Was Zwickau mit zwei Hochbunkern zu tun hat

Straßen und Botschafter, ungewöhnliche Orte, Persönlichkeiten: Der Journalist Christian Adler begibt sich auf die Spuren seiner Geburtsstadt. "Freie Presse" veröffentlicht eine Auswahl seiner Berichte. Teil 1: die Zwickauer Straßen in Bremen und Dortmund.

Zwickau.

Zwickauer Straßen gibt es landauf, landab so einige. In den westdeutschen Bundesländern wirken sie zumeist nicht sonderlich attraktiv, befinden sich in Plattenbauvierteln und am Stadtrand. Zwickaus Partnerstadt Dortmund und die Hansestadt Bremen bilden ansehnliche Ausnahmen: Hier liegt die Zwickauer Straße in zentrumsnahen, schönen Wohngebieten. Und es gibt eine weitere nicht zu übersehende Gemeinsamkeit: In beiden Halb-Millionen-Städten steht an der Zwickauer Straße ein Hochbunker.

Im Süden der Dortmunder City gelegen, erreicht man die 190 Meter lange Einbahnstraße gut zu Fuß ab Hauptbahnhof (20 Minuten) oder Bahnhof Stadthaus (fünf Minuten). Die Zwickauer Straße verläuft im 90-Grad-Winkel zwischen Sonnenstraße und Dresdener Straße. Geprägt wird sie von gepflegten Alt- und Neubauten, der Rückseite eines Telekom-Komplexes, dem Hochhaus "Ellipson" in Sichtweite und dem mächtigen Bunker. Bei diesem so genannten "Sonnenbunker" handelt es sich laut einer gleichnamigen Internetseite um den ersten ABC-sicheren Bunker für die Zivilbevölkerung in Deutschland. Im Ernstfall hätten hier 1500 Menschen für 30 Tage Schutz vor atomaren, biologischen oder chemischen Waffen finden sollen. Foto- und Taschenlampenführungen durch den schaurig-schummrigen Betonklotz erfreuen sich reger Nachfrage.

Eine architektonisch außergewöhnliche Zwickauer Straße weist der Bremer Stadtteil Findorff nördlich der City auf. Charakteristisch sind Wohngebäude vom Typ "Bremer Haus" - dicht an dicht gedrängte schmale Reihenhäuser, wie man sie aus England kennt. Ins Auge sticht ein roter öffentlicher Bücherschrank. Hier kann jeder stöbern, Bücher mitnehmen oder einstellen.

Die andere Seite der 180 Meter langen Einbahnstraße ist größtenteils unbebaut. Der dort stehende Bunker wirkt wie ein in diese Idylle gestürzter Meteorit. Laut der Internetseite spurensuche-bremen.de wurde er während des Zweiten Weltkrieges gebaut und ist Bremens ältester Hochbunker. Die Zwickauer Straße mündet in die Magdeburger und Meißener Straße. Vom Hauptbahnhof erreicht man sie zu Fuß in etwa einer Viertelstunde.


Zwickauer mit Leib und Seele

Der Autor Christian Adler lebt zwar schon seit Jahren nicht mehr in der Muldestadt und doch ist er Zwickauer mit Leib und Seele. Geboren wurde er 1978 im Heinrich-Braun-Klinikum, aufgewachsen ist er in der Nähe von Pirna. Nach dem Abitur studierte Adler Journalistik und Politikwissenschaft an der Uni Leipzig. Seit 2005 ist er Redakteur und stellvertretender Pressesprecher in der Unternehmenskommunikation des Mitteldeutschen Flughafens Dresden.

Aus Liebe zu seiner Geburtsstadt hat Christian Adler 2007 den privaten Blog Zwickautopia ins Leben gerufen. "Das ist für mich Hobby und Herzensangelegenheit zugleich." Das Portal richte sich an Freunde und Entdecker der Stadt. "Es bietet Lektüre, versteht sich als Lockruf für Auswärtige und will auch den Lokalstolz der Einheimischen stärker wecken, ohne dabei die Stadt zu verklären." 2011 ist daraus das Buch "Zwickauer Seiten - Eine Liebeserklärung an Sachsens schöne Schwanenstadt" hervorgegangen. Noch immer ist Adler regelmäßig in der Muldestadt zu Besuch - hier leben seine Großeltern. Adlers Lieblingsort: die Innere Plauensche Straße. www.zwickautopia.de

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