Junge Pfleger aus Vietnam: Hoffnung und Ernüchterung

Im Kampf um Personal wagen sich mittelsächsische Firmen auf internationales Parkett. Die Betriebe brauchen sie. Jedoch ist die Integration schwerer als gedacht.

Freiberg.

Die deutsche Sprache ist ein Problem. Aber ansonsten haben die 18 jungen Vietnamesen, die im Mai 2015 aus Hanoi nach Mittelsachsen kamen, einen guten Stand. Derzeit durchlaufen sie eine Ausbildung in Pflegeheimen, im Krankenhaus und in anderen Unternehmen. Mit dem Einsatz der Asiaten will der Landkreis dem Fachkräftemangel entgegensteuern.

Jetzt hat der Freiberger Berater Egbert Hebert 23 weitere junge Vietnamesen nach Deutschland geholt. Ein Teil von ihnen stammt aus der vietnamesischen Provinz Thanh Hóa, der Partnerregion des Landkreises Mittelsachsen. Die zwölf Frauen und elf Männer absolvieren gerade einen neunmonatigen Sprachkurs in Plauen. Später sollen sie größtenteils in Mittelsachsen eingesetzt werden.

Thomas Münch, der Geschäftsführer des Pflegedienstleisters Stiftung Münch mit Sitz in Neuhausen, will erstmals vietnamesische Azubis einstellen. "Die Verträge mit den drei Frauen und drei Männern sind geschlossen", sagt er. "Es ist ein Versuch." Hintergrund für die Entscheidung sei der Fachkräftemangel. "Wir haben Schwierigkeiten, in dieser strukturschwachen Region Azubis zu bekommen", so Münch.

Der ehemalige Landrat Volker Uhlig (CDU), der auch die Region Thanh Hóa besuchte und Chef des Stiftungsrates der Münch-Stiftung ist, habe den Kontakt angebahnt. Die sechs Vietnamesen werden in den beiden Saydaer Pflegeheimen arbeiten und Personalwohnungen im Ort beziehen.

Münch sprach über den Einsatz der Asiaten auch mit Steffen Köcher, dem Geschäftsführer der Seniorenheime Freiberg. Denn in deren Haus "Johanna Rau" in Friedeburg sind bereits drei Vietnamesen im Einsatz. Wegen der Sprachprobleme kümmerte sich die Heimleitung um zusätzlichen Deutschunterricht. Lehrerin Ruth Kretzer-Braun betreut die drei Azubis aus Asien. Ähnlich soll es auch bei der Münch-Stiftung laufen. Laut Münch wird eine ehemalige Lehrerin aus Mulda, die derzeit als Pflegerin im Heim arbeitet und im November in den Ruhestand geht, zweimal wöchentlich Unterricht geben. "Denn die Sprache ist gerade bei Menschen, die schlecht hören und sehen, sehr wichtig", sagt Münch.

Auch das Rochsburger Seniorenheim "Schlossblick" greift auf den Personalpool aus Vietnam zurück. Zwei 21-jährige Frauen lernen seit einem Jahr den Pflegejob - und zwei weitere stehen in den Startlöchern. Nach einem Drittel der Lehrzeit sagt Geschäftsführerin Birgit Völkel-Egerland: "Die alltägliche Arbeit funktioniert, die Bewohner nehmen die neuen Mitarbeiterinnen gut an."

Allerdings seien Kommunikation und Verständnis aufgrund der Sprachbarriere trotz zusätzlicher Sprachkurse nach wie vor beeinträchtigt. "Die Integration ist daher schwieriger als anfangs gedacht", konstatiert die Pflegemanagerin.

Selbst der vorhandene medizinische Berufsabschluss aus Vietnam reiche im Joballtag nicht aus. Ob die vietnamesischen Arbeiter künftig eine Antwort auf die größer werdenden Personalsorgen in der Pflege sein können, könne Völkel-Egerland daher erst nach Abschluss der dreijährigen Ausbildung sagen.

Die ersten Vietnamesen wohnten während ihres Deutschkurses im Internat des Fachschulzentrums Freiberg-Zug. Berater Hebert hatte für den neuen Durchgang zunächst eine Absage erhalten, weil in dem Wohnheim minderjährige Asylsuchende untergebracht sind. "Als ich dann doch das Okay bekam, hatte ich schon eine andere Lösung gefunden", sagt er. Nun absolvieren die Asiaten eine Sprachausbildung bei der Fördergesellschaft für berufliche Bildung Plauen-Vogtland. Die ersten Vietnamesen hatten nur vier Monate Deutschunterricht. Einige von ihnen werden länger als drei Jahre für die Ausbildung brauchen. Die Neuzugänge lernen neun Monate lang Deutsch. (mit scf)

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