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Pater Maurus, der Prior des Benediktinerklosters Wechselburg, in der Bibliothek.

Foto: Mario Hoesel

Echt als Mönch und Mensch

Man kennt sie aus der Zeitung und aus dem öffentlichen Leben. Für die "Freie Presse" zeigen Macher aus Mittelsachsen ihre private Seite. Heute: Pater Maurus Kraß, Prior des Benediktinerklosters in Wechselburg.

Von Babette Philipp
erschienen am 09.09.2017

Wechselburg. Als sein zweites Zuhause, die Wohnung, die er mit sich, eher an sich trägt, bezeichnet der große kräftige Mann seine schwarze Kutte. Er trägt den Habit, wie das Kleidungsstück korrekt heißt, seit seinem 20. Lebensjahr - als er 1979 ins Benediktinerkloster im bayrischen Ettal eintrat. Aus Thomas Kraß wurde der Mönch Maurus.

"Man kann Vorschläge unterbreiten für den Name, den man künftig tragen möchte. Letztlich entscheidet der Abt. Mit Maurus ging mein Wunsch in Erfüllung. Er war der erste Schüler des heiligen Benedikt, dem Gründer des Benediktinerordens", erklärt der Pater, der viele Jahre im Kloster Ettal wirkte und dort zuletzt Leiter des Gymnasiums war. Seit 2012 ist er einer der vier im Kloster Wechselburg lebenden Mönche. Als Prior leitet er die kleine Gemeinschaft und ist dafür zuständig, alles Organisatorische zu klären. So hat er sich in den vergangenen Jahren unter anderem mit viel Engagement, Wissen und Ideen in die Sanierung des Torhauses eingebracht. Entstanden sind dort Ferienwohnungen - modern, hell und rege genutzt von Besuchern jeden Alters.

Diese fahren nach einiger Zeit wieder weg, für Pater Maurus bleibt das Kloster sein Zuhause. Warum er es gewählt hat? Aufgewachsen in einer katholischen Familie, war er schon früh in der Kirche aktiv, leitete auch eine Jugendgruppe. "Ein paar Stunden in der Woche genügten mir nicht mehr. Ich suchte eine Gemeinschaft von Menschen, die den Glaube gemeinsam leben, tagtäglich", sagt er. Ein Leben im Glauben und doch weltoffen, das habe er sich gewünscht und bekommen. "Ich hatte mir beim Eintritt ins Kloster nicht vorgestellt, so vielen spannenden Menschen zu begegnen."

Umgekehrt ist es für andere spannend, Pater Maurus zu begegnen. "Sind Sie echt?", werde er nicht selten gefragt, wenn er beispielsweise bei einem Spaziergang durch den Wechselburger Park Wanderer treffe. "Die meinen wohl, ich komme von einem Mittelalterfest. Es ist immer interessant, mit ihnen ins Gespräch zu kommen", sagt der 58-Jährige. Es gebe nur wenige Situationen, in denen er den Habit nicht trägt. Zum Beispiel bei einem seiner Hobbys. "Ich gehe zwei Mal in der Woche ins Fitnessstudio. Da habe ich ganz normale Sportkleidung an. Beim Einkaufen trage er ebenfalls Alltagskleidung. "Einem Mönch schaut jeder derart ungeniert in den Wagen, dass ich das lieber ohne Habit erledige", erzählt er. Blue-Jeans besitze er zwar nicht, "aber derbe Hosen in Braun und Beige zum Wandern", ebenfalls ein Hobby von ihm. Und was trägt ein Mönch unter dem Habit? "Im Sommer Sporthosen und Shirt, im Winter wärmere Sachen, also einen Pullover", klärt er die Frage so unkompliziert wie er das ganze Gespräch über ist: ein freundlicher, in sich ruhender Mensch, mit einem Lächeln im Gesicht, das nur selten weicht. Dann, wenn er nachdenkt, versucht, seine Gefühle, seine Beweggründe für das Leben, das er führt, und was es ihm gibt, zu formulieren. Und gerade er, der freiwillig neben persönlichem Besitz auch auf die Ehe verzichtet, vergleicht das Leben in der Klostergemeinschaft mit einer Partnerschaft. "Jeder Mensch hat ein gewisses Potenzial an Vertrauen, das er geben und empfangen kann. In einer Ehe ist das für den Partner bestimmt, bei uns Mönchen für jeden Menschen, der es braucht", erklärt der Geistliche. Er erlebe sein Leben "mit und für so viele andere als enorm erfüllend".

Dabei betont er, zwar hinter Mauern, aber nicht hinter dem Mond zu leben. Das heißt bei weitem nicht nur, dass Computer, Handy und Co. Einzug gehalten haben ins Kloster. "Vor Kurzem war ein rein weltlicher Arbeitskreis bei uns zu Gast. Mitglieder haben das Kloster als ein Zentrum für eine Reise nach innen bezeichnet. Ich empfinde das so, aber wenn das andere auch so sehen, ist das genial. Die Pforten stehen offen für Christen und Atheisten." So erlebt er es auch bei der Arbeit als Priester und Seelsorger. "Es kommen auch nicht gläubige Menschen, denen ich in Lebenskrisen zur Seite stehe."

Die Fähigkeit, anderen Menschen Vertrauen zu schenken, für sie zu sorgen, fühle er in sich und sehr gefordert. "Das macht mich glücklich." Sein Blick hat dabei wieder diese Seligkeit und Wärme, die vermittelt, dass er seinen Weg gerade, mit Herz und gern geht.

Mittendrin Teil 45 stellt Jörn Hänsel, Darsteller vom Verein "Mittelsächsischer Kultursommer", vor. Alle Porträts im Internet.

www.freiepresse.de/mittendrin

 
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Echt als Mönch und Mensch
"Suche den Frieden und jage ihm nach"
 
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