Auch vom Verkehrsminister gibt es keine Hilfe für Leutersbacher

Vier Monate hat es gedauert, bis die Bürgerinitiative in dem Kirchberger Stadtteil auf ihr Gesuch nach mehr Lärmschutz Antwort bekommen hat. Doch passieren wird nichts.

Kirchberg.

Der Planfeststellungsbeschluss zum Bau der Kirchberger Ortsumgehung ist unanfechtbar. Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) kommt auch nach monatelanger Prüfung zu keinem anderen Ergebnis. Das heißt dem Grunde nach, es kann nicht sein, was die Leutersbacher beklagen - nämlich Lärm.

Am 3. April hatten Vertreter der Bürgerinitiative Verkehrsminister Dulig ihr seit 2016 bestehendes Problem vorgetragen, auch Vorschläge unterbreitet: Eine Tempo- reduzierung, längere Lärmschutzwände oder -wälle könnten zur Verringerung des durch die neue Ortsumgehung von Kirchberg entstandenen Straßenlärms beitragen.

Bis Anfang August hatte es gedauert, bis sie Antwort bekommen haben. Dulig begründet das mit einer eingehenden Prüfung. Wie er versicherte, hätten sowohl die Fachabteilungen im Ministerium als auch die im Landesstraßenbauamt (Lasuv) vollstes Verständnis für den Wunsch nach zusätzlichem Schallschutz. Aber alle Grenzwerte der Verkehrslärmschutzverordnung werden eingehalten, alle nötigen Schutzmaßnahmen seien realisiert worden.

Ronald Neef, einer der Sprecher der rund 15 Mitglieder zählenden Bürgerinitiative (BI), die mehr als 100 Unterschriften für mehr Schallschutz im Ort gesammelt hatte, zeigt sich von dieser Antwort nicht überrascht: "Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich nichts anderes erwartet habe als eine Ablehnung." Allerdings hatte er durchaus gehofft, dass es zumindest zu einer Überprüfung der Sachlage vor Ort kommt, dass man sich mal an der Brücke trifft, um sich davon zu überzeugen, dass die Leutersbacher keine Märchen erzählen. Die BI wolle niemandem Fehler vorwerfen. Sicherlich können alle Berechnungen, welche im Zuge des Planfeststellungsverfahrens hinsichtlich Lärmschutz durchgeführt wurden, richtig sein. Wenn aber der tatsächliche Verkehrslärm dann bei Nutzung so hoch ist, dass die Anwohner auf den unmittelbar angrenzenden, wie auch weiter entfernten Grundstücken nicht mehr schlafen können und der Erholungsfaktor gegen Null geht, dann sollten Überprüfungen und Nachbesserungen zwingend erforderlich werden, sagt Neef.

Er hat den Eindruck, dass man sich der ungenügenden Lärmschutzmaßnahmen möglicherweise schon bewusst ist, aber keiner den Mut hat, dies öffentlich zuzugeben. "Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass bei solch einer Baumaßnahme wie der Kirchberger Ortsumgehung für den Schutz der Tier- und Pflanzenwelt große Geldsummen aufgewendet wurden, aber für den Schutz der Anwohner vor Verkehrslärm nur Minimallösungen geplant und ausgeführt wurden." An eine Wildbrücke sei gedacht worden, auch an einen Krötentunnel - sicher alles richtig, sagt Neef. Doch die Lärmschutzwände aber sind nicht lang, vielleicht auch nicht hoch genug.

Auch für BI-Mitglied Günter Bachmann sind Duligs Antworten nur Wiederholungen der bisherigen Aussagen aus dessen Haus, dem Landratsamt und dem Lasuv. "Warten wir nun ab, ob der Ministerpräsident in der Lage und gewillt ist, ernsthaft, vielleicht unkonventionell, das Problem anzugehen. Für mich erschließt sich nicht, warum es nicht möglich sein soll, auch ohne nachweisbare Fehler eine Veränderung im Sinne der Bürger zu erwirken", sagt Bachmann. Anfang August hatte die BI Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in Giegengrün getroffen und ihn um Hilfe gebeten. Bis dahin lag die Antwort von Dulig noch nicht vor.

Die 8,5 Kilometer lange Kirchberger Ortsumgehung hat 45 Millionen Euro gekostet. Ein Teil ist die 254Meter lange Brücke über das Leutersbacher Tal. Laut Wirtschaftsministeriums sei bereits eine lärmmindernde Asphaltdecke aufgezogen worden. Die Schallschutzwände erlaubten die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte.

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