Mehr 30er-Zonen vor Schulen

Die Stadt Zwickau stellt vor Grundschulen und Kindergärten zunehmend Tempobegrenzungen auf. In der Theorie ist das nicht immer ein Fortschritt, in der Praxis laut Befürwortern schon.

Zwickau.

1500 Unterschriften und ein spontanes Versprechen der OB haben offenbar Früchte getragen. Vor der Schillerschule im Zwickauer Stadtteil Oberplanitz befindet sich jetzt ein Tempo-30-Schild. Damit ist die Stadt den Eltern entgegengekommen, die mit ihren Unterschriften mehr Sicherheit auf dem Schulweg gefordert hatten. Zwickau hat in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche Tempolimits vor Schulen und Kindergärten umgesetzt, aber der Fall in Oberplanitz ist trotzdem ein besonderer.

Bei einem Verkehrsunfall im März ist auf dem Schulweg ein siebenjähriger Junge von einem Auto angefahren und schwer verletzt worden. Anwohner, die sich daraufhin an das Zwickauer Rathaus gewandt hatten, erhielten vom Ordnungsamt allerdings zunächst eine Absage. Der Junge sei nicht unschuldig an dem Unfall gewesen, hieß es in dem Schreiben der Stadtverwaltung, er sei beim Fangenspielen auf die Straße gelaufen. Das Auto, das ihn erfasst habe, sei mit weniger als 30 Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen. Außerdem seien ausreichend Schilder aufgestellt, die auf den Schulweg hinweisen würden. Eine weitere Tempobegrenzung, so die Schlussfolgerung, hätte den Unfall nicht verhindern können.


Ganz anders äußerte sich dann wenige Wochen später Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD), als sie in der letzten Stadtratssitzung vor der Kommunalwahl die Liste mit besagten 1500 Unterschriften aus den Händen von CDU-Fraktionschef Thomas Beierlein entgegennahm. Sie sei dafür, vor allen Schulen in Zwickau Tempo 30 einzuführen, sagte die OB, auch wenn sie sich damit über rechtliche Bestimmungen hinwegsetzen müsse.

Die Vorgaben, mit denen sich die Stadtverwaltung seit Jahren herumschlägt, betreffen vor allem das Verkehrsschild "Achtung Kinder". In der Theorie ist diese Kennzeichnung des Schulwegs mit größeren Einschränkungen für Autofahrer verbunden als ein bloßes Tempo-30-Schild. Es erfordert, jederzeit bremsbereit zu fahren. Und wo bereits ein höherwertiges Verkehrszeichen steht, darf man es eigentlich nicht durch ein anderes entwerten.

Nur klafft nach Ansicht von Beobachtern ein Widerspruch zwischen Theorie und Praxis. Der Crossener Ortsvorsteher Stefan Kramer (CDU) hatte sich im Stadtrat genauso wie Carsten Schick (FDP) mehrfach für Geschwindigkeitsbegrenzungen vor der Grundschule Crossen eingesetzt. Tempo 30, so ihr Argument, würde Autofahrer in der Praxis eher zu einer langsameren Fahrweise anhalten als das Schild "Achtung Kinder". Vor einem Jahr stellte die Stadt dann doch ein Tempo-30-Schild auf. In dem Zeitraum wurde vor insgesamt sieben Schulen und Kitas das Kinderschild durch eine 30er-Zone ersetzt.

In Oberplanitz waren die Eltern zunächst verwundert, warum die Stadt 200 Meter von der Grundschule entfernt auf der Freiheitsstraße eine Tempobeschränkung erlassen hat. Dabei ist dieser 30-km/h-Abschnitt wegen einer anderen Einrichtung eingeführt worden, nämlich wegen der Kita am Wasserturm, die sich genau dort befindet. "Seit vielen Jahren sind bereits bei mehr als 90 Prozent der 68 Einrichtungen verkehrsberuhigende Maßnahmen angeordnet", sagt Stadtsprecher Mathias Merz. Über die Petition der Eltern soll trotzdem noch in zwei Wochen im Hauptausschuss abgestimmt werden.


Limits vor Schulen und Kitas

Tempo-30-Schilder, die in den vergangenen zwei Jahren aufgestellt wurden: Schillerschule, Grundschule Crossen, Kita Crossener Muldenstrolche, Kita Sputnik, Kita Wassertröpfchen, Kita Wichtelhaus, Kita am Wasserturm, Kita Auerbach, Kita Mittendrin, Planitzer Kinderwelt.

Nur Achtung-Kinder-Schild: Dr.-Martin-Luther Grundschule, Kita Krümelkiste (liegt an einer Sackgasse), Kita Holzwurm.

Keine Einschränkungen: Dittesschule (Sackgasse), Kita Grüner Hof an der Saarstraße im Stadtzentrum, Kita Muldepiraten (Sackgasse).

Tempo 30 insgesamt: 53

Nur "Achtung Kinder": 3

Verkehrsberuhigt oder Anlieger: 9

Kein Limit: 3

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