Wenn Gras über Dinge wächst, beschweren sich die Leute

Ungepflegte Spielplätze sorgen dieser Tage für Diskussionen. Die Zwickauer Stadtverwaltung sagt: Manchmal kann sie nur mahnen.

Zwickau.

Es ist kein schöner Anblick - aber das ist die weniger schlimme Seite. Besorgniserregender ist, dass hohes Gras auf Kinderspielplätzen gefährlich werden kann und es obendrein beim Spielen stört. Vor allem die kleinen Kinder.

Als vor Kurzem das Sommerwetter den Bewuchs auf dem Spielplatz in Niederhohndorf hat ins Kraut schießen lassen, da beschwerte sich der Stadtrat und Niederhohndorfer Tristan Drechsel über die Zustände. Der bisherige Vorsitzende der Fraktion BfZ/Grüne im Stadtrat hielt der Verwaltung eine regelrechte Standpauke darüber, dass in seinem Stadtteil die Spielgelegenheit so ungepflegt ist, dass man vor allem mit kleinen Kindern gar nicht mehr gern hingehen möchte. Laufen können kleine Kinder dort praktisch nicht mehr. Außerdem gilt hohes Gras als bevorzugter Aufenthaltsort von Zecken.


Jörg Voigtsberger, Leiter des Garten- und Friedhofsamtes, konnte an dieser Stelle nur die Hände heben: Den Auftrag zur Pflege dieses Grundstückes hat die Stadt an eine Fremdfirma gegeben. Und daran sind die Stadträte nicht ganz unschuldig - wird doch schließlich bei jeder Diskussion ums öffentliche Geld verlangt, die Verwaltung möge sparen. Allerdings, das machte Drechsel deutlich: Wenn Sparen bedeutet, dass Kinder nicht mehr spielen können, geht dies am Ziel vorbei.

"Wir sind den Stadträten dankbar, wenn sie uns zeigen, wo etwas nicht funktioniert", sagt Bernd Meyer (Die Linke), als Bürgermeister für die Finanzen und die Ordnung zuständig. Die Anlage in Niederhohndorf habe man bereits auf dem Schirm gehabt. Das Problem: Dem eigenen Personal - also dem Garten- und Friedhofsamt - könne man leichter einen Auftrag geben als einem Unternehmen aus der freien Wirtschaft. Denn die haben auch andere Aufträge und nicht immer genug Personal. "Lauf mal den Leuten hinterher, wenn irgendwo etwas nicht funktioniert", so Meyer. Die Probleme seien kein Einzelfall.

Von den rund 80 Spielplätzen, die die Stadt im ihrem Gebiet angelegt hat, wird nur etwa ein Viertel von Verwaltungsmitarbeitern gepflegt. Für die anderen Anlagen hat die Stadt die Pflege ausgeschrieben, erklärt Voigtsberger. Zu diesen Leistungen gehört es, viermal im Jahr das Gras zu mähen, außerdem sind die Gehölze zu schneiden und der Müll zu entfernen. "Die Spielgeräte unterhalten wir selbst, auch die entsprechenden Kontrollen erfolgen in Eigenregie", so Voigtsberger. Die Zusammenarbeit mit Fremdfirmen bezeichnet der Amtsleiter als unterschiedlich erfolgreich.

In diesem Jahr hat es Voigtsberber zufolge viele Beschwerden über mangelnde Mahd gegeben, unter anderem aus Crossen. "Eltern wollen ihre Kinder nicht im hohen Gras spielen lassen. Aber im Grunde genommen können wir die Firmen nur mahnen." Dabei erlebe er kleinere Firmen als flexibler als größere.

Trotzdem: Vertrag ist Vertrag. "Wenn es heißt, dass viermal im Jahr gemäht werden muss, kann ich kein fünftes Mal verlangen", sagt Finanzbürgermeister Meyer. Er glaubt auch nicht, dass das Gartenamt mehr Spielplätze betreuen kann: "Die Personalkosten in einer Stadtverwaltung sind einfach höher als in der freien Wirtschaft."

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 8
    1
    Kastenfrosch
    17.07.2019

    "Es ist kein schöner Anblick - aber das ist die weniger schlimme Seite."

    Ernsthaft? Eine blühende und lebendige Grünfläche soll kein schöner Anblick sein?

    Unabhängig von den hier genannten Punkten, die gegen allzu üppigen Wuchs von Wiesen auf Spielplätzen sprechen mögen: man darf sich schon wundern, wie weit sich der moderne Mensch (?) von der Natur entfremdet hat, wenn er solche Thesen aufstellt.

  • 7
    3
    Tauchsieder
    17.07.2019

    Ja die Einen wollen Blühwiesen und die Anderen Golfrasen für den Kinderspielplatz.
    Da muss sich schon der Stadtrat positionieren, gerade wenn er sich für "Grünen Strom", E-Mobilität, Klimawende, Glyphosatverbot usw. einsetzt. Sonst wirkt so etwas wie in diesem Zeitungsartikel lächerlich, gerade mit dieser Begründung.
    Tendenz geht in Richtung Blühwiesen.



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