Bagger reißt Kunstlederfabrik in Kirchberg in Stücke

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Was lange geplant wurde, wird derzeit Wirklichkeit: In Kirchberg verschwindet eine große Industriebrache. Wie es auf dem Gelände weitergehen soll, darüber dürfen die Kirchberger mit entscheiden.

Kirchberg.

Die Staubwolke über der Auerbacher Straße im Kirchberger Ortsteil Saupersdorf verrät die Aktivitäten auf dem Gelände der alten Kunstlederfabrik. Was die Stadt lange plante, wird nun Wirklichkeit: Die alten Gemäuer werden von einem Abrissbagger zerstückelt.

Und wie geht es dann weiter?, fragte CDU-Ratsmitglied Christian Otto bei der Ratssitzung am Dienstag nach der Entwicklung des Areals. Bürgermeisterin Dorothee Obst (Freie Wähler) zufolge werden die Terrassen vorerst bleiben, wenn nötig, Löcher aufgefüllt, das gesamte Areal danach begrünt. Vorübergehend kann es vielleicht sogar beweidet werden. "Wir brauchen dort aber auf Dauer keine grüne Wiese", sagt Obst. Ziel ist, ein neues Mischgebiet zu entwickeln, wo Arbeiten und Wohnen, vielleicht auch Betreutes Wohnen möglich sind. "Dabei geht es nicht darum, das Gelände an den Meistbietenden zu verkaufen. Vielmehr geht es um die beste städtebauliche Nutzung", so Obst. Sie will ein Planungsbüro mit einer Art Machbarkeitsstudie beauftragen und in die Pläne nicht nur die Ratsmitglieder, sondern auch die Be- völkerung mit einbeziehen. Ihr schwebt eine Art Workshop vor. "Es ist wichtig, dass die Bevölkerung diesen Umbau akzeptiert", so die Bürgermeisterin. Die Stadt selbst behält sich vor, dort ein neues Gerätehaus für die Saupersdorfer Feuerwehr hinzubauen. Zudem hofft sie, dort den zahlreichen Nachfragen von Kleingewerbetreibenden nach neuen Werkstattplätzen nachkommen zu können.

Und der große Schornstein, wann geht der in die Knie?, fragte CDU-Stadtrat Sascha Ertelt. Laut Bürgermeisterin Dorothee Obst wird der kleine mit der Hand abgetragen, der große voraussichtlich im Mai gesprengt. "Wir wissen, dass da großes öffentliches Interesse besteht", so Obst, die verspricht, den Termin anzukündigen. Die Stadt rechnet sogar damit, bei diesem Ereignis die Staatsstraße sperren zu müssen.

Kirchberg hat den Abriss der alten Fabrik mit fast 2,3 Millionen Euro kalkuliert. Im Mai vergangenen Jahres kam die Fördermittel- zusage über rund zwei Millionen Euro. Seit Jahren steht die alte Fabrik leer und verfiel zusehends. Einige Gebäudeteile waren bereits eingestürzt.

Die Kunstlederfabrik gehörte einst zum VEB Vogtländische Kunstlederfabrik Tannenbergsthal. Deren Rechtsnachfolgerin wurde die Vogtländische Beschichtungs- und Veredlungsgesellschaft, die Gesamtvollstreckung beantragen musste. 1996 wurde das Areal mit samt des beweglichen Anlagevermögens verkauft. Die Produktion wurde nach Recherchen des Rathauses allerdings nur kurz fortgesetzt. Seit 1997 stehen die Gebäude leer. Die letzten Besitzer waren Türken, die, wie der ehemalige Verwalter verriet, mit viel Geduld, jeder Menge Tee und noch mehr Keksen von der Bürgermeisterin zum Verkauf bewogen wurden.

Seit 2018 hatte die Stadt versucht, an das rund 100.000 Quadratmeter große Areal heranzukommen. Im Dezember 2019 gelang der Kauf. Für den Park mit seinem denkmalgeschützten Teehaus, in dem die Saupersdorfer einst rauschende Feste gefeiert haben, gibt es bereits zwei Kaufinteressenten. Da soll aber auch der Ortschaftsrat gefragt werden.

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11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    HEIMAT2021
    25.02.2021

    Da wird es Sondermuell geben! Hoffentlich verschwindet der Schandfleck des Hauptwerkes auch bald im Vogtland!!! Es ist auch dort kaum mehr ansehbar.