Musikethnologe aus London von Markneukirchen hingerissen

Der Musikethnologe Rolf Kilius hielt am Mittwoch einen Vortrag zum Thema "Die Welt in Markneukirchen - Markneukirchen in der Welt". Er geriet zu einer Liebeserklärung.

Markneukirchen.

Als der weltgewandte und weitgereiste Rolf Kilius vor zehn Jahren zum ersten Mal in die Musikstadt kam, wollte er sich "nur" das Framus-Museum ansehen. Dort erfuhr er, dass es in Markneukirchen noch eine andere, weitaus breiter gefächerte Sammlung von Musikinstrumenten gibt. Als der in London lebende Musikethnologe sie sah und mit der Leiterin Heidrun Eichler ins Gespräch kam, haute es ihn fast aus den Socken: "Ich habe schon viel gesehen, aber das ist meiner Meinung nach die größte Sammlung in Deutschland und die bedeutendste in Europa, was die außereuropäischen Instrumente betrifft."

Markneukirchen hat Rolf Kilius gefesselt und gefangen genommen, was am Mittwoch im Gerber-Hans-Haus zu erleben war. Bei Aufhalten in den vergangenen sechs Jahren besuchte er Instrumentenbauer und porträtierte sie mit der Kamera. Acht Filme sind bisher entstanden, von denen Rolf Kilius drei im ersten Teil seines Vortrages zeigte. "Die anderen müssen noch geschnitten werden, im November ist alles fertig und Besucher können die Filme im Museum ansehen".


Rolf Kilius war beispielsweise bei Irene Vogt, die jahrzehntelang ungezählte Schallstücke von Blechblasinstrumenten mit Gravuren versah. Eindringlich, mit welcher Feinfühligkeit und Ruhe sie den Stichel ansetzte und selbst ihre wenigen Erklärungen dazu sagten mehr als viele Worte: Sie war eine für diese Kunst Berufene. Rolf Kilius besuchte auch Friederike Preuß, die die Gitarren ihres Mannes Torsten unter anderem mit seinem Logo aus Perlmutter versieht - auch das ein bewegender Film. Beim Geigenbauer Stefan Rehms war er hautnah dabei, als das Instrument lackiert und mit dem Einsetzen des Steges und dem Bespannen der Saiten final spielfertig gemacht wurde. Eines allerdings konnte Rolf Kilius dem Meister nicht entlocken: sein Rezept für den Lack. Neben den filmischen Porträts führte er stundenlange Interviews mit Instrumentenbauern, "mit Menschen, die was zu sagen haben, es auch wollen, und das wichtig ist für die Zukunft und in der Zukunft". Christian Hoyer zum Beispiel öffnete sich und erzählte aus seinem Leben und von seiner Passion, ebenso Udo Kretzschmann, Karl-Heinz Neudel, Joachim Schneider und Claus Voigt.

Die Sammlung im Museum birgt jede Menge Schätze und Kleinode. Speziell außereuropäische Instrumente gehören dazu, an ihnen ist Rolf Kilius besonders interessiert und ganz speziell an jenen 250, die im Zeitraum zwischen 1880 und 1900 vornehmlich über Gesandtschaften des Kaiserreiches nach Markneukirchen kamen, dank des damaligen Museumsleiters Paul Apian-Bennewitz zu Ensembles zusammengefügt wurden. In den letzten sechs Wochen beschäftigte sich Rolf Kilian ausführlich mit diesen Raritäten. "Überraschend ist, dass die meisten Instrumente in einem sehr guten Zustand sind und noch heute in den jeweiligen Ländern oder Regionen gespielt werden.

So also ist das "Die Welt in Markneukirchen - Markneukirchen in der Welt" zu verstehen und mehr. Rolf Kilian regte an und empfahl eindringlich "mit diesen Sammlungen zu wuchern und sie nicht unter den Scheffel zu stellen".

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