Recyclinganlage: Fronten sind verhärtet

Im Streit um das Vorhaben der Firma Erlos in Schönfels wächst der Protest. Eine ins Leben gerufene Bürgerinitiative setzt auf die Hilfe von Experten.

Schönfels/Zwickau.

"Stoppt die Recyclinganlage" - das Transparent am Zugang zur Turnhalle in Schönfels muss Matthias Schmidt, Geschäftsführer der Zwickauer Firma Erlos, wie ein Schlag ins Gesicht vorgekommen sein. Der Firmenchef erklärte am Donnerstagabend etwa drei Stunden lang vor mehr als 200 Einwohnern die Funktionsweise der Anlage. Das Unternehmen will sie nahe der Straße der Einheit in Schönfels errichten - und zwar in einer Halle des Mutterunternehmens Weck + Poller, von dem das Gelände 2015 erworben worden war.

Doch der Widerstand gegen das Vorhaben der Firma Erlos wächst. Einwohnerin Odette Beer wies die Anwesenden auf die ins Leben gerufene Initiative Schönfels hin. "Wir wollen uns gegen diese Anlage wehren", sagte die Schönfelserin unter großem Beifall. Geschäftsführer Schmidt stellte indes nach der Einwohnerversammlung klar, dass er sich für ein "rechtskonformes Genehmigungsverfahren" stark machen will.

Fakt ist: Bis zum 1. Oktober 2018 können auch Bürger schriftlich ihre Hinweise und Einwendungen gegen das Vorhaben ans Landratsamt schicken. Das hat sich die Bürgerinitiative Schönfels fest vorgenommen, die nach der Einwohnerversammlung mit gut 50 Personen das weitere Vorgehen erörterte. "Wir brauchen solche Anlagen. Aber es ist unvertretbar, diese direkt angrenzend an Wohngebiete und geschützte landschaftliche Bereiche anzusiedeln", betonte Stefan Schröter, Mitglied der Initiative, die ihre Einwendung mit fachlich und juristisch fundierter Unterstützung erarbeiten will. Da hierfür mit Kosten von 30.000 Euro gerechnet wird, haben die Gegner der Recyclinganlage eine Spendenaktion gestartet.

Auf einem bei der Einwohnerversammlung ausgelegten Handzettel machte die Initiative darauf aufmerksam, dass es sich um "zum Teil sehr gefährliche Abfälle handelt: Lithium-Ionen-Akkumulatoren, Autokatalysatoren, Kunststoffe". Die Gruppe sieht "hohe Risiken, die von einer solchen Anlage besonders im Störfall ausgehen". Nicht zuletzt rückte die Initiative negative Folgen wie "Gesundheitsgefährdung, Lärmbelästigung, Wertminderung unserer Grundstücke" in den Fokus. Und der für diesen Abend von der Initiative herbeigerufene Sachverständige Olaf Boehnke aus Leipzig fasste das Vorhaben so zusammen: Das sei ein Betrieb, der da nicht hingehöre.

Doch genau das sieht die Erlos-Spitze anders und verwies mehrfach auf den seit 2006 existierenden Bebauungsplan, der das gesamte Firmengelände als Gewerbegebiet ausweist. Da das Areal aber bisher bei den Einwohnern nur als "Handwerks- und Gewerbehof" bekannt war, blieben Irritationen nicht aus. Folglich hagelte es Kritik an der nun von Erlos geplanten Verlagerung der Behandlungsanlage für Lithium-Ionen-Akkumlatoren vom Standort an der Reichenbacher Straße in Zwickau in den Lichtentanner Ortsteil. Schmidt betonte aber immer wieder: "Es werden nur entladene Batterien zerlegt." Auch gelange das Abwasser weder in einen Bach noch Teich. Dafür hat Erlos erst im Juni einen Vertrag mit den Wasserwerken Zwickau abgeschlossen, der den Abtransport zu einem Klärwerksbetreiber regelt. In dem Zusammenhang monierten einige Schönfelser, dass bei der bereits für den Bau der Logistikhalle von Weck + Poller organisierten Versammlung nie die Rede von einer Recyclinganlage gewesen sei. "Das war eine unternehmerische Entscheidung, die Ende 2017 getroffen wurde", entgegnete ein Erlos-Vertreter. Wie eine Mitarbeiterin des Landratsamtes ergänzte, ist die damit verbundene Nutzungsänderung mit einem Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz verknüpft.

Rathauschef Tino Obst (parteilos), der sich für die trotz der Emotionen sachliche Debatte bedankte, stellte klar, dass die Gemeinde im Mai von dem Vorhaben informiert worden sei. Darauf hatte der Technische Ausschuss eine bauliche Stellungnahme abgegeben. "Wir haben im Genehmigungsverfahren einen nur begrenzten Einfluss", bedauerte Obst.

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