Zum Kaffee bei einer Hoffnungsträgerin der SPD

Wahlen 2019: Gertrud Stade kandidiert für Kreistag und Landtag. Die 63-Jährige steht für ur-sozialdemokratische Werte wie Gerechtigkeit.

Syrau/Oelsnitz.

Gertrud Stade startet zurzeit durch. Und wie: Obwohl die 63-Jährige erst im Dezember 2017 in die SPD eintrat, rockt die in Syrau heimisch gewordene Zwickauerin die gute alte SPD. Im November wurde die Rentnerin in Wernesgrün von den Unterbezirksmitgliedern zur Landtagskandidatin im Wahlkreis 2 (Oelsnitz) gekürt, seit dem 9. Februar ist sie auch Spitzenkandidatin für den Kreistag im Wahlkreis 1 (Pausa - Weischlitz - Rosenbach).

Stade? Stade? Da war doch was: Gertrud Stade war die Frau an der Seite von Eckard Stade. In Gewerkschaftskreisen schauen sie heute noch bei Nennung dieses Namens auf. Der durch einen Unfall frühzeitig an den Rollstuhl gefesselte Eckard Stade kam 1989 aus dem Westen, baute im Vogtland die Strukturen der Gewerkschaft ÖTV auf und vertrat vor Gericht reihenweise Gewerkschaftsmitglieder, die in der Nachwendezeit auf oftmals ruppige Weise gefeuert wurden.

Gertrud Stade war als Textilarbeiterin, im Handel und in der Krankenpflege tätig. Die Katholikin entwickelte früh ein Gespür für Gerechtigkeit und sozialen Ausgleich. Geprägt habe sie einst der Lehrer Gerhard Hieke. Jener Pädagoge hatte gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in der Tschechoslowakei interveniert. Er flog aus dem Schuldienst, doch als Lehrer war er für so manchen Schüler ein wichtiger Wegbegleiter - auch für den Reichenbacher Schriftsteller Jürgen Fuchs, der als einer der namhaftesten DDR-Bürgerrechtler üblen Stasi-Repressalien ausgesetzt war.

Die Wege von Gertrud und Eckard Stade kreuzten sich 1989. In jener wilden Zeit vertrat der ÖTV-Mann seine spätere Frau, es zündete zwischen beiden. Sie wurden ein Paar und fanden in einer Syrauer Wohnung mit ebenerdigem Zugang zum Garten ihr gemeinsames Domizil. Gertrud Stade arbeitete in einem Elektronik-Fachmarkt in Kauschwitz und hielt ihrem Ehemann Eckard den Rücken frei. Bis er 2015 67-jährig den Folgen langjähriger Krankheiten erlag. Doch wer sein Leben 25 Jahre lang nach einem Rollstuhlfahrer ausrichtet, fällt in ein Loch. "Gehen Sie raus, leben Sie", riet Eckard Stades Arzt der Witwe. Es sollte noch zwei Jahre dauern, bis die agile Frau die Kraft dazu fand.

Über alte Gewerkschaftsverbindungen kam Gertrud Stade mit maßgeblichen SPD-Akteuren in Kontakt. Petra Thieme und die Landtagsabgeordnete Juliane Pfeil-Zabel erkannten, dass die Syrauerin für ur-sozialdemokratische Werte steht und förderten sie nach Kräften.

Wenn Gertrud Stade über Politik und Menschen redet, sprudelt es nur so heraus. "Ich bin keine Studierte, aber ich liebe die Menschen." Mit Lebenserfahrung und Gerechtigkeitssinn will sie sich in die Politik einbringen. Der Gesellschaft seien Visionäre abhanden gekommen. Die SPD habe die Alten und die Jusos - "die dazwischen fehlen". Die einfachen Menschen mussten viel zurückstecken, sagt Gertrud Stade mit Blick auf Hartz IV und die Folgen.

Traut sich die Rentnerin zu, in den erstarrt wirkenden Strukturen des Kreistages etwas bewegen zu können? Gut möglich, räumt die Kandidatin ein, "dass ich dort zwischen den Stühlen sitze".

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