Architekt im Museumsstreit: "Gestaltung ist gelungen"

Interview: Volker Benedix erläutert die Gestaltungsidee, die er mit dem Planungsbüro Phase 10 für den neuen Eingangsbereich gegenüber dem Dom entwickelt hat

Freiberg.

Der Freiberger Stadtrat hat den Bau eines neuen Eingangsportals für das Stadt- und Bergbaumuseum beschlossen. Steffen Jankowski sprach mit Architekt Volker Benedix über dessen Pläne.

Freie Presse: Ihr Entwurf hat viel Kritik geerntet ...

Volker Benedix: Ich finde es gut, dass über meine Arbeit geredet wird. Als Fachmann kann ich sagen - ohne überheblich sein zu wollen -, dass die Gestaltung gelungen ist. Das bedeutet aber nicht, dass sie jedem gefallen muss.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, wovon haben Sie sich inspirieren lassen?

Die Lücke am Museum ist nicht einfach zu bebauen, und der hohe Anspruch an dieser Stelle ist mir bewusst. Zuvor war ein Glasbau vorgeschlagen worden. Aber der ist durchgefallen - auch weil zu viel Licht für die Exponate nicht gut ist. Meine Antwort ist ein Steingebäude. Vielleicht hatte ich unbewusst im Hinterkopf auch das Bild der Trinity Church, die ich an der Wall Street in New York gesehen habe. Die Kirche ist von Wolkenkratzern umrahmt.

Kommt daher auch die sakrale Anmutung Ihres Entwurfs?

Das ist doch genau der Geist des Ortes. Gegenüber steht der Dom, das Museum gehört zu den einstigen Domherrenhäusern. An Feinheiten wie den Fenstern wird noch gearbeitet. Aber die Grundidee bleibt bestehen. Ansonsten mache ich das Projekt nicht.

Zu den Domherrenhäusern gehört auch das Haus Am Dom 2. Der Altertumsverein hat angeregt, das Nachgebäude mit für das Museum zu nutzen.

Ich weiß, dass es Diskussionen um den Verkauf der beiden Häuser Am Dom 2 und 3 gibt. Aber die Stadt würde sie auch nur an die Städtische Wohnungsgesellschaft veräußern, hätte also weiterhin Zugriff. Dort lassen sich auch keine Wohnungen reinbasteln. Der ganze Grundriss, die reich profilierten Renaissance-Decken, der Sandstein-Wendelstein und vieles mehr prädestinieren die Räume für eine öffentliche Nutzung, vielleicht als Gästehaus der Bergakademie.

Lässt Ihr Entwurf die Einbindung des Hauses Am Dom 2 zu?

Ja. Aber das war nicht Teil der Aufgabenstellung. Die endet an der Grundstücksgrenze. Ich bin hier als freier Architekt tätig geworden. Und da bestimmt der Auftraggeber - in diesem Fall die Stadtverwaltung -, was geplant werden soll.

Warum wurde kein Architektenwettbewerb ausgelobt?

Als langjähriger Präsident der Sächsischen Architektenkammer weiß ich, dass solche Wettbewerbe gute Architektur befördern. Mit Preisgeldern und Jurykosten kommen aber schnell 100.000 bis 150.000 Euro zusammen. Das will bei einem Zwei-Millionen-Euro-Bau überlegt sein.

Wie geht es jetzt weiter?

Die weitere Planung muss ausgeschrieben werden, weil sie mehr als 200.000 Euro kosten wird. Wir hoffen natürlich, dass wir den Zuschlag bekommen - in dem Entwurf steckt schon viel Arbeit von uns.

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