Kita "Paulus": DDR-Bau soll ohne Asbest ausgekommen sein

Eltern und Stadträte befürchten Schadstoffbelastungen in der Marienthaler Kindertagesstätte. Die Stadt dementiert das.

Zwickau.

Für die ab März 2020 geplante Teilsanierung der Kindertagesstätte "Paulus" an der Martin-Andersen-Nexö-Straße im Zwickauer Stadtteil Marienthal wurden gerade die Planungsaufträge vergeben. Doch schon steht das Vorhaben in der Kritik. "Wie mir gesagt wurde, sollen die Kinder während der Arbeiten weiterhin in der Einrichtung betreut werden", sagte der Fraktionsvorsitzende der Bürger für Zwickau (BfZ) Christopher Kühn. Eltern hätten ihn jedoch auf mögliche Gefahren, die sie für ihren Nachwuchs befürchten, angesprochen. Vor allem die äußere Hülle des 1964 errichteten Gebäudes, das im wesentlichen noch im Original erhalten ist, weckt Argwohn. "Da bei DDR-Bauten bekanntermaßen auch Asbest verwendet wurde, könnte dieser Baustoff bei den Baumaßnahmen freigesetzt werden", sagte er im Bauausschuss.

Auf Altlasten wurde das als DDR-Typenbau in Blockbauweise errichtete Bauwerk bisher nicht untersucht, wie Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU) einräumte. Allerdings, so betonte sie: "Es liegen keine Anhaltspunkte vor, dass asbesthaltige Baustoffe verwendet wurden". Ganz ausschließen will man das im Rathaus allerdings auch nicht. "Sollten nach Bauteilöffnungen derartige Baustoffe vorgefunden werden, wird entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen verfahren", sagte Köhler. Sie verteidigte den Verbleib der Mädchen und Jungen in der Kita. "Die Bauabschnitte werden unzugänglich abgetrennt und vor allem die Mittagsruhe eingehalten", sagte sie. Die Hortkinder ziehen während des Baus in die Windbergschule um. Zudem bemühe sich die Pauluskirchgemeinde als Träger um Ausweichräume in der Umgebung.

Doch das ist nicht die einzige Gefahrenquelle, die Christopher Kühn ausgemacht hat. Im Haus sei Schimmelbefall festgestellt worden, der sich negativ auf die Gesundheit der Kinder auswirken könne. Die Baubürgermeisterin bestätigte den Schimmel "in der oberen Ecke eines Gruppenraumes im Obergeschoss". Als Ursache gab sie eine Wärme- beziehungsweise Kältebrücke auf Grund der mangelhaften Ausführung der Gebäudeaußenecke. Der Hausmeister habe Vorsorge getroffen und den Raum besser belüftet, sodass eine Gefährdung der Gesundheit der Kinder nicht besteht. "Im Rahmen der Sanierung wird der Baufehler beseitigt", sagte Köhler.

Tatsächlich sind Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbefall Stadtrat Jens Heinzig (SPD) schon im Sommer 2018 aufgefallen. Heinzig damals: "Der Pauluskirchgemeinde wurde eine Sanierung schon vor vielen Jahren in Aussicht gestellt, passiert ist bisher allerdings nichts". Neben der Sanierung war damals auch über einen Neubau nachgedacht worden. 3,8 Millionen Euro hatten Kostenschätzungen dafür ergeben. Eine Sanierung des alten Kita-Gebäudes wäre der Stadt, für eine möglich spätere Nutzung dennoch nicht erspart geblieben. Als Alternative wäre nur ein Abriss infrage gekommen.

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