Schneechaos lässt Autofahrer stundenlang auf A 72 festsitzen

Die Johanniter verteilten Brötchen und Bockwürste. Doch einige ungeduldige Verkehrsteilnehmer machten durch riskante Manöver die Rettungs- zur Gefahrengasse.

Plauen.

Kilometerlange Staus, stundenlanges Warten im Schnee und heißer Tee von Hilfskräften: Von Mittwochabend bis zum späten Donnerstagvormittag teilten dieses Schicksal Autofahrer auf den Autobahnen im Vogtlandkreis und in Oberfranken. Auf der A 72 kam es zu blockierten Fahrbahnen und Staus, besonders zwischen Plauen-Süd und dem Dreieck Hochfranken. Im Berufsverkehr stauten sich am Donnerstagmorgen bei heftigem Schneefall die Fahrzeuge laut Polizei auf etwa 15 Kilometer. Einer von den Gestrandeten war Lkw-Fahrer Jörg Hofmann (40): "Zur Not kann ich im Auto übernachten", berichtete er am späten Vormittag. Da hatte er schon seit 6 Uhr morgens im Stau gestanden - ungefähr 1000 Meter hinter Plauen-Süd in Richtung Hof.

Für Hofmann und seinen Sattelschlepper voll Müll, den er für seine Firma von Zwickau nach Rehau fahren und dort entsorgen sollte, ging stundenlang gar nix mehr. Der 40-Jährige hatte zwar etwas zu essen und zu trinken dabei, freute sich aber über die Verpflegung des Katastrophenschutzeinsatzzuges der Johanniter in Plauen: Bockwurst, Brötchen und Schokoriegel. Laut Zug-Leiter Alexander Dietzsch waren die Johanniter mit 17 Mann seit 3.30 Uhr vor Ort gewesen. Mit ihnen im Dauereinsatz waren Räum-, weitere Hilfs- und Rettungsdienste sowie die Polizei. Darunter etwa 20 Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks aus Plauen und Reichenbach, die unter anderem Autos freischleppten und Fahrzeuge mit kleinen Kindern aus dem Stau lotsten. Viele Fahrer hätten das Stau- und Schneedrama gelassen genommen, selbst wenn sie seit dem späten Vorabend festgesteckt hatten, so Dietzsch.

"Mitunter war es für uns sehr anstrengend, weil teils eine Rettungsgasse gefehlt hat", erklärte er. So hätten sie Probleme gehabt, zu Leuten vorzudringen und sie zu versorgen. Mit der Polizei hätten sie "etwas Tetris gespielt", so der Zug-Leiter, und Autos zur Seite manövriert. Sowohl Dietzsch als auch Lkw-Fahrer Hofmann haben allerdings beobachtet, dass so mancher Autofahrer die Rettungsgasse missbrauchte, um die freie Spur rückwärts Richtung Stauende zu düsen.

Etwa ab 11.15 Uhr rollte der Verkehr auf der A 72 wieder. Hofmann und sein Sattelschlepper konnten aber erst gegen 14.15 Uhr langsam weiterfahren, wie er berichtete. Die Polizei rief alle Verkehrsteilnehmer dazu auf, vorsichtig zu fahren, rechtzeitig zu starten sowie Getränke und Decken mitzunehmen. Bis 12.30 Uhr registrierte die Polizei im Vogtlandkreis insgesamt 23 Unfälle.

Nicht nur Pendler, auch Mitarbeiter von Pflegediensten litten unter dem Schnee- und Verkehrschaos: "Es wird keine Rücksicht von anderen Verkehrsteilnehmern genommen. Die Autos drängeln auf nur einer geräumten Spur. Parkplätze gibt es auch kaum", so Johanniter-Pflegedienstleiterin Anne Melchner. Im Plauener Umland, etwa in Oberlosa und Neuensalz, sei gestern kein Durchkommen gewesen, sodass Angehörige die Pflege übernehmen oder Mitarbeiter sich ihren Weg zu Fuß bahnen mussten. Auch das war nicht ganz ungefährlich. Melchner: "Meine Pflegekräfte hatten richtig Angst."

Dem Winter dagegen nicht seine frustrierende, sondern seine allerschönste Seite abgewonnen haben die Plauener Montessori- Grundschüler. Sie ließen den Unterricht sausen und gingen mit ihren Lehrern rodeln. Kinder von der Karl- Marx-Grundschule in Plauen sausten mit ihren Schlitten gleich übers Gelände der Schule.

Wetterdienste kündigen erneuten Schneefall im Vogtlandkreis an. Wie Alexander Dietzsch vom Katastrophenzug der Johanniter in Plauen erklärte, ist ein weiterer Versorgungseinsatz wie auf der A 72 nicht ausgeschlossen. Darauf stellten sich die Hilfskräfte schon mal ein.

Brummi-Fahrer Jörg Hofmann war am späten Nachmittag, gegen 17.15 Uhr, endlich auf dem Heimweg nach Werdau. Zuvor hatte er den Sattelschlepper noch von Rehau zurück nach Zwickau geschafft und ihn für den nächsten Arbeitstag beladen. "Es fährt sich wieder gut", sagte er schmunzelnd.

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