Jeder Mitarbeiterin gehört ein Stück des Betriebes

Die Friseurgenossenschaft Inhair ist eine der wenigen, die die Wende überlebt haben. Heute geht es dort ganz modern zu. Kunden können die Frisuren vor dem Schnitt schon einmal "anprobieren" - dank moderner Technik.

Zwickau.

Katrin Liebig brennt für ihre Arbeit. Aber mittlerweile schneidet sie nur noch an einem Tag pro Woche im Salon Haare. Die restliche Zeit ist sie als Vorsitzende der Friseurgenossenschaft Inhair tätig, eine Arbeit, für die sie nicht minder brennt, wie sie sagt. Denn die Arbeit in einer Genossenschaft ist anders als in anderen Rechtsformen. Sie bringt für Mitarbeiter und Vorsitzende andere Herausforderungen, aber auch ein anderes Miteinander.

So packten alle mit an, als ab 2004 einer nach dem anderen die Salons der Genossenschaft saniert wurden. In der Filiale an der Hauptstraße in zwickau rissen die Friseurinnen mit Presslufthämmern den Fußboden raus und fuhren den Schutt mit der Schubkarre zum Baucontainer. Eine Firma verlegte dann neue Böden. Heute ist der Salon hell und modern. Das schweißt zusammen. Und das ist auch das Besondere in dem Betrieb, so Katrin Liebig. Die Mitarbeiterinnen seien "fast wie eine Familie", sagt die 52-Jährige. Insgesamt arbeiten 77 Frauen im Unternehmen. Ein männlicher Friseur, der dabei war, ist später zur Polizei gewechselt. Jeder Mitarbeiterin gehört ein Stück des Betriebes.

"Alle sind sich ihrer Verantwortung bewusst", fasst Liebig zusammen. Die Mitarbeiter gehen achtsam mit Geräten und Einrichtung um, da sie die Salons selbst mit ausgebaut haben. Außerdem geben sie ihr Bestes, damit es dem Unternehmen gut geht. Wird ein Plus erwirtschaftet, kann das Gehalt erhöht oder das Geld in neue Baumaßnahmen investiert werden. So erwarb Inhair beispielsweise 1995 das Gebäude an der Hauptstraße.

Genauso fühlen sich die Unternehmensleiter allen Mitarbeitern verpflichtet. Sie würde kein unternehmerisches Risiko eingehen was das Geschäft gefährden könnte, sagt Katrin Liebig. Die gebürtige Zwickauerin ist Vorsitzende der Genossenschaft. Denn ein bisschen Hierarchie muss trotzdem sein, um Entscheidungen treffen zu können. Es gibt einen Vorstand und einen Aufsichtsrat, die aus je drei Personen bestehen. Aber alle Mitarbeiterinnen begegnen sich auf Augenhöhe.

Die Genossenschaft wurde 1960 als PGH flott gegründet. Damals gab es ein Geschäft. Heute sind es neun Haar-Salons sowie ein Kosmetiksalon mit Maniküre. "Eine Genossenschaft ist keine altbackene, angestaubte Form der Unternehmensführung", so Liebig, sondern durchaus eine moderne, zeitgemäße. Dem Unternehmen geht es heute gut. Stellen für neue Mitarbeiter sind ausgeschrieben. Und wie so viele Handwerksbetriebe wünscht sich auch Inhair noch mehr geeignete Lehrlinge. Derzeit werden fünf im Unternehmen ausgebildet. Modern geht es auch im Friseursalon an der Hauptstraße zu: Dort gibt es ein Tablet. Kunden können ein Foto von sich hochladen und daran Frisuren "anprobieren". Fortschrittlich ist die PGH auch beim Mindestlohn: Bereits seit 1. Oktober erhalten die Mitarbeiter einiges mehr als das, was vorgeschrieben ist. "Die Gelder fließen an die Genossen zurück", so Katrin Liebig.

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