Von Ausweis bis Zwickau-Pass

900 Jahre Zwickau - Türen auf! - So heißt es im Jubiläumsjahr an vielen Stellen in Zwickau. Am Mittwoch besuchte ein Dutzend Neugierige den Bürgerservice im Rathaus.

Zwickau.

Manchmal muss man mit der Zeit gehen. Carmen Rau klingt fast entschuldigend. Vor sieben Jahren, als der Bürgerservice im sanierten Zwickauer Rathaus eröffnet wurde, da gab es noch keine Aufrufanlage für die wartenden Zwickauer. "Unsere Bürger sollten nicht nur eine Nummer sein", sagt die Sachbearbeiterin aus dem Bürgerservice. Dann zuckt sie mit den Schultern: "Es war das totale Chaos."

Inzwischen bekommen die Besucher eine Nummer - vor allem aber bekommen sie Hilfe. Wie vielfältig die ist, das erfährt rund ein Dutzend Zuhörer am Mittwoch während der Führung durch den Bürgerservice des Rathauses. Dabei erfahren sie auch, was schon alles erledigt wird, ehe sie überhaupt eine Nummer ziehen. Denn schon an der Rezeption schauen die Mitarbeiter, ob die Kunden alle nötigen Unterlagen dabei haben oder ob etwas fehlt. Das ist nicht immer schlimm. Mangelt es beispielsweise an einem korrekten Foto für den Ausweis oder den Pass, dann steht gleich nebenan ein Automat, der passende Fotos machen kann. "Wir sind eine der ersten Städte, die so etwas anbieten kann", sagt Carmen Rau, während sie die Arbeitsweise dieses Selbstbedienungsterminals mithilfe einer Besucherin demonstriert.

Neben zahlreichen Formularen - auch von der Landkreisbehörde - wartet der Bürgerservice mit zwei Geräten auf, die Ausweise und Pässe auf Echtheit prüfen. "Denn wer von uns weiß schon, wie ein Pass aus Uruguay aussehen muss", sagt Service-Chefin Christina Horlbeck. Die Geräte wissen das. Und ja, sagt Horlbeck, es kommt immer mal wieder vor, dass ein Dokument nicht koscher ist. "Wir entscheiden dann zusammen mit der Polizei, was zu tun ist." Manchmal stelle sich heraus, dass das Dokument nur während einer langen Reise gelitten hat. "Wir hatten aber auch schon Fälschungen", sagt Horlbeck.

Der Bürgerservice, das wird schnell klar, ist für viel mehr zu gebrauchen als für eine Ummeldung nach dem Umzug. Neue Personaldokumente samt Fingerabdrücken gehören zum Tagesgeschäft. Eine Besucherin fragt, warum sich bei so vielen Informationen die Behörden nicht gegenseitig warnen - im Fall des Attentäters Anis Amri wäre das ja wichtig gewesen. Aber da hebt Sachbearbeiterin Carmen Rau die Hände. Es gibt Dinge, da bindet ihnen der Datenschutz die Hände.

Das gilt aber nicht immer. Die Sachbearbeiterin berichtet von zahlreichen Anfragen ans Melderegister - angefangen von Unternehmen bis hin zu ehemaligen Mitschülern, die ein Klassentreffen organisieren wollen. Natürlich gibt es solche Auskünfte nur unter bestimmten Voraussetzungen, da sind die Vorschriften vielfältig. "Wir müssen entweder die Vorschriften kennen oder wissen, wo es steht", sagt Carmen Rau.

Was man als Besucher wissen sollte: Der Service besteht nicht nur aus Empfang und den recht hellhörigen Kabinen im Erdgeschoss. Wer sensible Dinge zu besprechen hat, der kann mit den Mitarbeitern in eines der Büros im ersten Stock gehen. Dort sitzen auch die Kollegen, die sämtliche Anrufe und per E-Mail abgesandte Anfragen bearbeiten. Und damit immer noch nicht genug: Manchmal führen die Servicemit- arbeiter auch kleine Gruppen durch das Rathaus - nicht nur wie am Mittwoch innerhalb der Aktion "Türen auf!", sagt Carmen Rau. Ihr Job ist also vieles - nur nicht eintönig.

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