"Wir bekommen viele Katzen, die scheinbar niemand vermisst"

Jährlich landen weit über 200 Fundkatzen in Plauener Tierheim - Nur wenige gehen an Besitzer zurück

Was tun, wenn einem eine fremde Katze zuläuft? Einfach sein lassen oder lieber mitnehmen? Kathrin Soellner kennt sich mit solchen Fragen aus. Sie leitet das Tierheim in Plauen und erklärt im Gespräch mit Lukas Fischer, wieso man im Zweifel lieber helfen sollte.

Freie Presse: Immer wieder werden im Internet Menschen kritisiert, wenn sie eine zugelaufene Katze bei sich aufnehmen. Zu Recht?

Kathrin Soellner: Die Leute machen das ja nicht, um andere zu ärgern. Wenn sich jemand um eine zugelaufene Katze kümmert, dann sollte das den eigentlichen Besitzer nicht ärgern. Wir dürfen nicht die verteufeln, die hinschauen. Im Übrigen regen sich die eigentlichen Besitzer der Katzen so gut wie nie auf, wenn diese ihre Tiere bei uns ab holen müssen.

Trotzdem ist es mitunter schwer zu erkennen, ob eine Katze wirklich Hilfe braucht.

Das ist immer eine Gratwanderung. Wenn man aber das Gefühl hat, dass eine Katze Hilfe benötigt, dann sollte man schon etwas tun.

Was denn genau?

Wenn sich eine Katze auffällig verhält, etwa unruhig wirkt, sollte man sie erst einmal beobachten. Wird es nicht besser, dann kann man eingreifen. Etwa, indem man beim Tierheim nachfragt, ob eine solche Katze vermisst wird, oder indem man diese gleich zu uns bringt.

Muss der Finder für die Unterbringung nicht Geld bezahlen?

Nein. Fundkatzen sind eine kommunale Aufgabe - die Stadt lässt diese Tiere durch uns betreuen. Bis zweifelsfrei geklärt ist, ob die Katze einen Besitzer hat, kommt die jeweilige Kommune für die Kosten auf. Danach muss das Tierheim die Kosten tragen. Wer sein eigenes Tier abgibt muss eine Abgabegebühr zahlen.

Und wenn man mit einer zugelaufenen Katze zum Tierarzt geht?

Natürlich kann man den Finder nicht dafür zur Kasse bitten, dass er sich kümmert. In der Regel kommen bei verunfallten Tieren der Besitzer, die Ordnungsbehörde oder das Tierheim für die Kosten auf. Einige Tierärzte schicken aus Angst, auf den Kosten sitzen zu bleiben, Tiere wieder weg. Wenigstens eine Schmerzspritze oder das Notwendigste an Behandlung sollte für jeden Tierarzt machbar sein.

Wie häufig kommt es vor, dass bei Ihnen zugelaufene Katzen landen?

Sehr oft. Im letzten Jahr haben wir 261 Katzen aufgenommen. Nur 60 davon wurden von den Besitzern abgegeben. Der Rest sind Fundkatzen. Bei 30 davon meldeten sich die Besitzer. Im Schnitt kommen bei uns im Tierheim 175 bis 200 Katzen gleichzeitig unter.

Woran kann es liegen, dass so viele Katzen davonlaufen?

Das ist ja schon besser geworden. Nach der Wende waren es im Jahr etwa 500 Tiere. Katzen sind eben viel unterwegs. Ein unkastrierter Kater hat einen Aktionsradius von etwa fünf Kilometern. Da kann viel passieren. Und manche Besitzer setzen die Tiere auch einfach aus. Wir bekommen sehr viele Katzen, die scheinbar niemand vermisst.

Und doch werden ständig Katzen als vermisst gemeldet. Was können Besitzer tun, um so etwas zu verhindern?

Die Tiere sollten gechippt und registriert werden. So können wir die zugelaufenen Tiere schnell dem Besitzer zuordnen. Es ist aber wichtig, dass das Tier nach dem Chippen auch in einer Datenbank registriert wird - das muss der Besitzer selbst tun. Außerdem hilft ein Halsband. Die gelten zwar als gefährlich, es gibt aber auch welche, die bei zu starkem Zug reißen. Dann kann die Katze sich damit nicht verletzen.

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