900.000-Euro-Radweg verkommt zur Schotterpiste

Baupfusch, Planungsfehler oder zu wenig Pflege? Fakt ist: Die sanierte Strecke im Preßnitztal wurde erst Ende 2013 eingeweiht. Doch schon jetzt weist der Belag Schäden auf - wie vorher befürchtet.

Großrückerswalde.

Grobe Oberfläche, grobe Steine, loser Belag - der Preßnitztalradweg gleicht einer Schotterpiste, ärgert sich Großrückerswaldes CDU-Fraktionsmitglied Simon Hielscher. Bauamtsleiter Thomas Hermann bestätigt: "Die Feinbestandteile sind auf allen Abschnitten ausgespült." Dabei ist die Strecke entlang der ehemaligen Bahntrasse erst vor wenigen Jahren komplett saniert worden. Doch wer hat Schuld an der Misere?

Nachdem zunächst der Weg und anschließend 15 Brücken über den Preßnitzfluss erneuert worden waren, konnte Bürgermeister Jörg Stephan (CDU) die rund 6,5 Kilometer lange Strecke im Dezember 2013 symbolisch eröffnen. Mehr als 900.000 Euro wurden investiert. Die Gemeinde zahlte fast 120.000 Euro Eigenmittel für das geförderte Projekt. "Der Radweg hat uns viel Geld gekostet. Und nun sieht er unter aller Sau aus", sagt Simon Hielscher. "Was uns versprochen wurde, ist nicht gehalten worden."

Der Volksvertreter deutet damit Baupfusch oder Planungsfehler an. Fakt ist, dass sich Verwaltung und Planungsbüro gemeinsam für eine sandgeschlämmte Schotterdecke als Belag entschieden hatten. Der Gemeinde war zudem bekannt, dass für diese Variante Pflege notwendig ist. "Derartige Deckschichten können nur durch eine einmal jährlich durchzuführende Unterhaltung in ihrer Qualität gesichert werden", erläutert Bauamtsleiter Hermann. Dem seien die Bauhofmitarbeiter auch nachgekommen. Hauptsächlich für den Radweg kaufte die Gemeinde 2015 obendrein ein entsprechendes Pflegegerät.

Trotzdem seien die Korngrößenverteilung der Deckschicht und das darin enthaltene Bindemittel nicht optimal, nennt Hermann den Grund für die Schäden. Bei einem möglichen Verfahren wegen Bau- oder Planungsfehlern sehe er trotzdem ganz geringe Erfolgsaussichten.

Kathleen Zimmermann, Geschäftsführerin des für den Bau zuständigen Unternehmens, weist jede Schuld von sich: "Der Radweg ist so ausgebaut worden, wie es Gegenstand des Auftrags war. Es gab keine Beanstandung, keine versteckten Mängel. Wir haben alle erforderlichen Nachweise erbracht, und der Radweg wurde abgenommen." Allerdings, betont Zimmermann, habe es bereits während des Baus Gesprächsbedarf über die Auswahl des Belags gegeben - unter anderem unter Anwohnern.

Ein Leser der "Freien Presse" wandte sich noch vor dem Start der Sanierung an die Redaktion, kritisierte in seinem Schreiben ebenfalls, dass der Belag falsch gewählt worden sei. "Es ist absehbar, dass in ein paar Jahren der Radweg erneut in einen Zustand verfällt, dem die Bezeichnung Radweg nicht gebührt", schrieb der Annaberg-Buchholzer. Er sei enttäuscht, dass aus dem vor der Erneuerung schlechten Zustand keine Rückschlüsse bei der Wahl gezogen wurden und erneut mit einen sandgeschlämmten Belag gearbeitet werden soll.

Tatsächlich war während der Planung zunächst auch eine Asphaltschicht im Gespräch. Die Gemeinde habe sich aber in erster Linie aus Naturschutzgründen dagegen entschieden, erklärt Thomas Hermann: "Außerdem handelt es sich beim Preßnitztalweg um einen kombinierten Rad- und Wanderweg. Eine Ausführung beispielsweise in Bitumen macht den Weg für Wanderer sehr viel weniger attraktiv."

Die Gemeinde plant nun, die Schäden entlang der Strecke auszubessern. Dazu sollen feinkörniges Material und Bindemittel eingearbeitet werden. "Wir testen verschiedene Materialien auf kurzen Streckenabschnitten", sagt Hermann. Wann die Ausbesserungsarbeiten erfolgen und was sie kosten, dazu konnte der Diplomingenieur und Architekt keine Angaben machen.

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1Kommentare
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  • 2
    0
    fnor
    08.08.2017

    Der Schotter hat seine Tücken, so hat er bei mir schon einen platten Reifen verursacht. Der Radweg ist aber allgemein in keinem schlechten Zustand. Der Schotterbelag stört mich nicht, da sind einige Waldwege und die parallel verlaufende Straße teils wesentlich schlechter. Allerdings ist er nicht als kombinierter Fuß- und Radweg geeignet. Er ist oft sehr schmal, dass man Fußgänger oder entgegenkommende Radler nur sehr langsam gefahrlos passieren kann. Auch wächst er an einigen Stellen durch Bäume und Gras zu. Da fehlt es an Pflege, die Erde sollte vom Weg geschaufelt werden! Das Hauptproblem ist aber die mangelnde Ausschilderung. Als Ortsfremder finde ich ihn nicht sofort oder weiß nicht, dass ich parallel zur Straße von Steinbach fast bis Wolkenstein komme. Ab Niederschmiedeberg hat er eh so viele Unterbrechungen, dass man fast nur noch die Straße fährt. Dort ist auch ein Negativbeispiel für Asphalt, der so buckelig ist, dass man schon ein vollgefedertes Rad benötigt. Die durchgängige Befahrbarkeit bis Wolkenstein wäre mit persönlich viel wichtiger als einen asphaltierten Weg zu haben. Mit dem Asphalt kommen dann auch Inline-Skater (ich auch) und dann muss der Weg wesentlich breiter werden, damit alle ihn gefahrlos nutzen können.



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