Höhle der Löwen in Zwickau: Diese Studenten haben überlebt

Dass das echte Leben ziemlich hart sein kann, haben Studierende der WHZ erfahren. Sie haben Produkte entwickelt und ihre Ideen vor einer Jury präsentiert - ein Juror war dabei gnadenlos.

Zwickau.

An der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) können Studierende sich ausprobieren - einige von ihnen haben in den vergangenen Wochen in einem Seminar Produkte entwickelt, die sie am Dienstag vor einer Jury vorgestellt haben. In der Fachsprache heißt das "Pitchen". Bekannt sind solche Pitches aus der Fernsehserie "Die Höhle der Löwen". Einer der Juroren an der WHZ: Frank Theeg, Gründerberater und Investor aus Chemnitz. Schon bevor die ersten Studierenden auf die Bühne kommen, warnt Theeg: "Ich bin vielleicht etwas direkt."

Idee 1, Deserve Your Earth: Die Studierenden in dieser Arbeitsgruppe haben sich eine App ausgedacht, die Menschen dabei helfen könnte, sich für die Umwelt zu engagieren. Die App soll Umwelt-Aktionen sammeln. Wenn jemand aus Zwickau zum Beispiel beim Aufräumen im Wald helfen will, findet er in der App, welche Gruppe in der Nähe etwas plant. Vereine und Initiativen könnten ihre Aktionen selbst eintragen, um mehr Menschen zu erreichen. Das Urteil des Investors: "Ihr werdet niemanden finden, der investiert", sagt Frank Theeg zu den Studierenden der Arbeitsgruppe. "Damit lässt sich kein Geld verdienen, die Idee ist nicht skalierbar." Die einzige Chance, damit die App irgendwann Realität wird, sieht Theeg in einer Spendenaktion.


Idee 2, Ankerarme: Die Studierenden wollen eine Art Lebenscoach werden. Ihr Service würde sich zum Beispiel um Fitnessstudio-Verträge kümmern, Trainingspläne erstellen, die Ernährung der Kunden optimieren und die Kundschaft sogar einkleiden. Dafür haben sie ein Logo entwickelt, es zeigt einen Anker. Der Name Ankerarme steht bildlich gesprochen für die starken Arme , die sämtliche Organisation im Leben erledigen. Das Urteil des Investors: "Was war das bitte für eine Präsentation? Ich weiß nicht, wofür ihr steht, ihr überzeugt mich null", sagt Frank Theeg zu den Studierenden. Vernichtend urteilt er über die Art der Darstellung und die Präsentation der jungen Leute. "Selbst wenn ihr das nur als Projektarbeit seht und das Produkt nicht wirklich auf den Markt bringen wollt, dann war es eben eine schlechte Projektarbeit." Das sitzt.

Idee 3, Envi: Diese Gruppe möchte in Zwickau einen Fahrradverleih etablieren. Allerdings nicht irgendeinen. Überall in der Stadt sollen demnach Räder verteilt stehen, eine App zeigt den Kunden, wo sich das nächste Rad befindet. Ein QR-Code auf dem Rad kann mit dem Smartphone gescannt werden, dann bekommen die Kunden den Code fürs Zahlenschloss und können losradeln. Bezahlt wird pro Minute - und natürlich voll digital in der App. Das Urteil des Investors: "Macht das, probiert es aus", sagt Frank Theeg und ist zum ersten Mal von einer Idee überzeugt. Er meint: Der Markt für Fahrrad-Sharing in Zwickau sei fruchtbar; vor allem deswegen, weil hier im Gegensatz zu anderen Städten noch kein anderer Anbieter auf dem Markt ist. "Eure Idee kann echt funktionieren. Ich würde aber überlegen, ob ihr wirklich selbst die Infrastruktur aufbauen wollt oder ob Privatleute über die App ihre Räder zur Verfügung stellen können. Wie bei Airbnb", sagt er. Aufatmen bei den Studierenden, die vorigen Runden endeten schließlich mit vernichtenden Urteilen.

Idee 4, ZwickShare: Diese Gruppe will Lebensmittelverschwendung eindämmen. Dafür wollen die Studierenden Kühlschränke und Regale in den Studentenwohnheimen aufstellen. Wer in den Urlaub fährt oder Essen übrig hat, kann es hier reinstellen. Und: Jeder darf sich bedienen. Außerdem wollen sie mit Bauern und kleinen Läden aus der Region kooperieren. Auch die bestehende Zwickauer Foodsharing-Gruppe soll zum Netzwerk gehören, sie teilen schon jetzt Lebensmittel miteinander, die sonst im Müll landen würden, obwohl sie noch essbar sind. Um zu starten, brauchen die Studierenden ein wenig Geld, um Kühlschränke, Regale und Reinigungsmittel anzuschaffen. Außerdem muss ein System entwickelt werden, das garantiert, dass ZwickShare weiterläuft, auch wenn die Studierenden die Stadt verlassen werden. Das Urteil des Investors: "Ihr habt definitiv am besten präsentiert", sagt Frank Theeg. Die Gruppe hatte ein ausgeklügeltes und witziges Video vorbereitet, klare Rollen innerhalb des Teams verteilt und weniger über das gesprochen, was sie machen, sondern mehr über das Warum. Viel Idealismus also, Ehrenamt und der Anspruch, die Welt ein bisschen zu verbessern. Reich wird man damit nicht, das weiß Theeg natürlich. Aber: "Euer Projekt hat Potenzial." Er meint: Wer etwas Gutes tut, fühlt sich gut. Und ist dann vielleicht regelmäßig bereit, der Gruppe Geld zu spenden - dafür, dass sie sich um die Bereitstellung und Abwicklung kümmert. ZwickShare hat den Ideen-Wettbewerb an der WHZ gewonnen und steht als einzige Idee wirklich kurz vor der Umsetzung: 500 Euro Spenden brauchen die Studierenden, um loszulegen. 230 Euro haben sie schon gesammelt. Wer etwas geben will, findet das Projekt im Internet: www.startnext.com/zwickshare

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