Pläne für neues Gewerbegebiet: Bürger fordern Klartext

Der Kreis soll zu einer Versammlung in Posseck Antworten liefern. Die Gemeinde Triebel bindet ihre Entscheidung auch an eine Einwohnerbefragung.

Posseck.

Die Einwohner von Posseck sollen das letzte Wort haben, ob sie ein neues Gewerbegebiet oberhalb ihres Dorfes haben wollen oder nicht. Triebels Bürgermeisterin Ilona Groß (parteilos) will vom Ausgang einer Bürgerbefragung abhängig machen, ob die Gemeinde die Bauplanung anschiebt. Nur die Gemeinde darf das. Das sagte Groß zur Ratssitzung in Posseck, zu der sich gut 30 Einwohner Neues erhofft hatten. Da konnte die Gemeinde nicht liefern - sie fordert "in den nächsten Wochen" (Groß) eine Einwohnerversammlung mit Landratsamt und Bauamt Oelsnitz in Posseck. "Es gibt sehr, sehr viel Gesprächsbedarf", räumte Ilona Groß ein, dass der Ruf nach Klartext berechtigt sei.

Ende März war die Idee des Vogtlandkreises, eine 50 Hektar große Fläche erschließen zu wollen, öffentlich geworden. Mehr als ein Jahr zuvor, am 1. Februar 2018, hatte der Gemeinderat dazu bereits eine Stellungnahme abgegeben, sagte Groß jetzt. "Wir stehen der Absicht positiv gegenüber, haben aber unsere Forderungen: keine Windkraftanlagen, keine lärm- oder geruchsbelästigenden Gewerbe." Einem Aufstellungsbeschluss für das Gewerbegebiet erteilte der Rat im März eine Absage. Der Kreis solle mehr liefern, hieß es. Doch der hielt sich auch gegenüber "Freie Presse" sehr bedeckt. Dass der Kreis neue Flächen sucht, nachdem Gebiete in Oelsnitz oder Treuen belegt sind, ist kein Geheimnis. Genauso, dass es bereits Gespräche gab mit Eigentümern der Flächen bei Posseck. "Ich war bei diesen Gesprächen nicht dabei. Es ging darum, ob sich die Eigentümer überhaupt vorstellen können, zu verkaufen. Größtenteils sei signalisiert worden, darüber könnte man reden", erläuterte Groß, was sie in Erfahrung brachte.

Unter den Posseckern in der Ratssitzung wurde Skepsis laut - Stichworte wie Flächenverbrauch, Ruhe, Wohnqualität, Naturschutz, Abwasserklärung fielen. Einen besseren Infofluss vom Rat zum Bürger regte André Seidel an. "Dann entstehen auch keine Gerüchte", meinte er. "Nicht, dass wieder etwas beschlossen wird, wir vor vollendeten Tatsachen stehen wie beim Schloss", mahnte Uwe Adler an. "Wir entscheiden da nicht alleine, sondern mit den Bürgern. Das können wir versichern", beteuerte Groß, dass sich die Gemeinde nicht gegen das Ergebnis der Bürgerbefragung stellt.

Der Rat ist beim Thema gespalten. SPD-Rätin Nicole Schwab, Vizechefin der Fraktion im Kreistag, hat große Bauchschmerzen. "Ich sehe es sehr kritisch, lehne Flächenversiegelung ab. Es gibt genug Brachen. Viele, die hier hergezogen sind, haben das bewusst wegen der Natur getan", sagte sie. "Es kann aber auch eine Chance für Entwicklung sein, dass Arbeitsplätze entstehen und Bürger und Familien sich ansiedeln", regte Groß wie René Haupt (Freie Wähler) an, alles abzuwägen. "Als Vereinsvorsitzender der Freien Wähler Triebel gefällt mir der Gedanke vom Gewerbegebiet in freier Natur nicht", so Rats-Urgestein Henning Schönekerl. Groß war noch zweierlei wichtig. "Es ist nicht der Grund, dass Investoren in der Tür stehen. Und von Müllkippe oder Müllverbrennung hier war auch nie die Rede. Dem würden wir als Gemeinderat alle, die wir hier sitzen, nie zustimmen."

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2Kommentare
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  • 1
    0
    Tauchsieder
    15.10.2019

    Ergänzend hätte ich noch anmerken müssen, mit Gewerbegebieten kann man nicht punkten. Eines ähnelt dem anderen, unterscheiden sich lediglich in ihrer Größe. Zumal man in diesem Gebiet bei Posseck auch von Gewerbegebieten geradezu umzingelt ist.
    Mit einer intakten Natur hingegen lässt es sich gut leben. Das bisschen unberührte Natur, dass wir noch nicht ruiniert haben, müsste uns doch lehren sorgfältiger mit dieser umzugehen. Asphalt und Leichtbauhallen, eine gigantische Flächenversiegelung und einer damit heraufbeschworenen Hochwassergefahr, der Vernichtung von Natur und/oder natürlicher Ressourcen kann doch nicht die Antwort auf die derzeitige Klimadiskussion sein.
    Wo bleibt hier der freitägliche Aufschrei ?

  • 2
    0
    Tauchsieder
    15.10.2019

    Ein Gewerbegebiet, in unmittelbarer Nähe eines FFH-Gebietes, dem "Grünen Band" und den letzten Vorkommen der Flussperlmuschel in Sachsen, da bin ich mal sehr gespannt was die Naturschutzverbände dazu sagen. Jedem Dorf sein Gewerbegebiet, dass kann nicht gut gehen. Hier bahnt sich sicherlich der nächste Streit im oberen Vogtland an.
    Es kommt einem so vor, als wäre man geradezu versessen, sich mit dem Naturschutz und der Bevölkerung anzulegen. Auf der anderen Seite, in Oberfranken, wird die Neuansiedlung von Gewerbegebieten sehr restriktiv gehandhabt, wenn nicht sogar untersagt. Flächenfraß ist dort das Schlagwort. Bei uns herrscht immer noch so eine Art Aufbruchsstimmung, auch als der "Wilde Osten" bekannt. Da wird wahrscheinlich immer noch geglaubt, dass Gewerbegebiete die Heilsbringer schlechthin sind.



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