Planitz spielte im Praterstadion

Straßen, Botschafter, ungewöhnliche Orte: Der Journalist Christian Adler begibt sich auf die Spuren seiner Geburtsstadt Zwickau. "Freie Presse" veröffentlicht einige seiner Berichte. Teil 50: Unterwegs in Wien und Amsterdam.

Zwickau.

In der Saison 1941/42 qualifizierte sich Sachsens Fußballmeister Planitzer SC für das Viertelfinale der gesamtdeutschen Meisterschaftsendrunde. Am 7. Juni 1942 trafen die Rand-Zwickauer im Wiener Praterstadion (seit 1993 Ernst-Happel-Stadion) auf den First Vienna FC 1894. Gegen den Meister Donau-Alpenland verlor Planitz nach einer 2:0-Führung noch mit 2:3 und schied aus. Viele Spieler arbeiteten bei der Auto Union und im Reichsbahnausbesserungswerk. "Der größte Teil der Mannschaft kam von der Nachtschicht und setzte sich anschließend in den Zug nach Wien", berichtet Norbert Peschke in seinem Buch "100 Jahre Fußball in der Zwickauer Region".

In der Qualifikation für die Fußball-WM 1978 begegneten sich Österreich und die DDR in der Gruppe 3. Die Spiele im Praterstadion und Leipziger Zentralstadion endeten jeweils 1:1 - zu wenig für Nationaltorwart Jürgen Croy von der BSG Sachsenring Zwickau und seine Mitspieler. Nur der Gruppenerste Österreich qualifizierte sich für die Weltmeisterschaft in Mexiko und schrieb dort mit der "Schmach von Córdoba", dem 3:2-Sieg gegen die BRD, Fußballgeschichte.

Die Theaterreformerin Friederike Caroline Neuber (1697-1760) versuchte erfolglos, im Theater am Kärntnertor (Vorgängerbau der Staatsoper) Fuß zu fassen. Trotz Rückschlägen wie diesem ebnete die "Mutter des deutschen Schauspiels" den Weg für spätere Generationen. In ihre Fußstapfen traten die gebürtigen Zwickauerinnen Auguste Wilbrandt-Baudius (1843-1937) und Teresa Weißbach (geboren 1981). Beide Schauspielerinnen waren am Wiener Burgtheater fest engagiert.

Gert Fröbe (1913-1988) war an der Donau das berufliche Glück hold. 1939 verpflichtete ihn das Volkstheater. "Ein Engagement nach Wien, das war für einen jungen Schauspieler kein Schritt, sondern ein Panthersprung nach vorn", schreibt er in seiner Autobiografie und fügt hinzu: "Außerdem gab es 750 Mark im Monat." Sein Engagement begann am 1. September, dem Tag des Kriegsausbruchs. Tagsüber leistete Fröbe Sanitätsdienst im "Krankenhaus der barmherzigen Brüder", das zu einem Wehrmachtslazarett umfunktioniert worden war. Abends stand der Westsachse auf der Bühne, zum Beispiel an der Seite von O. W. Fischer. Mit Curd Jürgens traf sich Fröbe zum Schachspielen im noch heute bestehenden "Café Raimund" gegenüber vom Theater. Er bezog mit seiner ersten Frau Cläre Peters eine möblierte Atelierwohnung in der Stiftgasse. Als Israel den späteren Welterfolg "Goldfinger" und weitere Fröbe-Filme auf den Index setzte, weil der Planitzer bis 1937 der NSDAP angehörte, meldete sich die jüdische Wiener Familie Blumenau zu Wort. Sie erklärte, dass der Deutsche ihr Unterschlupf in seiner Wohnung geboten und mit Lebensmittelkarten geholfen habe. Daraufhin gab Israel die Filme wieder frei.

Fast keine Spurensuche kommt ohne die unermüdlichen Schumanns aus. Eine steinerne Platte am Gebäude Schönlaterngasse 7 a, fünf Gehminuten vom Wiener Stephansdom entfernt, verrät: "In diesem Hause wohnte Robert Schumann vom Oktober 1838 bis April 1839. Dem Tondichter der Romantik anlässlich der hundertsten Wiederkehr des Sterbetages am 29. Juli 1956 gewidmet von der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien". Eine Schumanngasse zieht sich auf 1,5 Kilometern Länge durch Währing, den 18. Wiener Gemeindebezirk. Unter dem Straßenschild wurde eine Infotafel angebracht: "Robert Schumann (1810-1856) - Führender Tonkünstler der musikalischen Romantik". Auf der 2001/02 angelegten Meile der Klassischen Musik - vergleichbar mit dem Walk of Fame in Hollywood - erhielten Robert und Clara je einen Stern. Später wurden die abgetretenen Marmorsteine entfernt und eingelagert. Clara Wieck war vom Wiener Publikum bereits 1837 begeistert aufgenommen worden. Man ernannte sie zur königlich-kaiserlichen Kammervirtuosin. Roberts eigener Ausflug in die Wiener Kulturszene war eher nicht von Erfolg gekrönt. Längst weiß man ihn dort sehr wohl zu schätzen: An Litfaßsäulen entdeckte ich Plakate der "Gesellschaft der Musikfreunde in Wien", welche drei Konzertabende mit Schumann-Werken innerhalb von nur acht Tagen veranstaltete.

1853 erwies sich eine Holland-Tournee von Robert Schumann und seiner Frau als Publikumsmagnet. "Es ist sein größter Triumphzug innerhalb seiner gesamten kompositorischen Laufbahn", stellt Schumann-Biograf Martin Demmler fest. Das Künstlerpaar gastierte zum Beispiel im monumentalen Gebäude "Felix Meritis" an der Keizersgracht im Herzen Amsterdams. Im Erdgeschoss des Kultur- und Tagungszentrums befindet sich heute ein Café mit freiem Blick auf die Gracht.

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