mit Dominik Löhrke (Saxophon) und Jan Skorupski (Akkordeon).

Kategorie VI (Virtuose Unterhaltungsmusik): 1. Gustavo Aliandre de Almeida (Brasilien), 2. Dantong Wang (China), 3. Diégo Gatte (Frankreich).

Kategorie VII (Weltmusik): 1. Radu Ratoi (Republik Moldau), 2. Artem Tretiakow (Russland), 3. Andrzej Ceglarek (Polen).

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