Ein Leben für den Tanz kann manchmal auch ziemlich weh tun

Der künstlerische Werdegang der Ballettdirektorin Annett Göhre steht im Mittelpunkt des Tanztheaters "Identität 2". Premiere ist am Freitag.

Zwickau.

Annett Göhre stellt im Tanztheater "Identität 2" ihre Choreografien "Kleine Liebe und Tomaten", "Solitär" und einen Abschnitt aus "Schwanengesang" vor. Zu ihrer künstlerischen Identität gehören für Göhre auch die Choreografen Steffen Fuchs und Cayetano Soto. Fuchs kennt sie seit Beginn ihrer Ausbildung an der Ballettschule. Mit dem Spanier Soto tanzte sie in München. Steffen Fuchs steuerte "Und langsam sank die Sonne" und Cayetano Soto "Sortijas" für Göhres "Identität 2" bei.

Das französische Wort "Tendu" steht für ein Grundelement des klassischen Balletts. "Es heißt eigentlich ,Battement tendu' und bedeutet ,gestrecktes Schlagen'", sagte Annett Göhre. In dem Ausschnitt aus dem "Schwanengesang", den sie zur Matinee am Sonntag dem Zwickauer Publikum vorgestellt hat, zählt Göhre die Tendus, die sie allein während ihrer achtjährigen Ballettausbildung an der Staatlichen Ballettschule Berlin, gemacht hat. "239.200" ist die Summe, auf die sie rechnerisch kommt, während sie unentwegt ihr "Spielbein" gestreckt nach vorn, zur Seite und nach hinten "schlägt". Die Zahl ergibt sich aus den täglich 100 Tendu mit jedem Bein, die ihr als Zehnjähriger als ein "Muss" vorgeschrieben wurden.


Mit acht Jahren bestand die begeisterte Geräteturnerin die Eignungsprüfung und mit neun Jahren die Aufnahmeprüfung in die Ballettschule. Annett Göhre kann sich noch genau daran erinnern, wie die Lehrerin bei der Eignungsprüfung ihr gestrecktes Bein so hoch zog, dass es wehtat. "Ich sagte: Aua! Sie antwortete: Aua gibt's bei uns nicht", erzählte Göhre. Abgeschreckt habe sie das aber nicht, ganz im Gegenteil.

Nach ihrer Ballettausbildung ging Annett Göhre zuerst für ein Dreivierteljahr als Hospitantin an die Deutsche Oper in Berlin, dann für fünf Jahre als Tänzerin nach Chemnitz. Von 2000 bis 2005 war sie als Solistin am Staatstheater am Gärtnerplatz in München engagiert. Ab 2005 war sie freischaffend tätig und schuf rund 20, oft spartenübergreifende Choreografien an Theatern im und In- und Ausland.

In "Identität 2" zeigt Göhre mit Solitär" und "Schwanengesang" das Persönlichste aus ihrem Schaffen als Choreografin, sagt sie selbst. Die Choreografie "Schwanengesang" schuf sie 2014 als das sogenannte "letzten Wort des Künstlers". "Das Ende der Tanzkarriere bedeutet für Tänzer einen unglaublichen Einschnitt im Leben. Durch das Choreografieren blieb mir das tiefe Loch erspart, in das viele danach fallen", sagte Göhre, die bis jetzt ihre Tanzschuhe noch nicht ganz abgelegt hat.

Seit 2015 ist Annett Göhre Ballettchefin am Theater Plauen-Zwickau. Seither musste sie bis jetzt in jedem ihrer Tanzstücke für erkrankte Ensemblemitglieder einspringen.

Die Premiere der moderierten Tanzminiaturen "Identität 2" mit Choreografien von Annett Göhre, Cayetano Soto und Steffen Fuchs beginnt am Freitag, 19.30 Uhr im Malsaal, Katharinenstraße 7 in Zwickau. Weitere Vorstellungen sind am 15. und 18. Mai, ebenfalls ab 19.30 Uhr im Malsaal.

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