Veranstaltung gegen Rechts: Wirt sagt Lesungen ab

Die Organisatoren weichen auf den Zwickauer Domhof aus. Der Betreiber des Cafés erhebt Vorwürfe gegen die Veranstalter.

Zwickau.

Die beiden Lesungen im Rahmen der Anti-Rechtsruck-Veranstaltung am Samstag in Zwickau sind abgesagt worden. Das teilte der Betreiber des Eiscafés Dolce & Freddo, Federico Calligaro, am Donnerstag mit. Er stelle sein Café grundsätzlich nicht für öffentliche Veranstaltungen externer Organisatoren zur Verfügung, schreibt Calligaro in einer E-Mail an die "Freie Presse". In diesem Fall hätten die Veranstalter die Buchlesungen fälschlicherweise als private Veranstaltungen angekündigt. Dass die Lesungen öffentlich sein sollten, habe er erst durch den entsprechenden Bericht in der Zeitung erfahren.


Das Bündnis "Wann-wenn-nicht-jetzt" hat für Samstag auf dem Zwickauer Hauptmarkt den Auftakt für eine Ostdeutschland-Tour gegen drohenden Rechtsruck bei den Landtagswahlen geplant. Vorgesehen sind ein Streetsoccer-Turnier, ein abendliches Punkrock- und Hip-Hop-Konzert sowie besagte Buchlesungen. Der Stadtrat und Landtagskandidat René Hahn (Die Linke) aus dem Organisationsteam kündigt an, dass die Lesungen stattdessen in den Räumen der Kirchgemeinde im Domhof stattfinden werden. Die Anfangszeiten - 15 und 16 Uhr - würden gleich bleiben. Ein Vertreter der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN BdA) liest aus dem Buch "Aus der Hölle zurück - Von der Willkür des Überlebens im Konzentrationslager". Danach liest der Autor Robert Claus aus seinem Buch "Hooligans. Eine Welt zwischen Fußball, Gewalt und Politik".

Wie es zu der Verwirrung um das Eiscafé kommen konnte, könne er nicht nachvollziehen, sagt Mit-Organisator Hahn. "Jemand von uns hat mit dem Personal des Cafés alle Vereinbarungen getroffen und über unseren Hintergrund informiert. Ob und wie vollständig die Mitarbeiter im Eiscafé diese Informationen an Herrn Calligaro weitergegeben haben, kann ich nicht beurteilen." Hahn vermutet, dass Druck auf den Eiscafé-Betreiber ausgeübt worden sei. Dessen Bekannte glauben eher, die Veranstalter hätten ihren politischen Hintergrund und ihre Ziele nicht deutlich genug klargemacht.

Die Initiative will in insgesamt zwölf Städten in Sachsen, Thüringen und Brandenburg Marktplatzkonzerte gegen Rechts durchführen. Zwickau bildet den Auftakt.

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