Vogtländer sehnen Fernzüge der Deutschen Bahn herbei

Planungen des neuen Fahrplanmodells "Deutschland-Takt" sehen eine Verbindung unter anderem nach Leipzig vor. Gibt es einen S-Bahn-Anschluss noch obendrauf?

Plauen.

Den 8. Mai hat sich Bertram Zetzsche dick im Kalender angestrichen. Dann wird der Vertreter des Fahrgastverbands Pro Bahn für Mitteldeutschland/Westsachsen gespannt nachschauen, ob die Deutsche Bahn nach wie vor alle zwei Stunden einen Zug von Plauen nach Leipzig schicken will. Im Augenblick überarbeitet die Firma SMA den Entwurf für ein neues System, mit dem die Fahrzeiten der Züge in der ganzen Bundesrepublik besser aufeinander abgestimmt werden sollen: den sogenannten Deutschland-Takt. Am 8. Mai liegt voraussichtlich der nächste Stand auf dem Tisch. "Hoffentlich bleibt alles so", sagt Zetzsche. "Der Plan sieht gut aus." Bis er aber wirklich etwas Verbindliches in der Hand hält, muss er sich länger gedulden. "Ende des Jahres soll es den Endstand geben", kündigt Hans Leister an, einer der Leiter der Initiative Deutschland-Takt.

Seit 2006 verkehren auf den Bahngleisen im Vogtland keine Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn mehr. Politiker und Wirtschaftsvertreter aus der Region fordern seit Langem, dies zu ändern. Begründung: Die fehlende Anbindung an die Ballungsräume - vor allem an den Raum Leipzig - erschwere die Entwicklung des Vogtlands in vielerlei Hinsicht. Im September 2016 beschäftigte sich sogar der Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr des sächsischen Landtags mit dem Thema. Aber offenbar bringt erst der Deutschland-Takt jetzt den Durchbruch. Wann genau der erste Fernverkehrszug in Plauen hält, steht indes noch nicht fest. Mit Verschiebungen im Fahrplan ist es nämlich nicht getan. Es müssen in Deutschland außerdem zusätzliche Gleise oder elektrische Oberleitungen gebaut werden, bis ein Konzept aus einem Guss entsteht.


Solange wollen einige Vogtländer nicht warten. Sie setzen stattdessen auf einen Anschluss ihrer Heimat an das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz um Leipzig herum. "Da wurde bis 2013 mit einem Millionenaufwand die Strecke von Reichenbach bis Hof elektrifiziert, und jetzt fahren dort lediglich die Dieselzüge der Vogtlandbahn", schimpft beispielsweise Wolfgang Lochmann. Der Plauener kämpft seit 2014 für den S-Bahn-Anschluss. Er hat dazu sogar eine Petition in den sächsischen Landtag eingebracht. Das Parlament stimmte tatsächlich dafür. Umgesetzt wurde der Beschluss trotzdem nicht. Begründung: Dafür sei nicht der Freistaat zuständig, sondern der Zweckverband ÖPNV Vogtland. Dieser wiederum gab an, dafür kein Geld zu haben.

Doch Lochmann und seine Unterstützer haben nicht aufgegeben. Sie fordern nach wie vor, dass man von Plauen über Reichenbach bis zum Leipziger Flughafen durchfahren kann, ohne zwischendurch in Werdau umsteigen zu müssen.

Und tatsächlich: Das ist im Entwurf des Deutschland-Takts wirklich so vorgesehen. Allerdings steht da nicht, wer das bezahlen soll. Da der Freistaat für den öffentlichen Nahverkehr aber mittlerweile mehr Geld zur Verfügung stellt, fordert Lochmann vom Vorsitzenden des Zweckverbands ÖPNV Vogtland, Landrat Rolf Keil (CDU), mehr Engagement: "Wir rufen Sie hiermit auf, sich der Direktverbindung nicht weiter zu verweigern", heißt es in einem öffentlichen Schreiben an den Landrat. Mittlerweile ist dieser offenbar zu einem Gespräch mit den S-Bahn-Befürwortern bereit. Laut der Bundestagsabgeordneten Yvonne Magwas (CDU) soll es am 27. Mai stattfinden. Noch ein Termin, den sich Zetzsche dick im Kalender anstreichen kann.

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