Zwickaus Polizeipräsident wirbt um Vertrauen

Conny Stiehl sucht Bürgernähe. Auf seiner Tour durch die Kommunen spricht er über Personalprobleme, Kriminalität und Strukturen.

Callenberg/Zwickau.

Im Jahr 2018 hat es im Gebiet der sieben Callenberger Ortsteile kein einziges registriertes Rauschgiftdelikt gegeben. Insgesamt liegt die Kriminalität im Gemeindegebiet ein Drittel unter dem Durchschnitt des Verantwortungsbereiches der Polizeidirektion Zwickau. "Im ländlichen Raum funktionieren die sozialen Struk- turen eben noch." Zu dem Fazit kam jetzt Polizeipräsident Conny Stiehl.

Zwickaus oberster Gesetzeshüter untermauerte das bei einem Besuch im Callenberger Gemeinderat auch mit Zahlen. 2015 gab es im Gebiet 119 Straftaten, 2016 nur 114 und ein Jahr später nur noch 103. 2018 weist die Statistik nur noch 76 registrierte Straftaten aus. Aber: "Bei der Aufklärungsquote lagen wir mal bei 60 Prozent, die beträgt jetzt nur noch 43,4 Prozent."

Möglicherweise eine Folge der seit Jahren kritisierten Personalpolitik des Innenministeriums? Personalabbau sowie das Stillegen von neugebauten Revieren wie in Hohenstein-Ernstthal und Wilkau-Haßlau hätten bei der Bevölkerung eher für Verwirrung statt Vertrauen gesorgt, räumte Stiehl ein.

Jetzt will der Freistaat gegensteuern. 1000 Polizisten mehr in Sachsen, insgesamt 14.000, seien ein Anfang. Trotzdem sei es nach wie vor ein Kraftakt, jeden Monat in den fünf Polizeirevieren der Direktion einen funktionierenden Dienstplan auf die Beine zu stellen, damit rund um die Uhr die Streifenwagen - vier in Zwickau und je drei in Werdau, Glauchau, Plauen und Auerbach - besetzt werden können. "Mit qualifiziertem Nachwuchs wird es auch bei unserer Behörde langsam dünne", sagt Stiehl. Und das Durchschnittsalter der Beschäftigten bei der Polizeidirektion liegt bei über 50 Jahren. Mit 1000 Polizisten und 200 Tarifbeschäftigten ist die Polizeidirektion Zwickau die kleinste in Sachsen. Ihr Zuständigkeitsbereich erstreckt sich jedoch von Bad Brambach bis Limbach-Oberfrohna.

Der Polizeipräsident hat ein erklärtes Ziel: verloren gegangenes Vertrauen in die Polizei wieder herstellen, Bürgernähe zeigen. Und die "Marke Bürgerpolizist" besser etablieren. "Den ABV kannte jeder, den Bürgerpolizist niemand. Da ist Callenberg die rühmliche Ausnahme. Frank Michael Klaua ist hier bekannt wie ein bunter Hund", sagt Stiehl. "Vielleicht bin ich wegen meines Alters ein bisschen altmodisch. Aber der Schutzmann um die Ecke als Ansprechpartner für die Bürger, das schafft Vertrauen." Stiehl selbst will sich in so vielen Kommunen wie möglich persönlich sehen lassen, die Probleme darstellen, Kontakte knüpfen, für Verständnis auf beiden Seiten werben. "Wir können alle voneinander lernen", sagt er.

Aus Stiehls Sicht muss vor allem im Bereich des Reviers Glauchau Kontinuität hineingebracht werden. "Das Revier ist im Laufe der Jahre gebeutelt worden. Die Zuständigkeiten wechselten mehrmals von Zwickau nach Chemnitz und wieder zurück." Die Bürger will der Polizeipräsident vor allem dahingehend ermutigen, auch mal die 110 zu wählen, wenn ihnen etwas nicht rechtens erscheint. Einen Hinweis gibt er trotzdem: "Seien Sie freundlich, denn jeder Anruf unter dieser Nummer wird zwangsaufgezeichnet."

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