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Der Peniger Peter Lorenz muss seinen Posten als Kreiselternrat-Chef morgen abgeben.

Foto: Mario Hoesel

"An Oberschulen gibt es viel Potenzial"

Der scheidende Kreiselternrat-Chef Peter Lorenz fordert neue Lösungen beim Schülerverkehr und Flexibilität, um Stundenausfall zu vermeiden

erschienen am 24.10.2017

Penig. Sieben Jahre lang hat sich der Peniger Peter Lorenz in Mittelsachsen für guten Unterricht, die Förderung der Kinder und Jugendlichen und den Dialog zwischen Eltern und Lehrern eingesetzt. Morgen Abend wird ein neuer Kreiselternrat-Chef gewählt. Über die Herausforderungen in der Bildung, vor denen sein Nachfolger steht, hat Franziska Pester mit dem 56-Jährigen gesprochen.

Freie Presse: Herr Lorenz, wie steht es um Schulen und Bildung in Mittelsachsen?

Peter Lorenz: Wir haben fantastische Schulen und gute Lehrer, auch wenn sie mitunter schon hochbetagt sind. Es ist gelungen, in den vergangenen Jahren den Anteil der Schulabgänger, die ohne Abschluss die Schule verlassen, von 11,2 auf 9,1 Prozent zu senken. Die Ober- und Förderschulen engagieren sich da sehr. Zudem haben wir im Landkreis sehr wirkungsvolle Kooperationen zwischen Eltern, Schulen und der Wirtschaft, die dabei helfen, unseren Kindern Wege für ihre Zukunft aufzuzeigen. Aber es gibt natürlich auch Probleme. Da denke ich an weite Schulwege, Schulschließungen und Lehrermangel.

Stichwort weite Schulwege: Klagen über Probleme beim Schülerverkehr gibt es immer wieder.

Das stimmt. Während meiner Zeit im Kreiselternrat haben wir über 200 Fälle zu dem Thema bearbeitet. Entscheidend für die Bildungsarbeit im Landkreis ist die Mobilität der Kinder. Der öffentliche Personennahverkehr muss künftig anders geregelt werden. Es kann nicht sein, dass den ganzen Tag leere Busse rumfahren, die Busse aber zu den Schulfahrzeiten dann überfüllt sind. Da ist es der verkehrte Weg, die Bürger nur aufzufordern, mehr öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Bei der Anbindung von Dörfern an die Städte muss es Veränderungen geben. Aus meiner Sicht geht es nur, wenn man mit den Bürgermeistern und den Kreisräten überlegt, wie man Mobilität für alle Generationen schaffen kann. Man darf das Thema nicht komplett an den Verkehrsverbund Mittelsachsen abgeben. Die Einführung eines Bildungstickets, das es allen Kindern für wenig Geld ermöglicht, alle öffentlichen Verkehrsmittel sachsenweit zu nutzen, ist auch daher dringend notwendig.

Sie sprachen den Lehrermangel an. Welcher Weg führt Ihrer Meinung nach aus dem Dilemma?

Der Lehrermangel ist eine Baustelle, die der Freistaat fabriziert hat und mir kann keiner sagen, dass man die Entwicklung nicht vorhersehen konnte. Jetzt muss man die Wut runterschlucken und umdenken. Wir brauchen größere Entscheidungsfreiheit für die Schulleiter und mehr Kompromissbereitschaft bei den Eltern. Es muss möglich sein, die Stundentafeln flexibler zu gestalten. Wenn ein Fach ein halbes Jahr ausfällt, weil kein Lehrer verfügbar ist, ist das nicht änderbar und muss dennoch gelöst werden, indem man beispielsweise andere Fächer und andere Unterrichtsformen - auch Praxisunterricht statt Unterrichtsausfall - anbietet und später den verlorenen Stoff nachholt. Wir brauchen die Flexibilität. Am Ende ist entscheidend, dass die Kinder berufsschul- oder studierfähig sind.

Wie kann man mehr junge Menschen dafür begeistern, den Beruf des Lehrers zu ergreifen?

Derzeit werden nur in Dresden und Leipzig Lehrer für alle Schularten ausgebildet. Die wenigen Grundschullehrer, die an der TU Chemnitz ausgebildet werden, fallen nicht ins Gewicht. Ich glaube, Lehramtsstudenten interessieren sich in erster Linie für eine Stelle an einem Gymnasium, weil sie nur diese Schulart kennen und glauben, dass Ober- oder Förderschulen nur aus schwierigen Klientelen bestehen. Ja, Oberschulen sind mit allen Problemen behaftet, die eine Schule haben kann. Dort spielen die Themen Inklusion und Migration eine große Rolle, dort lernen Kinder, die es nicht an das Gymnasium geschafft haben und Kinder, denen es an der Oberschule schwer fällt, den Lehrstoff zu bewältigen. Aber genau diese Kinder brauchen eine besonders gute Bildung und es muss als eine schöne Aufgabe gesehen werden, hier lehren zu dürfen. Ich plädiere daher dafür, dass es für Lehramtsstudenten verpflichtend ist, ein Praktikum an einer Oberschule im ländlichen Raum zu absolvieren. Denn an den Oberschulen gibt es neben den Problemen auch sehr viel Potenzial, viele engagierte Lehrer und gute Projekte sowie zahlreiche Kooperationen mit Wirtschaft und Handwerk, bei denen den Kindern die Praxis des Berufslebens vermittelt wird.

Die Schulen im Kreis sind größtenteils saniert und modern eingerichtet, Tablet-Computer und Digital-Technik aber noch nicht so verbreitet. Ein Nachteil?

Schule muss sich mit Digitalisierung auseinandersetzen. Das gehört zum Leben dazu und mangelnde Kenntnisse werden den Kindern später auf die Füße fallen. Ich bin ein Befürworter des digitalen Klassenzimmers, glaube aber, dass die Kombination aus klassischen Lernmitteln und moderner Technik entscheidend ist. Dafür ist es wichtig, dass die Schulen entsprechend ausgestattet sind. Damit aber die notwendigen Tablets auch zu Hause zum Üben genutzt werden können, sollen sich die Eltern angemessen beteiligen und als Ausgleich auf den Taschenrechner verzichten. Bei der Bestellung von Klassensätzen wird es möglicherweise auch günstiger für den Einzelnen. So wird sichergestellt, dass alle ein Gerät haben und es wird sozialer Ausgrenzung entgegengewirkt, weil alle das gleiche Tablet haben und nicht jeder ein zweites für zu Hause anschaffen muss.

Sie sind seit 2010 im mittelsächsischen Kreiselternrat aktiv und waren von 2012 bis 2016 im Landeselternrat. Da die jüngste ihrer vier Töchter 18 Jahre alt geworden ist, müssen Sie das Amt abgeben. Welchen Rat geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

Bei der Arbeit im Kreiselternrat sollte man nicht gegen etwas sein, sondern für etwas und sich dafür einsetzen. Es ist eine schöne Aufgabe mit vielen Aspekten, die der Gesellschaft zugute kommen. Wir vom derzeitigen Vorstand sind alle bereit, weiter beratend zur Seite zu stehen.

Sie hatten über Jahre durch die Arbeit im Kreis- und Landeselternrat enge Kontakte zur Politik. Planen Sie, sich nun selbst politisch zu engagieren?

Ich bin 2016 in die SPD eingetreten. Ich habe bei dieser Partei Mitstreiter gefunden, die genauso an positiven Veränderungen interessiert sind, und die Wirtschaft langfristig stärken wollen, wie ich. Mir liegen Kinder schon immer am Herzen und ich halte es für dringend notwendig, dass die Gesellschaft alles dafür tut, damit sie auch in Mittelsachsen und Sachsen bei der hiesigen Wirtschaft ankommen, den Staffelstab übernehmen, wie wir ihn einst von unseren Eltern übernommen haben.

 
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