Problemzone Haselbrunn: Lärm, Drogen, Hundekot, Nazis

Nach dem Aufmarsch von Rechtsextremen bekommt der Stadtteil bundesweite Aufmerksamkeit. Menschen, die dort leben, haben Sorgen. Doch es gibt auch Macher, die mit kleinen Schritten die Probleme anpacken.

Plauen.

Ortstermin im Jugendclub Markuskeller. An einem großen Tisch, an dem sonst die Haselbrunner Jugend sitzt und nicht nur nach W-Lan sucht, haben sich SPD-Mitglieder und Anwohner versammelt. Die Partei macht Wahlkampf, die Anwohner wollen reden. Stoff gibt es genug nach dem Aufmarsch des Dritten Weg am 1. Mai. Die rechtsextremistische Partei hat in Haselbrunn ein Büro und immer noch meterlange Stofffahnen mit Parteiwerbung an einem Wohnhaus an der Pausaer Straße hängen.

"In der Bevölkerung ist nicht bekannt, was getan wird gegen Rechts", sagt eine ältere Dame. Ihr Name ist der Redaktion bekannt, in der Zeitung möchte sie ihn nicht lesen. In dieser Runde wirken ihre Sätze wie mehrere kleine Explosionen. Die erste: "Manchmal haben wir die ganze Nacht Lärm auf der Straße." Im Park vor der Markuskirche treffe sich die Jugend und höre bis in die Nacht laute Musik. Wenn die Polizei kommt, umkreise sie den Park im Streifenwagen. "Die Leute unten haben dann genug Zeit, um ihre Drogen zu verstecken. Das sieht man von oben", erzählt die Frau. Vor die Garagen werde Tag und Nacht uriniert, im Park klebe Hundehaufen an Hundehaufen.


Benjamin Olsson, der Sozialarbeiter des Markuskellers, bestätigt das. Erst vor ein paar Tagen hätten die Kinder zu ihm gesagt, dass sie wegen der Kackhaufen nicht mehr Fußball spielen wollen auf der Wiese. Das macht Olsson die Arbeit nicht leichter. Die meisten Gäste seines kleinen Clubs sind minderjährig und nachmittags auf sich selbst gestellt. Olsson formuliert ein bisschen spitz, dass niemand sie zum Golfen oder zum Geigenunterricht bringe. "Manche bekommen die Ansage, sie sollen sich erst um sechs wieder blicken lassen zu Hause." Er würde ihnen gerne Brücken bauen. In andere Milieus, wie er sagt. Drogen stuft er als Problem ein: "Die spielen eine Rolle." Im Markuskeller hat er Rauchen und Energiedrinks verboten, weil das Einstiegsdrogen seien.

"Hätte ich keine Eigentumswohnung, wäre ich bestimmt schon weggezogen", sagt die Anwohnerin. Im Park an der Markuskirche stehe nur ein Abfalleimer. Der sei so voll, dass der Wind den ganzen Dreck verteile. Am Wartburgplatz, der ein paar hundert Meter entfernt liegt, habe sie sieben Abfalleimer gezählt. Olsson zufolge läuft eine Initiative der Kirchgemeinde. Einmal am Tag gehe jemand aus Haselbrunn mit dem Müllbeutel herum, um Scherben und Plastik einzusammeln.

Über die politische Gesinnung der Markuskeller-Kids sagt Olsson: "Einige testen, ob sie hier ,Heil Hitler' schreien können."

Die Anwohner wünschen sich Hilfe in kleinen Schritten. Sie hätten gern ein Toilettenhäuschen im Umfeld der Kirche stehen. Die SPD-Europaabgeordnete Constanze Krehl, die den SPD-Termin begleitet hat, warf die Idee in den Raum, dafür Fördergelder der Europäischen Union zu nutzen.

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 3 Bewertungen
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    5
    ths1
    10.05.2019

    Deutschland zahlt jährlich rund 20 Milliarden Euro in den EU-Haushalt ein und bekommt knapp über die Hälfte davon zurück. Da sollte doch ein Klo-Häuschen an der Markuskirche finanzierbar sein. Tolle Idee von Frau Krehl vor der Europawahl! So wird Europa für die Bürger endlich erlebbar. Vor allem dann, wenn es mal drückt. Ich freue mich schon auf das blau-goldene EFRE-Schild neben dem Eingang.



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