Kreuze für ein breites Kreuz

Ohne das langjährige Tun der Leiterin des Frauensteiner Silbermannmuseums und des Freiberger Oberberghauptmanns wäre die Region um einiges ärmer. Heute werden beide in Dresden geehrt.

Frauenstein/Freiberg.

Wenn Giesela Müller und Professor Reinhard Schmidt heute in Dresden den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland erhalten, wird in der jeweiligen Laudatio vieles anklingen, wofür sie in ihrem Berufsleben standen. Und so unterschiedlich ihr Engagement auch gewesen ist - eines haben beide gemeinsam: Sie haben jeder an seinem Platz dafür gesorgt, dass Freiberg und Frauenstein national und international bekannter geworden sind.

Giesela Müller kam 1993 aus Leipzig nach Frauenstein - eigentlich, um Urlaub zu machen. Die junge Frau hatte damals gerade ihren Studienabschluss als Metallurgie-Ingenieur in der Tasche. In Frauenstein besuchte sie das Museum im Schloss, damals noch Heimatmuseum mit einer kleinen "Ecke" über den berühmten Orgelbauer Gottfried Silbermann. Werner Müller - der damalige Leiter und Silbermann-Forscher - sollte ihr Schwiegervater werden. 1977 fing sie selbst im Museum an zu arbeiten. So bekam sie Stück für Stück Einblick in die Forschungen. Als sie 1991 die Museumsleitung übernahm, hatte sie Pläne. "Der Höhepunkt war die Heimkehr der Orgel", erinnert sich die heute 70-jährige Giesela Müller.

Ihrer Hartnäckigkeit ist es unter anderem zu verdanken, dass Frauensteins Silbermannmuseum 1994 die Kopie jener Silbermannorgel erhielt, deren Original in der Krypta des Bremer Domes steht. Der Dresdner Orgelbauer Kristian Wegscheider baute das Instrument - den Großteil der Kosten warb Giesela Müller über Spenden ein. Im gleichen Jahr rief sie die Konzertreihe der Frauensteiner Orgeltage ins Leben, die bis heute bekannte Organisten und Musiker nicht nur aus Deutschland ins Museum führt. Bis zu ihrem Ruhestand 2012 erweiterte und gestaltete sie die Ausstellung umfangreicher und moderner. "Das Museum ist etwas, das den Namen Frauenstein in der Welt bekannt gemacht hat", sagt Professor Andreas Schröder, international bekannter Organist aus Karlsruhe.

Professor Reinhard Schmidt wollte schon als Junge Oberberghauptmann in Freiberg werden, wie er erzählt. Seiner Familie entstammen über Generationen Berg- und Hüttenleute - und ehrenvoller als der Oberberghauptmann im niedersächsischen Clausthal erschien dem ebenfalls studierten Bergmann nur der Freiberger. So kam er 1989 - damals Mitarbeiter im Umweltministerium in Bonn - erstmals in die sächsische Stadt. Ein Bergamt hatte es hier insgesamt 775 Jahre - bis 1946 - gegeben. Reinhard Schmidt setzte seine Kraft daran, es wieder zu eröffnen. Es gelang ihm, die oberste Bergbehörde Sachsens nach Freiberg zurückzuholen - im Dezember 1991 wurde sie in der Kirchgasse wieder eröffnet. "Wir haben die Behörde von null an aufgebaut. Aus mehr als 1000 Bewerbungen wurden schließlich 130 Mitarbeiter eingestellt - fabelhafte Fachleute", denkt der heute 71-Jährige zurück. Auch der Aufbau von Bergämtern in Vietnam, Moçambique, Afghanistan und der Mongolei ist zum Großteil sein Verdienst.

Zu den umfassendsten Aufgaben zählt der frühere Oberberghauptmann die Altbergbausanierung wie die Sanierung der Uran- und Braunkohlebergwerke aus DDR-Zeiten. "Das waren die größten Umweltprojekte weltweit - realisiert mit Genehmigung des Oberbergamtes und der Bergämter", sagt er. Seit 1996 lehrt Reinhard Schmidt zudem Bergrecht und Bergbausicherheit an der TU Bergakademie.

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