Mehr tschechische Pendler: Über die Grenze im Sekundentakt

Seit zehn Jahren zählt die "Freie Presse" regelmäßig Fahrzeuge am Grenzübergang Klingenthal. Es sind Momentaufnahmen - doch langfristig ist ein klarer Trend erkennbar.

Klingenthal.

Fast im Sekundentakt rollen werktags in den frühen Morgenstunden die Fahrzeuge der tschechischen Berufspendler über den Grenzübergang Klingenthal. Besonders groß ist das Verkehrsaufkommen in der Stunde zwischen 4.45 und 5.45 Uhr. Über 200 Fahrzeuge wurden am Mittwochfrüh in dieser Zeit gezählt, im Durchschnitt also drei pro Minute.

Danach wurde es zwar wieder ruhiger, aber in den etwas mehr als zwei Stunden zwischen 4.45 und 7 Uhr passierten aus Richtung Graslitz/Kraslice insgesamt 261 Fahrzeuge die Grenze. In Richtung der tschechischen Nachbarstadt waren es in dieser Zeit 58 Fahrzeuge. Etwa die eine Hälfte fuhr nur zum Tanken über die Grenze, die andere Hälfte dürften Tschechen gewesen sein, die von der Nachtschicht kamen.

Wie sich die Zahl der tschechischen Pendler erhöht hat, wird bei einem Blick auf Verkehrserhebungen vergangener Jahre deutlich: Bei der Zählung am 23. Juli 2014 waren es zwischen 5 und 7 Uhr 93 Fahrzeuge gewesen, die aus der Tschechischen Republik kommend in Klingenthal über die Grenze fuhren. Bei einer Zählung im Juni 2010 lag die Zahl im gleichen Zeitraum bei 50 Fahrzeugen, im August 2012 war sie nur unwesentlich höher.

In Klingenthal teilt sich der Verkehrsstrom - ein Teil nutzt die B 283 Richtung Markneukirchen oder zweigt dann in Zwota nach Schöneck ab, der andere Teil fährt die B 283 in Richtung Auerbach oder biegt am Königsplatz in Richtung Falkenstein ab.

Der Grenzübergang Graslitzer Straße ist seit Oktober 2001 für den Fahrzeugverkehr frei. Im Dezember 2007 fielen die Kontrollen weg, seit November 2012 können auch Lkw bis zwölf Tonnen den Übergang nutzen. Nach den Autokennzeichen zu urteilen, reicht das Klingenthaler Einzugsgebiet bis in den Raum Zwickau, ins westliche Erzgebirge und nach Südthüringen. In der Ferienzeit wird er von Fahrzeugen aus ganz Deutschland frequentiert. Seit 2004 registriert eine Zähleinrichtung in der Fahrbahn Zahl und Größe der Fahrzeuge, die den Grenzübergang passieren. Die Zahlen laufen beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) zusammen.

Im Januar diesen Jahres wurden dabei durchschnittlich 4548 Fahrzeuge pro Tag registriert, im Februar etwa 4708. Ein 2009 erstelltes Gutachten ging davon aus, dass bis 2020 das Aufkommen am Grenzübergang Klingenthal bei etwa 5000 Fahrzeugen liegen wird. 2015 registrierte das Lasuv durchschnittlich 4450 Fahrzeuge pro Tag, 2018 waren es 5215. Seither ist die Zahl wieder unter die Marke von 5000 gesunken.

Ein Thema ist der Schwerlastverkehr. Neben Schönberg und Reitzenhain besitzt Klingenthal den dritten Grenzübergang in Westsachsen, der von größeren Lkw genutzt werden kann. 2019 waren das laut Lasuv durchschnittlich 38 Lkw pro Tag. 2017 hatten im Durchschnitt 41 Lkw den Übergang passiert, 2016 lag diese Zahl bei 28.

Eine Aufhebung der bislang auf zwölf Tonnen begrenzten Tonnage im Grenzverkehr lehnte Klingenthal weiter ab. Das hatte Oberbürgermeister Thomas Hennig (CDU) im Februar 2019 nach Rücksprache mit dem Stadtrat dem Verkehrsausschuss der IHK-Regionalkammer Plauen mitgeteilt, der zuvor mit entsprechende Plänen an die Öffentlichkeit getreten war.

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