Klimaschutz - was Zwickau tun will

Die Elektromobilität wird in der Stadt einen besseren Stellenwert bekommen. Das sieht ein energiepolitisches Arbeitsprogramm vor. Dort ist auch festgehalten, dass die Angestellten der Verwaltung vorangehen.

Zwickau.

Mehr erneuerbare Energie, mehr Elektromobilität und weniger Energieverbrauch: Das ist das Rezept, mit dem sich Zwickau für die Zukunft fit machen will. Niedergeschrieben ist es im energiepolitischen Arbeitsprogramm für die kommenden vier Jahre.

Der Stadtrat hat dem bereits zugestimmt. Allerdings haben die - bisherigen - Bürgervertreter die Vorhaben pauschal abgenickt, ohne über Details zu sprechen. Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) legte zuvor dar, dass die Stadt damit ohnehin keine komplette Handlungsfreiheit hat. Über die einzelnen Vorhaben sollten jeweils der Stadtrat oder der Fachausschuss des Rates gesondert entscheiden. Aber: "Wir kommen an dem Thema sowieso nicht vorbei: Inzwischen ist jedes Förderprojekt auf die Einsparung von Kohlendioxid ausgerichtet."


Es ist das dritte Programm dieser Art, das seit 2011 im Umweltbüro entworfen wurde. Neu ist, dass ein großes Augenmerk auf die Elektromobilität gelegt wird. Das steht auch im Zusammenhang mit der Kooperationsvereinbarung der Stadt mit Volkswagen Sachsen. Beispielsweise soll die Zwickauer Energieversorgung (ZEV) die Ladeinfrastruktur für E-Autos ausbauen. Dazu erbittet die Stadt jährliche Informationen darüber, wie die Ladesäulen, aber auch die Erdgastankstellen genutzt werden. Eine Studie soll zudem zeigen, wie groß der Bedarf an Normal- und Schnellladesäulen in der Stadt ist - und zwar anhand der prognostizierten Zunahme von Elektrofahrzeugen. Für die Nutzer von E-Autos und Hybridfahrzeugen wurde bereits etwas getan: Sie müssen seit etwa einem Jahr auf öffentlichen Parkplätzen keine Gebühren mehr zahlen.

Um die Akzeptanz von E-Autos zu verbessern, hat VW 2018 den Verwaltungsmitarbeitern Probefahrten angeboten. Allerdings können Stadtangestellte auch auf andere Bewegungsmöglichkeiten setzen. So wird geprüft, ob mehr Dienstfahrräder angeschafft werden. Auch bemüht sich die Verwaltung darum, ihren Angestellten das Jobticket für den öffentlichen Nahverkehr schmackhaft zu machen. Selbst eine Variante, bei der Stadtbedienstete den ÖPNV für Dienstfahrten kostenfrei nutzen, ist im Gespräch. Der Umstieg auf die Öffentlichen ist nicht nur für Angestellte ein Thema. Das Arbeitsprogramm enthält auch eine Passage, wonach eine Seniorenjahreskarte denkbar wäre: ein kostenfreies Ticket für die regionalen Verkehrsbetriebe, das alle Senioren erhalten, die dafür ihren Führerschein abgeben. Daneben soll das Radwegenetz enger geknüpft werden. Auch wird darüber nachgedacht, öffentliche Straßen und Plätze so umzugestalten, dass sie grüner werden, sich das Fahrtempo für den rollenden Verkehr reduziert, sodass sich auch Radfahrer und Fußgänger wohler fühlen.

Das Programm kümmert sich darüber hinaus auch um Wohnen und Bauen. Die ZEV soll in und um Zwickau neue Anlagen zur Gewinnung von Grüner Energie errichten. Einmal jährlich prüft die Stadt, wie weit man mit der Umsetzung ist.


Kommentar: Noch ein Vorschlag

Der Stadtrat ist in der Klemme. Einerseits hat er ohne große Diskussion dem Arbeitsprogramm fürs Klimaschutzkonzept zugestimmt. Also achten wir jetzt alle darauf, dass die Stadt umweltfreundlicher wird. Andererseits ertönt bei ausnahmslos jeder Diskussion über die Innenstadt die Forderung nach mehr Parkplätzen für die guten alten Autos, zudem möglichst nah an der Hauptstraße. Mit dem Hinweis, dass sonst die ansässigen Händler ihre Läden schließen müssten, könnten oder würden. Eine fragwürdige Diskussion angesichts der weit verbreiteten Online-Einkaufswut. Fragwürdig zudem, weil es anders ginge.

Das, was es in der City zu kaufen gibt, kann man auch per Straßenbahn oder Bus transportieren. Nur sollte man dann auch damit beginnen, den Menschen den öffentlichen Nahverkehr endlich schmackhaft zu machen.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    branderweg
    05.06.2019

    Danke für den klarstellenden Kommentar: zwar entlasten alternative Antriebe die Umwelt und verbessern die Stadtluft, sie lösen aber nicht das Verkehrsproblem und sorgen noch lange nicht für eine gerechtere Aufteilung des Stadtraums unter Fußgängern, Radfahrern, Bahn+Bus sowie Auto. Stadtverträglichkeit des Verkehrs wird nur erreichbar sein durch eine Neuorientierung im Verkehrsverhalten jedes einzelnen und einer Neubestimmung der Autonutzung im Stadtkern und in den Wohngebieten. Mit jedem neuen PKW-Stellplatz, insbesondere im Innenstadtbereich, wird der Umstieg auf den öffentlichen Verkehr erschwert und Zwickau verliert städtische Qualitäten....



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...