Damit Wildenfelser Schlossgarten immer schön grünt und blüht

Ehrensache! Engagiert in Westsachsen. Heute: Rebekka Zilian kümmert sich mit Suchtkranken in der Rehabilitation um das weitläufige Areal am Schloss.

Wildenfels.

Rebekka Zilian ist Wildenfelserin mit Leib und Seele. "Ich möchte nirgendwo anders leben", sagt die gelernte Landschaftsgärtnerin, die regelmäßig Gast im Mehrgenerationenhaus der Stadt ist. In diesem wurde sie vor gut zwei Jahren beim Töpfern von Kursleiterin Michael List gefragt, ob sie sich vorstellen könne, ehrenamtlich gemeinsam Suchtkranken in der Rehabilitation aus der Wohnstätte in Wiesen den großen Schlossgarten zu pflegen.

Die Mutter von zwei Kindern, die in Teilzeit den Wildenfelser Friedhof pflegt, sagte zu. Und genau wie die Wiesener freut sie sich immer auf die beiden Vormittage pro Woche, an denen sie mit ihnen Rasen mäht, Wege frei schneidet und harkt oder Rosen pflegt. "Ich musste mir erst einmal Respekt erarbeiten. Aber wir sind ein gutes Team", sagt die 33-Jährige. "Ich verteile und beaufsichtige die Arbeiten nicht nur, sondern ich mache auch immer selbst mit. Das kommt gut an. Gemeinsam haben wir den großen Garten gut im Griff."

Wildenfels hat eine Rose im Wappen, wird auch Stadt der Rose genannt. Die Pflege der vielen Rosen im Areal am Schloss liegt der jungen Frau deshalb besonders am Herzen. "Ich tue alles dafür, dass sie hier rund um den Springbrunnen, aber auch überall im Gelände prächtig blühen und gedeihen", sagt Rebekka Zilian, die besonders den Blick vom Wintergarten aus auf das weiträumige Gelände liebt.

Bei der Arbeit hat ihr manch einer der Wiesener aus seinem Leben erzählt. "Es sind Schicksale, bei denen ich eine Gänsehaut bekomme", sagt die Wildenfelserin. "Ich habe große Hochachtung, dass die Männer ihre Sucht in den Griff bekommen haben."

Einer von denen, die im Garten kräftig mit zupacken, ist Armin Meier. Der 61-Jährige erzählt, dass er eigentlich aus dem Metallfach kommt. "Wir müssen ja nicht hier arbeiten, aber ich tue es gern. Die Arbeit macht Spaß. Man sieht immer gleich das Ergebnis." Peter Dietrich stimmt zu. "Ehrlich, ich mache das auch gern." Und Reno Wunder berichtet, dass die Truppe gemeinsam sogar an einer abgelegenen Stelle einen Komposthaufen angelegt hat. "Im Garten soll es ja schön aussehen. Und das tut es auch. Manche Besucher loben uns sogar."

Rebekka Zilian freut sich, dass die Männer so gut zur Stange halten. Sie selbst ist nicht nur an den zwei Tagen pro Woche, an denen die Wiesener zur Gartenpflege kommen, in der Anlage zu Gange. "Gerade wenn es den Sommer über zu trocken ist, komme ich auch abends noch mal zum Gießen her. Mein Ehrenamt macht mir Spaß. Da gucke ich nicht auf die Uhr", sagt sie und berichtet, dass sie im heimischen Garten auch Stecklinge für den am Schloss zieht.

Früher hatten die Rosenfreunde das Areal gepflegt. Doch die Vereinsmitglieder sind in die Jahre gekommen, konnten diese Arbeit nicht mehr leisten. So wurde diese vom Mehrgenerationenhaus in Kooperation mit dem Freundeskreis "Schloss Wildenfels" übernommen. "Unser Haus lebt von solchen Menschen wie Rebekka, die sich ehrenamtlich engagieren", sagt die Chefin des Mehrgenerationenhauses, Daniela Joram.


Mehrgenerationenhaus Wildenfels ist gelebte Gemeinschaft

Vom Krabbelkind bis zum Rentner reicht das Besucherspektrum im Mehrgenerationenhaus Wildenfels, das voriges Jahr von Härtensdorf in das denkmalgerecht sanierte Rentamt, die frühere Finanzverwaltung, neben dem Schloss eingezogen ist.

Die Kaffeestube ist das Herzstück des etwa 250 Jahre alten Hauses, in das täglich 40 bis 50 Gäste kommen. Es gibt Kurse für frühkindliche Bildung, Eltern-Kind-Kurse und einen Tanzkurs für Senioren. Außerdem wird zum Familienfrühstück, Zwergentreff, Kindersport und zu Ferienworkshops eingeladen, gibt es Keramikkurse, Malschule und Elternakademie sowie das Projekt Schlossgartenpflege.

Leiterin Daniela Joram sagt: "Es ist gelebte Gemeinschaft zwischen jung und alt, arm und reich, krank und gesund. Bei uns finden sich Leute, die auf der Straße wahrscheinlich nicht in Kontakt gekommen wären." Für nächstes Frühjahr ist eine Vereinsmesse geplant, bei der die Besucher erfahren, wo sie Gleichgesinnte treffen und sich engagieren können.

In die drei Vollzeitstellen im Haus - mehr lässt das Budget nicht zu - teilen sich sieben Mitarbeiter. Darüber hinaus wirken 25Ehrenamtler dort, die großen Anteil daran haben, dass es so vielfältige Angebote gibt. (vim)

www.mgh-wildenfels.de

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