Klaviergeheimnis soll gelüftet werden

Er gilt als Flügel des Wunderkindes Clara Wieck. Aber hat die spätere Ehefrau Robert Schumanns tatsächlich je die Tasten des 200 Jahre alten Instrumentes im Vogtlandmuseum berührt?

Plauen.

Um den historischen Flügel, auf dem angeblich einst das Plauener Wunderkind Clara spielte, ranken sich viele Gerüchte. Jetzt sollen die Geheimnisse des Instrumentes aus Mahagoni-Holz Schritt für Schritt gelüftet werden. Zum Ziel gesetzt haben sich das Uwe Fischer, Pädagoge am Vogtlandmuseum, und Klavierbaumeister Olaf Kirst.

Im September vor 200 Jahren wurde Clara Wieck, Pianistin und Komponistin sowie die spätere Ehefrau Robert Schumanns, geboren. Die deshalb für den 13. bis 15. September im Museum geplanten "Schumann-Tage" seien eine große Motivation, sich näher mit der Künstlerin zu beschäftigen, so Fischer. Ihre Eltern hatten 1816 in Oberlosa geheiratet, da Mutter Marianne aus Plauen stammte. Dann zogen sie nach Leipzig. Als sie sich trennten, war Clara Wieck vier Jahre alt und lebte kurzzeitig mit Mutter und Brüderchen Viktor bei den Großeltern. Opa Georg Tromlitz war Kantor der Johanniskirchgemeinde.

Zu dem Instrument recherchiert hat Uwe Fischer etwa beim Plauener Musikwissenschaftler Albin Buchholz. Das Ergebnis war, zunächst, enttäuschend, denn es existieren keinerlei Zeitzeugenberichte: "Niemand hat explizit schriftlich festgehalten, dass die junge Clara je die Tasten des Flügels berührt hat", sagt Fischer. Buchholz spreche von einem wissenschaftlichen Leumund.

Möglicherweise tauchen noch Schriftstücke auf? Schließlich war Clara ein Popstar der Zeit. Ein Tagebuch-Eintrag aus dem Februar 1834 besage zum Beispiel, dass für ein Konzert im Plauener Saal "Erholung" (wo sich heute der Vogtlandgarten an der Neundorfer Straße befindet) nur Platz für 500 Zuhörer gewesen sei. 200 Besucher hätten kein Billet erhalten, schrieb sie.

Der Bedeutung des Instrumentes war sich offenbar die Stadtverwaltung sehr bewusst, als sie in den 1920er Jahren - in Zeiten von Hunger und Not - den Flügel aus Leipzig für das Museum in Plauen kaufte. Erst stand er im Festsaal, dann kam er in einen Nebenraum. Wie Klavierbaumeister Olaf Kirst sagt, dürfe das Instrument möglichst nicht mehr bewegt werden. Aus diesem Grund soll es im September eine besondere Konzertform geben, ein sogenanntes Lauschkonzert: "Das Publikum soll im Festsaal Platz nehmen, der Künstler wird in einem anderen Raum spielen, nicht zu sehen sein", erklärt Fischer. Dass der Pianist sich mit historischen Instrumenten auskennen muss, versteht sich für Kirst von selbst. Bevor die Zuhörer allerdings den Klängen lauschen können, muss Kirst nochmals zum Stimmen des Flügels ran.

Das Instrument habe nicht, wie oft kolportiert, im Haus von Claras Großeltern gestanden, sondern sei im Besitz von Kaufmann und Bankier Ludwig Schmidt-Brückner gewesen. Der wohnte am Kirchplatz und war ein Freund von Tromlitz.

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