Milchtankstelle kommt gut an

Um bessere Preise zu erzielen und den Kunden zu zeigen, wie viel Arbeit im Produkt steckt, vermarktet eine Firma aus Härtensdorf einen Teil davon selbst. Mit Erfolg.

Härtensdorf.

Frischer geht es nicht: Morgens gemolken, ist die Milch noch am gleichen Tag in den Flaschen der Kunden. Im März hatte die Roder GbR im Wildenfelser Ortsteil Härtensdorf als eine der ersten Firmen im Landkreis eine Milchtankstelle eröffnet. Ein halbes Jahr später fällt die Bilanz positiv aus: "Das haben wir nicht bereut. Sie wird sehr gut angenommen", schätzt Stefanie Roder ein, die mit ihrem Freund Felix Graichen im elterlichen Unternehmen arbeitet. "Gerade zum Wochenende hin sind die zwei 50-Liter-Kannen im Automaten schnell leer, müssen wir ihn über den Tag neu befüllen."

Die Roders haben 60 Kühe. Von der bayrischen Molkerei bekommen sie zurzeit nur 25 Cent pro Liter. "Das reicht nicht, um die Kosten zu decken. Außerdem schwankt der Preis", sagt Stefanie Roder. "Für die Milch, die wir selbst vermarkten, zahlen die Kunden 1 Euro. Das ist ein verlässlicher Preis, mit dem wir rechnen können." Reich werden die Landwirte damit dennoch nicht. Schließlich war die Zapfstelle "nicht ganz billig", wie sie sagen. Und der größte Teil der Milch wird weiterhin an die Molkerei geliefert. "Aber durch das neue Angebot kommen viele Leute auf unseren Hof. Das ist etwas anderes, als Milch im Supermarkt zu kaufen. Die Kunden sehen, wie viel Arbeit im Produkt steckt."

Im Gegensatz zur Milch aus dem Laden muss die aus dem Automaten vor dem Verzehr abgekocht werden, da es sich um Rohmilch handelt. "Unsere Kunden scheinen sich daran zu halten", sagt Stefanie Roder. "Uns ist bisher kein Fall bekannt, dass jemand eine Lebensmittelinfektion durch unsere Milch erlitten hat." Auch nach Ansicht des Bundesamtes für Risikobewertung haben solche Rohmilch-Automaten keinen Einfluss auf Lebensmittelinfektionen. Sie halten die Milch kühl und verhindern eine Vermehrung von Bakterien, heißt es in einer Erklärung dazu. Allerdings führe die Kühlung nicht zu einer Verminderung der Anzahl von Keimen, die sich bereits in der Milch befinden. Um diese abzutöten, sei eine Pasteurisierung, also die kurzzeitige Erwärmung auf mindestens 75 Grad Celsius, oder eben Abkochen nötig.

Auf Bio umsteigen, um höhere Milchpreise zu erzielen, will der Betrieb nicht. Das haben bisher erst zwei im gesamten Landkreis getan. "Dann müsste ja auch die gesamte Ackerproduktion auf Bio umgestellt werden, und es ist ein enormer bürokratischer Aufwand", sagen die Roders. Zudem dauere die Übergangsphase, in der zwar schon Bio produziert, aber noch der geringere Preis bezahlt werde, zwei Jahre. Die Bio-Preise liegen zwar höher, würden aber genauso schwanken. Da setzt der Betrieb lieber - wie auch der Kunz-, der Ehrler- und der Charlotten-Hof im Dorf - auf Direktvermarktung. Und zwar nicht nur mit der Milchtankstelle. Eier sind ebenso zu haben wie von der Oma handgestrickte Socken. Die Wolle dafür kommt von Schafen aus der Nachbarschaft. Zudem gibt's Honig aus Zwickau sowie Franken. (mit tür)

Die Milchzapfstelle, Karl-Marx-Stra- ße 82 in Härtensdorf, hat täglich 5.30 bis 20 Uhr geöffnet.

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