Sachsens erster Ski-Olympiaheld: Ein Schuhmacher vom Aschberg

Morgen beginnen in PyeongChang die Olympischen Winterspiele. Vor 90 Jahren gab Walter Glaß I aus Klingenthal sein Olympiadebüt. Er verhalf Sachsens Wintersport zu einem Namen.

Klingenthal.

Der Klingenthaler Walter Glaß I (1905-1981), ein Schuhmacher vom Aschberg, kann für sich in Anspruch nehmen, der erste sächsische Teilnehmer bei Olympischen Winterspielen gewesen zu sein. Das war im Februar 1928 in St. Moritz (Schweiz).

Walter Glaß I war damals gerade 22 Jahre alt und hatte innerhalb von nur zwei Jahren dem sächsischen Skisport in Mitteleuropa einen Namen gegeben: 1926 gelang ihm in San Martino di Castrozza (Italien) sein erster internationaler Sieg. 1927 gewann er die Meisterschaften in der Schweiz und Österreich. 1931 wurde Glaß I erneut Meister von Österreich. Außerdem belegte er 1928 bei den Titelkämpfen in der Schweiz Rang drei und wurde 1932 Vizemeister von Tirol.

Vor 90 Jahren in St. Moritz belegte der Klingenthaler in der Nordischen Kombination Platz 15 - nach gerade überstandener Erkältung. Er war damit drittbester Deutscher hinter Ludwig Böck (Nesselwang) und Hans Kröckel (Neuhaus am Rennweg). Der Sieg in diesem Wettkampf war eine Sache der Norweger: Johann Grøttumsbråten gewann vor Hans Vinjarengen und John Snersrud. Es gab nur diesen Wettkampf, der aus zwei Sprüngen und einem 18-Kilometer-Lauf bestand.

Zwei weitere Skisportler aus Sachsen erlebten St. Moritz als Zuschauer: Der Oberwiesenthaler Alfred Lohse war Ersatzmann bei den Langläufern, der Klingenthaler Max Meinhold hatte diese Rolle bei der Militärmannschaft, die an Demonstrationswettbewerben teilnahm.

Die Olympiateilnahme 1932 in Lake Placid (USA) verpasste Walter Glaß I, da der Deutsche Skiverband damals aus finanziellen Gründen auf eine Teilnahme verzichtete. Seine Erfolge waren aber die Grundlage, dass Klingenthal 1929 die Deutsche Meisterschaft ausrichten durfte - als zweite Stadt in Sachsen nach Oberwiesenthal 1911.

1936 in Garmisch-Partenkirchen war mit Kurt Körner zum zweiten Mal in der olympischen Geschichte ein Klingenthaler am Start. Beim Sprunglauf der Olympischen Spiele schrieb er unfreiwillig Geschichte. Er war der bislang einzige Sportler, dessen Weite im Nachgang korrigiert wurde - von 67 auf 70 Meter. Mit Platz 12 war er trotzdem zweitbester Deutscher. Im Anschluss an die Olympischen Spiele startete Körner am legendären Holmenkollen in Norwegen und belegte dort Platz 12. 1937 waren aus Sachsen Kurt Körner und der Johanngeorgenstädter Paul Krauß bei der Weltmeisterschaft in Chamonix (Frankreich) am Start. Weltmeister wurde Birger Ruud, auf Platz 6 kam Paul Krauß, Kurt Körner belegte Platz 15. Die WM fand damals parallel zur Deutschen Meisterschaft in Altenberg statt.

Nur Zuschauer in Garmisch-Partenkirchen wegen einer im Training ausgekugelten Schulter war der Klingenthaler Skispringer Max Meinel, 1935 Achter der Weltmeisterschaft in der Hohen Tatra und Zweiter der Schweizer Springertournee. Meinel ist, wie alle seine deutschen Mannschaftskameraden von 1936, im Krieg gefallen.

Sein Sohn Günter war Nordisch Kombinierter, aber das olympische Pech seines Vaters Max klebte auch ihm an den Latten. Die Spiele 1960 in Squaw Valley (USA) verpasste der Klingenthaler nach einem Halswirbelbruch. Die Spiele in Innsbruck 1964 erlebte er als Ersatzmann - nach einem Skibruch im entscheidenden Qualifikationswettkampf für die damals deutsch-deutsche Olympiamannschaft.


Zahlen & Fakten

Erster Olympiateilnehmer aus dem Vogtland: Der Ringer Bruno Heckel aus Auerbach 1912 in Stockholm (Schweden).

Erster Olympiasieger aus dem Vogtland: Der Plauener Gewicht- heber Kurt Helbig 1928 in Amsterdam (Niederlande).

Erster vogtländischer Medaillen- gewinner im Skisport bei Olympia: Der Klingenthaler Skispringer Harry Glaß 1956 in Cortina d' Ampezzo (Italien).

Vogtländische Olympiasiegerin im Skisport: Die Klingenthalerin Marlies Rostock (heute Fraas) mit der DDR-Staffel 1980 in Lake Placid (USA). (tm)

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