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Größte Stadt zwischen Elbe und Saale: Historiker André Thieme erklärt Freibergs Geschichte.

Foto: Eckardt MildnerBild 1 / 5

Die Erfolgsformel einer berauschten Stadt

Silber, Innovationen und Verbindungen in alle Welt: Zum offiziellen Festakt des Silberrausch-Jahres haben Kenner der Bergstadt Erfolgsfaktoren erörtert.

Von Cornelia Hennersdorf
erschienen am 12.06.2018

Freiberg. Offenheit, Geschäftssinn und die Fähigkeit, nach einer Krise aufzustehen und mit neuen Ideen wieder vorn mitzuspielen - das sind drei Stärken, die den Freibergern zugeschrieben werden und die die Bergstadt zu dem gemacht haben, was sie heute ist. Erfolg: Das Thema zog sich wie ein roter Faden durch die Festreden, die gestern Vormittag zum Auftakt in den Silberrausch gehalten worden sind. Gut 300 Gäste, die in und um Freiberg Rang und Namen haben, waren der Einladung in die Nikolaikirche gefolgt. Denn am 11. Juni vor 800 Jahren ist der Ortsname "Friberch" erstmals erwähnt worden. Die Urkunde ist nun im Rathaus ausgestellt. Doch was macht den Erfolg der Bergstadt aus?

Der Historiker: "An Selbstbewusstsein hat es den Freibergern nie gefehlt", sagte André Thieme. Er leitet den Bereich Museen der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen und ist ein ausgewiesener Geschichtsexperte. "Nach dem Silberfund entwickelte sich Freiberg zur größten und reichsten Stadt zwischen Elbe und Saale." Die Bergleute seien selbstbewusst gegenüber der feudalen Ordnung und offen für Bildung gewesen. Auch während der Silberkrise im späten 14. Jahrhundert, als Freiberg in die zweite Reihe hinter Leipzig rückte, blieb die Stadt "das Innovationsbüro in Sachsen", so Thieme. Und als Freiberg 1765 wirtschaftlich am Boden lag, wurde die Bergakademie gegründet. "Die Stadt hat sich immer wieder neu erfunden. Heute steht sie als Marke für den Silberbergbau", betonte er.

Die Autorin: "Geschichte ist ein widerborstiges Ding. Doch man kann sie nicht einfach unter den Teppich kehren, sondern man muss sich mit ihr auseinander setzen", sagte Bestsellerautorin und Stadtschreiberin Sabine Ebert. Sie kennt die frühe Geschichte der Stadt genau; mit der "Hebammen-Saga" hat sie den Freiberger Gründungsmythos weltbekannt gemacht. Neben dem Silberfund von 1168 seien ihre Bücher ein zweiter großer Glücksfall für die Stadt und "millionenfach Werbung, die keinen Cent kostet", sagt sie.

Das Stadtoberhaupt: Für Oberbürgermeister Sven Krüger (SPD) ist Erfolg eine Formel aus Variablen wie Reichtum, Wissen und Forschung, aber auch Verbindungen und Kontakte. "Wir waren und sind niemals abgekapselt von der Welt", betonte er. "Das Silber wurde genutzt, um mit der Welt in Kontakt zu treten", so der OB weiter. So kamen die ersten Siedler aus Franken, die Studierenden dann später aus Preußen, Russland und heute von allen Kontinenten. Der Erfolg wirke sich auf alle Freiberger aus, mit mehr als 830 Unternehmen, die Gewerbesteuer zahlen, 20.500 Arbeitsplätzen und einer geringen Arbeitslosenquote.

 
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