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Mirko Bodach erläutert das Erneuerbare-Energie-Projekt Windnode, das in Marienthal umgesetzt wird.

Foto: Ralph Koehler/propicture

Schluss mit grauer Theorie: Grüner Strom wird alltagstauglich

Öko-Energie stört bisher meistens im Netz. Ein mehrere Millionen Euro schweres Forschungsprojekt aus Zwickau soll das ändern. Ein Stadtteil wird dabei zum Versuchsfeld.

Von Michael Stellner
erschienen am 15.05.2018

Zwickau. Ein Zwickauer Forscherteam will sich mit einem groß angelegten Projekt um ein ebenso banales wie ungelöstes Problem der Energiewende kümmern: Wie lässt sich Ökostrom auch dann nutzen, wenn er gerade nicht produziert werden kann, beispielsweise weil Windräder wegen Flaute stillstehen. Ein Testgebiet im Stadtteil Marienthal soll Antworten liefern. Seit Anfang 2017 laufen in der Muldestadt die Berechnungen und Vorbereitungen des Modellversuchs, der im nächsten Monat in die heiße Phase eintreten soll. Die Ergebnisse könnten nach Ansicht der Beteiligten dazu führen, die Stromnetze der Republik neu zu organisieren.

An dem Projekt Windnode ("Node" steht für Nordostdeutschland) sind zahlreiche Städte aus dem Osten der Republik beteiligt. In Zwickau handelt es sich um die Westsächsische Hochschule (WHZ), die Zwickauer Energieversorgung (ZEV), den Kraftwerksberater Senertec aus Breitenbrunn und die Westsächsische Wohn- und Baugenossenschaft (Wewobau). Im Wesentlichen geht es darum, Ökostrom effizienter in die Steckdosen zu bekommen. Denn bisher krankt das System daran, dass zu viel Strom produziert wird, der dann in die Nachbarländer verkauft und teils verschenkt werden muss.

Nach Angaben der Netzbetreiber stammen derzeit 38 Prozent des Strommixes aus erneuerbaren Energien, Tendenz steigend. Einen Rückgang der fossilen Energieproduktion gibt es kaum. Die Netze sind häufig mit Strom überschwemmt. Ökostrom stört dabei, da er nur zu bestimmten Zeiten abrufbar ist. Man müsste ihn speichern, aber das gilt als unwirtschaftlich. Dort setzt die Zwickauer Forschung an.

Der WHZ-Professor Mirko Bodach umschreibt das Projekt so: "Die Frage ist, wie kriegt man die erneuerbare Energie sinnvoll genutzt? Es kann keine Lösung sein, sie zu exportieren oder Windräder abzuschalten." Grüner Strom müsse ganz nach Bedarf aus der Steckdose kommen. Damit das möglich wird, soll das Stromnetz in einem Testgebiet am Windberg entsprechend umgebaut werden. Seit 17 Monaten laufen dafür die Vorbereitungen. Im kommenden Monat soll der erste Bagger anrollen.

Geplant ist, Stromspeicher in die dortigen Mietshäuser der Wewobau einzubauen. 1109 Wohnungen sind angeschlossen, in 170 Haushalten werden zudem digitale Stromzähler verbaut, die Bedarf und Verbrauch auf die Minute genau dokumentieren. Zusätzlich ist geplant, Ladestationen für Elektroautos anzuschließen sowie ein neues Trafohäuschen zu bauen. Ab 2019 werden die Daten im Ubineum ausgewertet. 2020 endet das Projekt, dann will man feststellen, ob es sich auf andere Städte im Bundesgebiet übertragen lässt.

Aus Verbrauchersicht soll sich nichts ändern. Man steckt den Stecker in die Dose, und Strom fließt. Wieso dann der ganze Aufwand? "Um in Zukunft die Energiekosten bezahlbar zu halten", sagt Professor Bodach. Wohlgemerkt nicht, um die Kosten zu senken. Bodach geht davon aus, dass die Energiepreise in jedem Fall steigen werden, es geht nur um die Höhe.

Effizientere Systeme könnten helfen, die Kosten zu beherrschen, meint er. So ließe sich Geld sparen, wenn man nachts sein Elektroauto mit Sonnenstrom aus der Konserve tanken könnte. Das klingt nach einer alten Idee, nämlich dem Konzept von teurem Tag- und billigem Nachtstrom. Nur die technische Umsetzung wäre eine ganz andere.

Bevor es dazu kommt, kostet die Forschung vor allem Geld. 3 Millionen Euro Fördermittel fließen in das Zwickauer Vorhaben. Wie viel die Partnerunternehmen aus eigener Tasche beisteuern, ist unbekannt. Anders verhält es sich beim zweiten großen Forschungsprojekt namens "Zwickauer Energiewende Demonstrieren" (ZED), das ebenfalls in Marienthal getestet wird, sich aber mit Wärmeversorgung beschäftigt. ZED läuft bis 2022 und kostet stattliche 22Millionen Euro, wovon allein städtische Tochterfirmen 4 Millionen Euro selbst tragen sollen. Das scheint sogar den Beteiligten etwas viel. Sind sie bei Halbzeit nicht vom Gelingen überzeugt, kann ZED abgebrochen werden, bevor es richtig teuer wird. In kleiner Runde äußern sich selbst die Projektpartner skeptisch und sagen Sätze wie: "Wer weiß, was dabei rauskommt. Ob das nicht nur eine Spielerei für Wissenschaftler ist."

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
1
Kommentare
1
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 15.05.2018
    08:19 Uhr

    Tauchsieder: Die armen Versuchskaninchen.
    Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld, wer hat soviel Pinke, Pinke ...... .

    2 2
     
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