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Melanie Weber verkabelt Rigo Herold, um den Cyberanzug zu testen. Derzeit geht es noch nicht um das Design von Anzug und Datenbrille, sondern nur um die Funktionalität. Das Projekt läuft bis Juni 2020.

Foto: Ralph Koehler/propicture

Cyberanzug kommt aus Zwickau

Mit einer neuen Entwicklung stellt sich die Westsächsische Hochschule bei der Hannover-Messe vor. Profitieren könnten davon Rentner, Arbeiter, aber auch Sportler.

Von Sara Thiel
erschienen am 14.04.2018

Zwickau. Nicht auf Herz und Nieren, sondern vom Scheitel bis zur Sohle können Menschen inzwischen geprüft werden - und das im wohlmeinenden Sinne. Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe an der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) entwickelt ein Sensorsystem, das zahlreiche Daten eines Menschen erfasst, diese interpretiert und gegebenenfalls über eine Datenbrille Handlungsanweisungen ins Sichtfeld des Trägers einspielt.

Solch ein Cyberanzug kann für ganz unterschiedliche Menschen nützlich sein, sagt Rigo Herold. Der Professor für Elektrotechnik hat bereits für die Stahlwerker der Salzgitter AG einen Datenhelm entwickelt, der ihnen in einer lauten Arbeitsumgebung Informationen und Sicherheitshinweise geben kann. Der Cyberanzug ist nun die nächste Stufe. Federführend in dem fachbereichsübergreifenden Projekt ist Torsten Merkel, Professor für Arbeitswissenschaft. "In seinem Bereich liegt die Hauptaufgabe. Denn die Fachleute müssen die gewonnenen Daten auswerten und richtig interpretieren können", sagt Melanie Weber, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Textil- und Ledertechnik. Ein schneller Herzschlag etwa oder erhöhte Temperatur könnten auf körperliche Überlastung hindeuten, aber ebenso auf psychischen Stress. Es braucht also eine Software, die das voneinander unterscheiden kann. "Wir Techniker liefern die Hardware zu", ergänzt Weber.

Zu dieser Hardware gehört unter anderem ein Shirt, das über Sensoren Daten wie die Pulsfrequenz gewinnt. Melanie Weber hat zudem einen Gürtel entwickelt, in dem die Daten gesammelt und mittels eines kleinen Computers ausgewertet werden. Denkbar ist solch eine Ausrüstung etwa für Menschen, die körperlich arbeiten, erklärt Rigo Herold. Sie könnten über die Datenbrille gewarnt werden, wenn sie überlastet sind oder etwa zu schwer heben - das Wissen dazu könnte von Sensoren in Einlegesohlen stammen. Auch für die Pflege ist ein ähnliches System denkbar. Das wiederum könnte den Trägern Hinweise liefern, wie sie sich im Falle einer körperlichen Schwäche verhalten sollen - oder erste Ferndiagnosen erlauben. Schließlich sieht Herold auch in Sportlern eine Zielgruppe.

Neben Arbeitswissenschaftlern, Textil- und Elektrotechnikern sind Designer und Wirtschaftsinformatiker an diesem Projekt beteiligt. Das besteht aus ursprünglich zwei Forschungsvorhaben: zum einen dem Cyberanzug, zum anderen einem Projekt, bei dem in Zusammenarbeit mit Dresdner Forschern eine Steuerung mit Hilfe der Augen entsteht. Das ist ursprünglich für ALS-Patienten gedacht, die sich nicht mehr selbstständig bewegen können. Über eine Datenbrille sollen sie wieder etwas mobil werden.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig - sie müssen aber immer speziell angepasst werden. Aus diesem Grund stellen sich die Zwickauer Forscher ab dem 23. April mit ihrem Projekt auf der Hannover-Messe vor. Von dort erhoffen sie sich Interessenten, die nach konkreten Anwendungsaufgaben fragen. Als die Elektrotechniker vor einiger Zeit ihren Datenhelm vorstellten, hat das schon gut geklappt. Ob daraus wieder ein richtiger Auftrag wird, zeigt sich. "Ich könnte mir auch eine Ausgründung aus der Hochschule vorstellen", sagt Melanie Weber.

 
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