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Sabine Zimmermann (Mitte) an der Seite von Curanum-Mitarbeiterin Franziska Stolle und der 99-jährigen Marianne Groß.

Foto: Andreas Wohland

Pflegekräfte zerrissen zwischen Betten und Büroarbeit

Wenig Geld, harter Job: Der Weg zu guten Arbeitsbedingungen in der Pflege ist weit. In einem Zwickauer Heim hat sich schon einiges verbessert - und doch gibt es noch Schwachstellen.

Von Viola Martin
erschienen am 10.01.2018

Zwickau. 3500 Menschen arbeiten im Bereich der Zwickauer Arbeitsagentur in der Pflege - 70 Prozent davon sind Frauen. Viele von ihnen sind überlastet, schuften für wenig Geld und oft noch weniger Anerkennung. Der Frust der Pflegekräfte hat sich in der Vergangenheit auch schon entladen: Zuletzt 2014 befanden sich die Mitarbeiter der Curanum-Seniorenresidenz "Am Schwanenteich" in Zwickau mehrere Tage lang im Streik, um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern. Sie wollten wenigstens genauso viel verdienen wie ihre Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, die damals laut Gewerkschaft 22 Prozent mehr bekamen.

Inzwischen sei mit der neuen Leitung ein neues Denken eingezogen, versichert Nicole Lein, die Leiterin des Hauses. Sie sagt, dass die Einrichtung, in der 126 Bewohner betreut werden, 94 Mitarbeiter und 14 Auszubildende zählt. Es gebe ein gutes Miteinander mit dem Betriebsrat. "Wenn es den Beschäftigten gut geht, dann geht es auch den Bewohnern gut", sagt sie. Mit dem im Juli geschlossenen Tarifvertrag sei nach nur einer Verhandlungsrunde eine Erhöhung der Löhne im zweistelligen Prozentbereich vereinbart worden. Es sei auch kein Problem mehr, von Voll- in Teilzeitarbeit zu wechseln. Bei den Verhandlungen für einen neuen Manteltarifvertrag gehe es nun noch um Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Trotzdem: Sabine Zimmermann, Bundestagsabgeordnete der Linken, wollte selbst einmal mit anpacken, um einen besseren Eindruck von der harten Arbeit zu bekommen. Sie hat gestern für ein paar Stunden in der Curanum-Seniorenresidenz mitgearbeitet.

Dass jemand aus der Politik bei ihm Dienst tut, hat Steffen Strauß noch nicht erlebt. Der Pflegedienstleiter unterbrach gestern extra seinen Urlaub, um mit der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Linken im Bundestag die Frühschicht zu absolvieren. "Das ist schon etwas Besonderes. Ich hoffe, dass sie sich stark macht für einen deutschlandweit einheitlichen Pflegeschlüssel", sagte Strauß bei einem Pressegespräch am Ende der gemeinsamen Schicht.

Sabine Zimmermann erklärt ihren Einsatz damit, dass sie sich die Probleme in der Pflege nicht nur in Berlin erzählen lassen, sondern vor Ort sehen wolle. "Mein Einsatz hier hat mir deutlich gemacht, welch harte Arbeit das ist. Ich habe erlebt, in welcher Schnelligkeit alles erledigt werden muss", sagte die Politikerin nach ihrem Dienst. Sie selbst habe Betten bezogen, Essen gereicht und Kaffee ausgeschenkt, auch mal ein paar Worte mit den Bewohnern gewechselt und gesehen, dass die Beschäftigten wirklich ständig alle Hände voll zu tun haben. Auch sehr viel Büroarbeit sei zu erledigen. "Ich kann nicht einschätzen, ob das alles notwendig ist", sagte sie.

Bessere Bezahlung ist für Zimmermann, die auch DGB-Kreisvorsitzende ist, wichtig. Doch das bedeutet auch, dass die Pflege noch teurer wird. Zimmermann sagte, dass die Pflegeversicherung nur bis zu 50 Prozent der Kosten decke. Allein im Landkreis Zwickau seien deshalb zurzeit 1039 Menschen auf finanzielle Hilfe zur Pflege angewiesen. Sie würde die Pflegeversicherung deshalb gern zu einer Art Vollkaskoversicherung machen.

Wie der Pflegedienstleiter findet es die Bundestagsabgeordnete nicht in Ordnung, dass die Personalbemessung zurzeit Ländersache ist. Sie plädiert für einen deutschlandweit einheitlichen Pflegeschlüssel und will dafür kämpfen, dass dieser kommt. Nur so könne deutschlandweit eine einheitliche Qualität angeboten werden.

 
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