Zweckverband setzt künftig auf Rufbusse

Es bleibt dabei: In Reuth und Grobau halten keine Züge, obwohl Haltepunkte vorhanden sind. Für die Entscheidung gibt es mehrere Gründe.

Weischlitz.

Der Antrag der Gemeinde Weischlitz ist beim Zweckverband ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) Vogtland durchgefallen. Damit halten in Reuth und Grobau trotz der Forderung der Einwohner auch zukünftig keine Züge. Der Verband hatte zuvor das Anliegen geprüft. Die Kosten würden sich auf etwa eine dreiviertel Million Euro belaufen. "Das ist wirtschaftlich nicht machbar", erklärte Geschäftsführer Thorsten Müller. Stattdessen bekommen die beiden Ortsteile ab Oktober 2019 zusätzlich zu den Linienbussen einen Rufbus. Bürger können telefonisch den Bus bestellen.

Bürgermeister Steffen Raab (Freie Wähler) kann die Begründung nachvollziehen, sagt aber: "Es ist den Bürgern schwer zu vermitteln, warum es billiger sein soll, einen Bus zu kaufen, einen Fahrer zu bezahlen und eine Telefonzentrale zu finanzieren, als einen Zug, den es schon gibt, auf Schienen, die schon liegen, halten zu lassen." Hinzu käme, dass die Ortsteilbewohner erst jüngst die Elektrifizierung der Strecke miterlebten und nun nicht davon profitieren. Vielen Alteingesessenen von Grobau seien zudem noch die Arbeitsstunden zu DDR-Zeiten in Erinnerung, welche die Bewohner für die Bahn erbringen mussten, bis sie einen Haltepunkt im Dorf erhielten.

Der ÖPNV wirft in die Waagschale, dass nur wenige Fahrgäste den Zug nutzen würden. So war das zumindest in der Vergangenheit, was auch dazu führte, dass seit geraumer Zeit keine Züge mehr in Grobau und Reuth halten. Die Kosten seien laut Verband aus verschiedenen Gründen hoch: Die Linie Gera-Zeulenroda-Hof Richtung Mehltheuer-Schönberg-Gutenfürst erfülle die Funktion einer Transitstrecke zwischen Thüringen und Bayern und habe für das Vogtland nur eine untergeordnete Bedeutung. Entsprechend gestaltet seien die Verträge zwischen den Hauptbeteiligten, der Bayrischen Eisenbahngesellschaft, dem Freistaat Thüringen und der Erfurter Bahn, die sich 68 Prozent der Kosten teilen. Der Zweckverband Vogtland übernimmt die restlichen 32 Prozent. Würden Züge jedoch im Vogtland halten, ließe sich die im Vertrag geregelte prozentuale Verteilung nicht aufrechterhalten. Mehrkosten von bis zu 780.000 Euro seien zu erwarten. Das Integrieren vogtländischer Tarife in das Tarifsystem der Erfurter Bahn ziehe einmalige Kosten von 30.000 Euro nach sich. Letztlich bringe der kurze Halt in den Ortsteilen den gesamten Fahrplan durcheinander. Berechnungen hatten ergeben, dass ein Zuschuss von knapp 25 Euro für jeden ein- und aussteigenden Fahrgast als Zuschuss vom vogtländischen Zweckverband zu bezahlen sei. "Das ist Taxi-Tarif und in höchstem Maße unwirtschaftlich", heißt es in der Begründung.

Landrat Rolf Keil (CDU), der gleichzeitig der Vorsitzende des Zweckverbandes ist, formulierte es so: "Wir sind nicht dazu da, Geschenke zu verteilen, sondern wir müssen wirtschaftliche Entscheidungen treffen." Die ab Oktober 2019 fahrenden Rufbusse sollen die Situation verbessern. Der Rufbus fährt nicht nur Reuth und Grobau an, sondern auch alle anderen Weischlitzer Ortsteile, deren einziges öffentliches Nahverkehrsmittel bisher der Schulbus ist. Rufbusse müssen Nutzer zwei Stunden vor der gewünschten Abfahrt bestellen. Bürgermeister Raab hofft, dass die Bürger das Angebot annehmen. Dann bestehe die Chance, dass Busse mehrfach am Tag die Ortsteile anfahren.

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