Musikinstrumenten-Bau: Schauvorführungen sind der Hit

Ein Großteil der Werkstatt des Saxophonbauers Franz Köhler ist nach Jahrzehnten nun öffentlich zu sehen. Es ist nicht das einzig Neue bei der Erlebniswelt in Markneukirchen.

Markneukirchen.

Der Meister ist nur mal kurz um die Ecke. Gleich ist er zurück. Er wird die Filzschuhe zum Wärmen in den Ofen stellen. Danach setzt er sich an die zerfurchte Werkbank, um weiter am Saxophon zu bauen, das seinem Namen in der Welt zu gutem Klang verhalf. Genug der Träumerei: Franz Köhler ist seit 1977 tot. Aber die Werkstatt eines der bedeutendsten Saxophonbauer Markneukirchens hat überlebt. Nach langem Dämmerschlaf an der Erlbacher Straße sind große Teile gerettet. Mit Unterstützung von Köhlers Tochter Eva wurde sie in Ruhe aufgearbeitet. Der Verein Musicon Valley hat sie in die Erlebniswelt Musikinstrumentenbau im Erdgeschoss der Musikschule integriert.

Wer hier auf Hochglanz gewienerte Instrumente in steriler Atmosphäre erwartet, liegt falsch. Es ist der Reiz des Besonderen, der zunehmend Vogtländer bei Geburtstag, Firmenfeier oder Ehemaligentreff hierher pilgern lässt: Hier hängen Arbeitsschürze und abgewetzte Aktentasche über dem Stuhl. Der "Freie Presse"-Kalender von 1977 ziert den geheimnisvollen Schrank, in dem der Meister seine kleinen Schätze einsortierte. Nichts ist hinter Glas oder abgesperrt. Alles darf angefasst werden. Besucher können selber hobeln oder versuchen, Instrumenten Töne zu entlocken. Nicht "es war einmal" ist Grundmelodie einer solchen Führung, die locker anderthalb Stunden dauert. "Der Musikinstrumentenbau lebt bis heute überall bei uns. Da vorn an der Ecke ist der Seidl Ekkard", zeigt Musicon Valley-Marketingleiter Frank Bilz auf das Haus des Geigenbauers am anderen Ende der Gartenstraße. Wetten, dass auch diese Werkstatt ihre großen und kleinen Besonderheiten hat?

Wer die Schauvorführungen bucht, ist meist kein Musiker. Fachchinesisch braucht es da nicht, dafür Gespür, Besucher in ihrem Alltag abzuholen. Elf Leute kümmern sich. Nach festem Dienstplan. "Wir haben viele Studenten und Absolventen der Fachhochschule. Die bringen das ganz anders rüber, haben das noch nicht 100.000 mal erzählt und lernen da für ihre Selbstständigkeit selbst viel dazu", sagt Simone von der Ohe, Chefin von Musicon Valley. Selbstständigkeit ist auch in anderer Hinsicht das Stichwort: Ab diesem Jahr wird es die Digitalführung durch die Werkstätten geben. Dann ist egal, wann die Gäste vor der Tür stehen: Per Knopfdruck werden Module zu einzelnen Gewerken aufgerufen, auf Displays kleine Filme gezeigt, die passende Hintergrundmusik eingespielt. Eine halbe Stunde Selbstbeschäftigung ist so möglich.

Mit dem Ausbau der Schauvorführungen reagiert Musicon Valley auf das Segment, das wächst. Die Reisen von Musikvereinen ins Vogtland werden nicht mehr. Ihre Zahl ist konstant und bildet ab, was in Markneukirchen möglich ist. "Drei, vier Gruppen parallel betreuen können wir nicht. Wir wollen auch die Firmen, in die Gruppen gehen, nicht stressen", sagt Bilz und verweist auch auf begrenzte Kapazitäten bei Hotel und Gastronomie. "Das ist eine ganz natürliche Limitierung, da ist kein Wachstum zu erwarten. Ehrlich: Wir müssen froh sein, dass wir dafür noch so viele Partner haben."

Seinen Platz gefunden hat Franz Köhlers Werkstatt im Flur der Musikschule. "Ein Riesendank an die Stadt", lobt Bilz den Einsatz der Kommune zur Sanierung des denkmalgeschützten Baus - mit Neugestaltung des Flurs ist auch das Angebot an musiktypischen Souvenirs gewachsen. "Das meiste Geld haben die Kinder", plaudert Bilz, in wessen Taschen so manch Mitbringsel wandert. Bilz' Satz, "bei uns hat sich einiges geändert", könnte übrigens länger gültig sein: Denn überhaupt nicht ausgemacht ist, dass die Werkstätten auf ewig in der Musikschule bleiben. Gibt es einmal ein umgebautes, saniertes, neu gestaltetes Musikinstrumenten-Museum, wäre dort dafür genau der richtige Platz - dies steht für Frank Bilz außer Frage.

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