Steine erzählen bewegende Geschichten

Das Areal ist nicht nur Ort der Trauer. Es steckt auch voller interessanter Geschichten, "Freie Presse" stellt sie vor. Heute: Grabstätte der Bombenopfer

Zwickau.

Welches Leid die beiden Weltkriege im vorigen Jahrhundert über die Stadt gebracht haben, wird auch auf dem Hauptfriedhof eindrucksvoll für Besucher sichtbar. So sind 256 bei Bombenangriffen auf Zwickau im Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommene Menschen in zwei sogenannten Sammelgräbern in der Hauptabteilung IV beigesetzt worden. Die Anlage befindet sich unterhalb vom sowjetischen Ehrenhain, neben den Soldatengräbern der Weißrussen und Rumänen aus dem Ersten Weltkrieg.

"Und die 256 ums Leben Gekommenen sind bei weitem nicht alle Opfer der damaligen Bombenangriffe auf Zwickau", weiß Friedhofsmeister Alexander Parthy. "Weitere wurden in eigenen Begräbnisstätten ihrer Familien hier auf dem Hauptfriedhof oder auf anderen Friedhöfen, beispielsweise in Bockwa, bestattet." An einige, wenige der in den beiden Sammelgräbern beigesetzten Opfer erinnern bis heute Grabsteine, die Angehörige haben aufstellen lassen. Diese erzählen bewegende Gechichten, zeigen, dass die Bomben manchmal gleich mehrere Generationen einer Familie getötet haben.

So starb mit Else Lang am 7.Oktober 1944 auch ihre erst acht Wochen alte Tochter Eva-Maria. Andere Grabsteine erinnern mit dem Sterbedatum 19. März 1945 an Opfer eines weiteren Bombenangriffs auf die Stadt.

Die mit Bodendeckern und Rhododendren bepflanzte Anlage wird das ganze Jahr über von Mitarbeitern der Friedhofsverwaltung gepflegt. "Während die Ruhezeit für auf dem Hauptfriedhof bestattete Verstorbene eigentlich nach 20 Jahren endet, haben die Bombenopfer hier ewiges Ruherecht", informiert Martina Richter, Abteilungsleiterin Bestattungs- und Friedhofswesen in der Stadtverwaltung. Gleiches gilt auch für die anderen Kriegsgräber auf dem Areal. Dazu gehören die 166 Einzelgräber deutscher Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg, die 163 Einzelgräber weißrussischer und rumänischer Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg sowie der russische Ehrenhain mit den 352 Einzelgräbern und 86Tonurnen im Denkmal.

Martina Richter erzählt, dass am 8. Mai 1990 Bürger und Institutionen zum ersten Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges Kränze auf den Kriegsgräbern der deutschen Soldaten niedergelegten. Außerdem gibt es jedes Jahr zum Volkstrauertag im November an allen Kriegsgräberanlagen Gedenkveranstaltungen und Kranzniederlegungen.

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