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Edgar Hüttinger wird über die Feiertage zum letzten Mal die große Modellbahnanlage in Hohenfichte zeigen.

Foto: Knut Berger

Der Zug endet hier

Eine halbe Million Euro und unzählige Stunden Arbeit stehen in der Anlage der Zeitreise Hohenfichte. Morgen ist Schluss.

Von Knut Berger
erschienen am 30.12.2017

Hohenfichte. Edgar Hüttinger kapituliert. Morgen fahren zum letzten Mal die Züge auf Sachsens größter Modellbahnanlage in der ehemaligen Baumwollspinnerei Hohenfichte. Fahrdienstleiter Edgar Hüttinger kapituliert vor den Brandschutzauflagen: "Ich werde im Januar den Schlüssel herumdrehen. Auch die Fahrzeugausstellung, die sich im Gebäude befindet, wird dann nicht mehr zugänglich sein."

Die Zeitreise GmbH ist Edgar Hüttingers Leidenschaft. Tausende Stunden Arbeit und eine halbe Million Euro stecken in der Anlage, die an die 1000 Quadratmeter einnimmt. Das Problem: Seit acht Jahren rollten die Züge im historischen Gebäude, Baujahr 1888, ohne genehmigtes Brandschutzkonzept. Doch das fordert nun das Landratamt.

"Die Umsetzung dieser Auflagen würden mich mehrere Zehntausend Euro kosten", schätzt Edgar Hüttinger. "Natürlich ist mir klar, dass der Brandschutz nicht vernachlässigt werden darf. Ich war gesprächsbereit." Sein Blutdruck steigt, wenn er an die Forderungen denkt. Trockenbauarbeiten dürften nur von zertifizierten - und damit deutlich teureren - Fachfirmen ausgeführt werden. Kostenintensive Gutachten und Prüfungen seien ebenfalls gefordert.

"Diese Kosten trage ich nicht", sagt der Modellbahner. Allein um eine zeitlich beschränkte Genehmigung für einen weiteren öffentlichen Fahrbetrieb zu erhalten, müsse er rund 12.000 Euro berappen. "Ich habe das Gefühl, dass manche denken, dass es mir durch den Eintritt die Dukaten in Größenordnungen in die Kasse spült. Aber jeder, der klar bei Verstand ist, weiß, dass mit so einer Anlage kein Geld zu verdienen ist", sagt Hüttinger.

Seit 2009 sind seinen Angaben zufolge 30.000 Besucher gezählt worden. Diese zahlten 4 Euro Eintritt. Das Geld wurde Hüttinger zufolge sofort in die Anlage investiert, auf der 120 Züge auf knapp vier Kilometern Gleis fahren. Auch das Personal musste bezahlt werden. Der Bastler ist empört. "Wenn ich mir 400 Bekannte gleichzeitig einlade und mit ihnen die Züge fahren lasse, stellt das aus Sicht der Behörde kein Problem dar. Eine fremde vierköpfige Familie muss ich aber wegen des fehlenden Brandschutzkonzeptes wieder nach Hause schicken." Er fühle sich auch von der Gemeinde im Stich gelassen. "Das kommunalpolitische Interesse für die Anlage scheint mir gegen null zu gehen."

Das will Leubsdorfs Bürgermeister Dirk Fröhlich (CDU) so nicht stehen lassen. In den vergangenen Jahren habe es gemeinsame Termine gegeben. "Daran nahmen insbesondere mein Vorgänger Ralf Börner und Vertreter des Bauamtes des Landratsamtes teil. Dabei wurde nach Lösungsansätzen gesucht, und solche wurden auch gefunden. Doch diese wurden schließlich durch Herrn Hüttinger nicht umgesetzt", antwortet Fröhlich.

Die Gemeinde hätte viel Geduld gezeigt, versicherte er. Dass die Signale nun dauerhaft auf Rot gestellt werden sollen, bedauere er sehr, sagte der Bürgermeister. Doch das Gesetz lasse keinen Spielraum mehr. Es liege hier eine Nutzungsänderung vor. Da müsse das aktuelle Baugesetz - und damit auch die neuen Brandschutzvorschriften - zwingend umgesetzt werden. "Denn jeder Opa, der mit seinen Enkeln die Anlage besucht, soll im Fall der Fälle auch sicher aus dem Gebäude gelangen. Und dazu müssen die Vorschriften umgesetzt werden", sagt Dirk Fröhlich.

Hüttinger kontert: Er habe 2006 nach dem Kauf der Immobilie keinen Cent an Fördermitteln oder Subventionen erhalten oder beantragt. "Dennoch habe ich dafür gesorgt, das Areal zu erhalten und teilweise zu sanieren." Für ihn steht fest, dass die Anlage den Freistaat verlassen wird. Zwei Kaufangebote lägen ihm vor. Aus Bayern und dem Nordwesten der Republik.

Die Modellbahnanlage in Hohenfichte, Fabrikweg 1, ist heute von 10 bis 18 Uhr und morgen von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

 
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