Schlunziger Brückenneubau wird dieses Jahr nicht mehr fertig

Bis April lagen die Arbeiten im Zeitplan. Inzwischen gibt es großen Verzug. Die Befürchtungen von Schlunzigern, dass der derzeit noch nötige Unterbau bei Hochwasser zur Gefahr werden könnte, teilt das Landratsamt nicht.

Schlunzig.

Als in der zweiten Augusthälfte endlich das erste Tragseil an der neuen Muldebrücke im Zwickauer Stadtteil Schlunzig eingebaut wurde, schöpften Bauherr Landratsamt und Anwohner Hoffnung, dass es zügig weitergeht mit den Arbeiten. Doch die Verzögerungen bei den Montagearbeiten an den Seilen setzen sich seither fort. Nach derzeitigem Stand solle das vom Hauptauftragnehmer vertraglich gebundene Subunternehmen aus Spanien jetzt mit dem Einbau und dem Spannen der Tragseile fortfahren, heißt es auf eine Anfrage hin aus dem Landratsamt.

"Die genauen Auswirkungen der bisherigen Bauverzögerungen auf den Fertigstellungstermin der Brücke können im Moment noch nicht belastbar benannt werden", sagt Landkreissprecherin Ines Bettge. "Eine Verkehrsfreigabe in diesem Jahr ist nicht mehr möglich." Dabei war genau das geplant.

Bereits im Juli hatte das Amt für Straßenbau des Landkreises beklagt, dass ohne die fertig eingebauten Seile keine weiteren Brückenbauarbeiten möglich sind. Und das bei bestem Bauwetter. Schlunziger Bürger, die sich noch gut an die beiden vergangenen Hochwasser erinnern können, treibt derweil die Sorge um, dass das Traggerüst, das die neue Betonbrücke hält, bis diese Funktion die Seile übernehmen, bei einer erneuten Flut zu einem großen Hindernis wird.

Diese Befürchtung teilt die Behörde allerdings nicht. "Es ist richtig, dass das Traggerüst unter der Brücke erst nach dem Einbau und Spannen der Tragseile ausgebaut werden kann", so das Amt für Straßenbau. Das Gerüst sei jedoch so ausgelegt, dass die quer zur Fließrichtung liegenden Hauptträger erst ab einem Hochwasserstand bei HQ 100 (100-jährliches Hochwasser) angeströmt würden. "Es ist somit sehr hochwassersicher konstruiert", so die Behörde.

Hauptauftragnehmer für die neue Brücke ist ein Unternehmen aus dem Frohburger Ortsteil Frankenhain. Der Betrieb hatte mit knapp 7 Millionen Euro das wirtschaftlichste von fünf Angeboten gemacht. Der Neubau war nötig geworden, weil die Brücke aus dem Jahr 1964, über die der Verkehr derzeit noch rollt, beim Hochwasser im Sommer 2013 erheblich beschädigt worden und in ihrer Standsicherheit beeinträchtigt ist. Für die futuristisch wirkende, neue Schrägseilbrücke hatte sich der Landkreis entschieden, weil diese Lösung einen geringeren Eingriff in den Naturhaushalt als andere Varianten ermögliche. Schließlich entsteht das Bauwerk in einem sogenannten Flora-Fauna-Habit-Gebiet, das Teil des europäischen Schutzgebietsnetzwerks ist.

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