Punk-Brauer mischen Seilerstraße auf

Hopfen und Malz sind Rohstoffe für Kreative, das beweist die Band Kevin, deren Bier immer mehr Liebhaber findet. In Zwickau wollen die Unternehmer ein neues Zentrum für Ideen erschaffen.

Zwickau.

Der Brauraum an der Werdauer Straße in Zwickau ist bereits sehr aufgeräumt, der Umzug vom kleinen Gewerbegebiet am Stadtrand an die Seilerstraße nahe dem Zentrum fast abgeschlossen. Schon in wenigen Tagen wird dort Kevin gebraut, ein Bier, das etwas anders schmeckt und das es nur in sehr kleinen Mengen gibt. Denn die Produzenten sind nicht wirklich Brauer, sondern Hobbymusiker der Band Kevin.

Warum die Band Kevin heißt, daran kann sich Stefan Wäntig heute nicht mehr erinnern. Ihre Karriere im Raum Zwickau begann jedenfalls 2005. Die Musiker hatten sich dem Skatepunk verschrieben, einer aus den USA importierten Musikrichtung, die als spaßorientierte Party-Musik gilt. Es war ein Hobby, die Auftritte zumeist in und um Zwickau. "Kommerziell erfolgreich waren wir nicht, Auftritte in Dresden waren wohl das Weiteste", erinnert sich Wäntig. Durch Schule und Studium, Freunde und Freundinnen sowie Kinder - also einer ganz normalen Entwicklung - fehlte den Musikern die Zeit, und das Hobby wurde deshalb zunächst vernachlässigt, es gab aber immer Kontakt. Ende 2013 dann der Entschluss, wieder Musik zu machen.

Von seinen Urlauben in Amerika hatte Bandmitglied Rico Püschel viele Eindrücke mitgebracht und unter anderem auch die interessante Überzeugung: Zur Musik gehört Bier - jedenfalls nicht nur zum Trinken. "Die ersten beiden Ansätze gingen voll in die Hose", sagt Wäntig. Es wurde viel probiert - und weggeschüttet. Der vierte und fünfte Braugang waren jedoch "schon richtig gut". Zunächst nur für den Eigenbedarf sowie Freunde und Bekannte gedacht, entwickelte sich langsam eine Nachfrage. Seit Juni 2015 gibt es das Bier offiziell. Es kostet zwischen 3,30 und 3,50 Euro. Der Produktionsprozess vom Ansetzen der Maische, Abfüllen, Verkorken bis zum Etiketten kleben ist Handarbeit. Witziges Accessoires sind auf das jeweilige Etikett farblich abgestimmte Kronkorken.

Neben den fünf Hauptsorten gibt es zwei, die immer mal wieder wechseln und Experimente sind. "Fever" zum Beispiel. Es riecht fruchtig und blumig und hat 4,6 Prozent Alkohol. Pro Sud gibt es von ihm 138 Flaschen und das nur vier- bis fünfmal im Jahr. Deutlich gewichtiger in Ausstoß und Alkoholgehalt ist die Band-Serie. Die erste Auflage mit 300 Flaschen und einem Alkoholgehalt von 7,6 Prozent ist eine Hommage an die Band Run Riot.

Musik und Bier brauen bleibt für die Bandmitglieder Rico Püschel, Denny Helmer, Eva Adler, Tino Wäntig und Stefan Wäntig ein Hobby. Nur Veranstaltungskaufmann Stefan Wäntig ist seit Jahresbeginn der einzig fest angestellte Mitarbeiter.

Mit dem Umzug an die Seilerstraße versprechen sie sich ein kreatives Umfeld, das sowohl die Musik als auch die Brauerei beflügelt. Schon am alten Standort an der Werdauer Straße hatten sich Musik machen und Bier brauen zu einer kreativen Symbiose entwickelt. Zu den regelmäßigen Hausverkäufen alle sechs bis sieben Wochen trafen sich Leute von Jung bis Alt, es gab Filmvorführungen, Vorträge oder Akustik- musik. Das soll am neuen Standort so bleiben. Mit einer deutlich größeren Fläche von 200 Quadratmetern sind die Bedingungen dafür sehr gut.

Im Zusammenspiel mit weiteren Mietern könnte das vielleicht sogar noch etwas mehr werden. "Hier könnte sich ein Kreativzentrum entwickeln", meint Wäntig. "Die Bedingungen für Kreative in Zwickau müssen besser werden, ansonsten wandern die Leute nach Chemnitz oder Leipzig ab." Die Stadt sei in dieser Hinsicht träge.

Unterstützung und Informationen kommen indes von "Kreatives Sachsen", dem sächsischen Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft. "Hier gibt es eine beeindruckende Anzahl an kleinen, hoch aktiven Initiativen, die selbst kreativ-künstlerisch arbeiten und damit den ganz wichtigen Humus für eine kreativwirtschaftliche Unternehmenslandschaft bilden - entweder, weil sie ihr Hobby irgendwann zum Haupterwerb machen, oder weil sie mit ihren Aktivitäten die Stadt attraktiv machen für die Ansiedlung kreativer Unternehmen", meint Katja Großer, die den Raum Westsachsen betreut und regelmäßig vor Ort ist.

Die Brauerei soll auf jeden Fall wachsen. "Wir wollen den Kundenstamm ausbauen und die Marke noch bekannter machen", sagt Stefan Wäntig. "Wir treiben es, so weit es geht!"

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