Kleiner Ort feiert richtig große Sause

Ganz Dehles hatte sich am Wochenende in ein Festgelände verwandelt. Zu entdecken gab es Bilder von vier Schwestern, Getreidebeize und Siruppresse und eine gute Stube.

Dehles.

Die Ortsdurchfahrt von Dehles war für zwei Tage gesperrt, die 600-Jahrfeier lud ein. Und da es im Dorf vom Orteingang bis zum -ausgang nur ein paar Minuten zu laufen sind, war es die beste Möglichkeit, alles zu Fuß zu erkunden. Und da bot sich den vielen Besuchern mehr als genug. Vor den mit Wimpeln geschmückten Häusern standen Strohfiguren, erinnerten daran, wie es früher in der Schule zuging oder wie anno dazumal Wäsche gebleicht wurde. Im Ort verstreut konnte man alte Landtechnik bestaunen. In den Höfen erinnerten die Dehles an ihre Vorfahren, an deren Leben und Arbeiten.

So manche Dehleser hatten auf ihren Böden gefunden, was sie selbst dort nicht vermutet hätten. Bei Familie Hertel im Hof konnte man neben Pflugschar und Kartoffelschleuder auch eine Beize für Getreide verwenden. Oder eine Presse für Zuckerrüben, um Sirup herzustellen. "Ich dachte selbst nicht, dass wir noch so viel auf dem Boden haben", meinte Dieter Hertel Enkel Sven Hertel, 19 Jahre, half dabei, alles auf dem Hof zu platzieren. Den Strohbauern bastelte Kati Hertel, die Tochter. "Es waren schon so viele Leute da", meinte Dieter Hertel. "Das ist schon einmalig."

Der Skifahrer auf dem Hausdach lud ins Elternhaus von Anett Kraus ein. "Er hat die Sachen von meinem Mann Jens an. So läuft er auf der Piste", meinte sie. Familienbilder von früher sowie Gerätschaften wie Kaffeeröste oder Butterbrett konnte man entdecken. Auf der Wäscheleine flatterte Leinen von früher im Wind. Eine kleine Galerie hatte Sonja Zeidler im Hof aufgebaut. "Wir hatten das Haus 1993 gekauft", erzählte sie. "Auf dem Boden fand die Neu-Dehleserin später Bilder, gemalt von vier Mädchen: Ottilie, Olga, Klara und Elly, die um 1900 geboren wurden. Vier Schwestern, die gerne malten und Talent dazu hatten, wie die Bilder verraten.

"Ich hatte immer gehofft, dass ich die Bilder mal zeigen kann", so Sonja Zeidler. Ob figürliches Zeichnen, Stillleben oder Tiere, jedes der vier Kinder, beim Malen zwischen elf und 17 Jahre alt, schien seine Vorlieben zu haben. Durch die 600-Jahrfeier konnten die Bilder nun erstmals öffentlich gezeigt werden. Der Dehleserin sieht man an, wie viel ihr das bedeutet. Sie sagt: "Ich habe mich den vier Schwestern durch die Bilder angenähert." So als hätte sie sie wirklich gekannt, erzählt sie von ihnen. Ältere Leute in Dehles hatten die Schwestern tatsächlich noch gekannt.

In der "guten Stube" in der Scheune bei Familie Türkis ließ es sich gut genießen. Besonders wenn man in den Genuss kam, auf dem Samtkanapee zu sitzen. Feiner Himbeerlikör, selbstgemachter Fruchtaufstrich oder Pflaumenkuchen: die Besucher ließen es sich schmecken. Das taten sie übrigens schon zu Mittag, denn Dehles hatte zum Sonntagsschmaus eingeladen. Matthias Stark vom Dorfverein dachte, dass man mit 200 Portionen Sauerbraten die Kapazitätsgrenze erreiche. Die Köche in der Milchwirtschaft Dehles hatten indes sogar 300 Portionen vorbereitet - und die reichten kaum aus. Schließlich macht feiern bei Blasmusik hungrig. Gestern fuhren zudem etwa hundert Traktoren vor, es gab einen Gottesdienst im Festzelt und viel gute Laune. Keine Frage, die Dehleser, gerade mal 90 an der Zahl, verstehen es zu feiern. Auch wenn die Besucherzahl höher schien als die der hier Wohnenden.

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