Gefährdete Wismuthalden im Vogtland: Amt sieht keinen Handlungsbedarf

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Eigentlich sollten die Hinterlassenschaften des Uran-Bergbaus in Mechelgrün saniert werden, weil die Standsicherheit nicht gegeben sein soll. Dann wurde das Grundstück verkauft. Die zuständigen Behörden setzen nun auf das Prinzip Hoffnung.

Mechelgrün.

Die markanten Doppelspitz-Kegelhalden in Mechelgrün sind Überreste des Schachts 362. Im Bereich der Lagerstätte Zobes wurden in den 1950er- und 1960-Jahren im Zuge von Erkundung und Abbau von Uranerz zahlreiche Tagesöffnungen und oberflächennahe Grubenbaue geschaffen, so auch in dem Dorf östlich von Plauen. Der Schacht 362 selbst wurde dauerhaft verwahrt und gilt damit als gesichert - was blieb, waren die beiden Halden. Mittlerweile stehen sie sogar unter Denkmalschutz.

Noch vor zwei Jahren hatte der damalige Eigentümer des Grundstücks, die bundeseigene Bodenverwertungs- und verwaltungs-Gesellschaft (BVVG), die Wismut GmbH als Sanierer von Hinterlassenschaften des Uranbergbaus damit beauftragt, Pläne zur Sicherung der Steilböschung an der Ostflanke der nördlichen Halde zu erarbeiten. Wie die Wismut heute betont, gab es aber nie eine Sanierungsverpflichtung, was auch das Landesamt für Umwelt und Geologie bestätigt. Eine solche Verpflichtung ist vor allem entscheidend dafür, wer die Kosten tragen muss: Liegt die Sanierungsverpflichtung durch die Wismut vor, müssen sich Bund und Freistaat Sachsen die Kosten teilen, - falls nicht, muss der jeweilige Grundstückseigentümer zahlen.

Gleichwohl gab die BVVG eine Vorplanung in Auftrag. Anlass war die Sorge um die Standfestigkeit der nördlichen Halde. Das Bauwerk war an der nordöstlichen Seite abgebaggert worden - wann genau, lässt sich heute nicht mehr ermitteln. Wegen der Materialentnahme entstand "eine sehr steile Böschung", sagte Manfred Speer von der Wismut GmbH der "Freien Presse". Auf der Internetseite des Unternehmens heißt es sogar: "Die Standsicherheit der Halde ist gefährdet."

Zu einer Sanierung kam es dennoch nicht mehr. Der Grund: Im November 2018 fand die BVVG im Rahmen einer Auktion einen Käufer für das 45.000 Quadratmeter große Grundstück. Heute rechtfertigt das Unternehmen diesen Verkauf. Die BVVG habe einen Privatisierungsauftrag für das ehemals volkseigene land- und forstwirtschaftliche Vermögen der DDR, sagt der für Sachsen und Thüringen zuständige Niederlassungsleiter, Markus Meyer, der "Freien Presse". Es habe Verhandlungen gegeben mit der Gemeinde und dem Landkreis. Wie Meyer hinzufügt, seien ein Übertragungsangebot aber abgelehnt und weitere Verhandlungen mit den Kommunen ergebnislos geblieben.

Also wurde das Areal öffentlich versteigert. Alle dem Grundstück anhaftenden Umstände seien bei dieser Auktion öffentlich bekannt gemacht worden, betont Meyer. Den Zuschlag habe schließlich eine Privatperson erhalten. Auflagen im Kaufvertrag seien nach seinen Worten nicht vereinbart worden, "alle am Grundstück lastenden Rechte und Pflichten sind vom Käufer übernommen worden", betont er. Über die zukünftige Nutzung sei der BVVG indes nichts bekannt.

Mit dem Verkauf endeten auch die Pläne für eine mögliche Sanierung der Halde. Heute obliegt dem Landesamt für Umwelt und Geologie als zuständiger Strahlenschutzbehörde die Aufsicht über das Grundstück. Auf den Verkauf des Areals habe man im Frühjahr dieses Jahres reagiert und dem neuen Eigentümer eine Anordnung erteilt, sagt LfUG-Sprecherin Karin Bernhardt. Darin werde ihm untersagt, bauliche Aktivitäten am Haldenkörper ohne Abstimmung mit der Strahlenschutzbehörde vorzunehmen. Zudem habe mit ihm ein aufklärendes Gespräch stattgefunden, so Bernhardt.

Die Sorge, dass die Halde nicht standsicher sein könnte, teilt man in der Behörde offenbar nicht. Wie Bernhardt sagt, sei das Flurstück nicht öffentlich zugänglich, teilweise umzäunt und mit "Betreten verboten"-Schildern gekennzeichnet. "Deshalb gehen wir nicht davon aus, dass sich Personen aus der ortsansässigen Bevölkerung auf dem radioaktiv kontaminierten Haldenkörper aufhalten", erklärt die Behördensprecherin. Es sei ebenfalls nicht davon auszugehen, dass die Bevölkerung einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt sei, erklärt Bernhardt und fügt hinzu: "Aus Sicht der Strahlenschutzbehörde besteht derzeit kein unmittelbarer Handlungsbedarf zur Durchführung von Sanierungsmaßnahmen." Die Lage müsste lediglich dann neu bewertet werden, wenn an der Halde Veränderungen vorgenommen werden würden. Mit der Anordnung vom Frühjahr sei dies jedoch ausgeschlossen.

Die "Freie Presse" hat auch versucht, mit dem neuen Eigentümer ins Gespräch zu kommen, um Informationen über seine Pläne für das Grundstück zu erhalten. Vorerst wollte er sich jedoch nicht öffentlich zu dem Thema äußern.

11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 22
    12
    MuellerF
    03.01.2021

    "Die Sorge, dass die Halde nicht standsicher sein könnte, teilt man in der Behörde offenbar nicht. Wie Bernhardt sagt, sei das Flurstück nicht öffentlich zugänglich, teilweise umzäunt und mit "Betreten verboten"-Schildern gekennzeichnet."

    Ist das Vogtland nicht Erdbebengebiet? Wenn da mal was ins Rutschen kommt, halten weder Zäune noch Schilder das Geröll auf...